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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gnadenkinder lesen unterm Sternenhimmel



bonnie
27.11.2013, 17:43
Wir sind nicht wenige.
Etwa 7 Milliarden Menschen leben auf unserer Erde.
4 Milliarden davon teilen sich ihren Lebensraum auf dem Kontinent Asien.
In Europa tummeln sich 740 Millionen Menschen.
81 Millionen Menschen leben in Deutschland, 8,4 Millionen Menschen teilen sich das Geburtsland des bekannten Komponisten Mozart und 8,1 Millionen leben zwischen Basel und Bern im Schweizerland.
(diese Zahlen sind nur ungefähre Werte und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit)
Nein, wir sind nicht wenige.

Wir haben völlig unterschiedliche Kulturen, Erziehung, Erlebnisse, Gedanken...
7 Milliarden Köpfe, einmalige Wesen, Herzen und am Ende einzigartige Seelen.
Wir haben zwei Augen, zwei Ohren, zwei Hände und doch hört, sieht und erlebt jeder Mensch jedes Leben auf seine ganz eigene Weise.

Es ist einige Tage her, da stellte ich eine Frage in den kalten Morgenhimmel.
"Können so viele so verschiedene Menschen je irgendetwas gemeinsam tun ohne sich zu streiten, sich zu verletzen oder einander das eigene Wahrnehmen und Leben schwer zu machen? Ist das überhaupt möglich?"
Und dann lief ich los, einfach in die Dunkelheit der Nacht. An Häusern vorbei von denen wieder jedes einen anderen Zaun oder einen größeren Garten, einen einmaligen Briefkasten oder schmalere Treppen hatte. Hier und da blieb ich stehen und mir fiel auf, wie unterschiedlich selbst die Türen oder Klingelknöpfe waren...
Und irgendwie schien ich so überhaupt gar nichts Gemeinsames zu finden an diesem Morgen. Haben Menschen keine gemeinsamen Ziele oder Themen mehr, weil jeder einfach einmalig ist und es auch sein soll?
Aber das war früher auch nicht anders und doch saßen Menschen an den Abenden zusammen vor den Kaminen in den Stuben (vor allem in der kalten Jahreszeit, weil das Feuer Wärme brachte) und lernten voneinander. Frisst die Individualität unserer Zeit gerade in so persönlichen Bereichen des Glaubens etwa den Austausch und das gemeinsame voneinander Lernen auf? Sind wir schon jeder so speziell, dass wir so viele Unterschiede haben, die einfache Kommunikation so sensibel und schwer machen, dass es besser ist, es behält jeder sein Wissen, Erleben und Fühlen für sich? Ein Copyright auf jeden Gedanken und Glauben?
All diese Fragen flüsterte ich in den Nachthimmel und sprach mit dem, der doch all diese Menschen geschaffen hat.
Lange ging ich flüsternd durch die Straßen. Lief gedankenversunken oder auch aus Müdigkeit beinahe gegen eine Laterne und erschrak, als hinter mir plötzlich das Fahrzeug vom Winterdienst brummte.

Was haben wir denn noch gemeinsam? Wo könnten wir gemeinsam etwas beginnen?
Fast hätte ich aufgegeben. So soll eben jeder Mensch glauben, was er glaubt. Was man nicht weiß, erfährt man bestenfalls von Menschen, mit denen man sich noch unterhalten kann oder- naja googeln kann ja jeder alles...
Wie viele Sterne kannst du heute sehen? Mein Blick war abwärts auf die Straße gerichtet um nicht auf der eisigen Fläche auszurutschen.
Sag schon, wie viele siehst du? Heb doch mal den Kopf. Da ich wusste, wer mit mir auf diese stille, unhörbare Weise kommuniziert (nein, ich höre keine Stimmen und kommuniziere dennoch), ahnte ich, was ich über meinem Kopf in der wolkenfreien Nacht zu sehen bekam.

Und jetzt? Ja, es sind unzählbar viele, aber worauf ist das die Antwort?
Das sehen alle Menschen und das sahen auch vor dir schon alle. Das sah Adam, Noach, Abraham, Sara, Isaak, Rebecca...
Meinst du, das sieht auch ein Provisorium, Alef, Flat, Dreamangel, Helo, Jamy...?
Nun, nicht jeder Mensch hat den gleichen Blickwinkel, aber alle sehen auf das Gleiche. Was du nicht siehst, weil du es von deinem Ort aus nicht sehen kannst, sieht ein anderer Mensch, weil er einfach an einer anderen Stelle steht. Doch ihr blickt alle auf die Sterne, auf das Gleiche...
Naja bei Sternenbildern aber ist das einfach- der große Wagen ist nun mal der große Wagen. Aber wie soll das in diesen Glaubensdingen gehen?
So, so, es ist also einfach, all die Sterne zu zählen? Kennst du etwa einen Menschen, der alle zählen kann?
Natürlich kenne ich keinen Menschen, der alle Sterne zählen kann. Genauso wenig wie ich einen Menschen kenne, der alles weiß.
Aber ich würde euch alle gern einladen, gemeinsam auf ein Gemeinsames zu blicken. Von unterschiedlichen Perspektiven aus und doch, ich habe in den letzten Tagen den einen oder anderen danach gefragt, tun wir es auf die eine oder andere Weise alle hier- Bibel lesen?

Let`s go ! Im Anfang...

noch ein paar organisatorische Gedanken nebenher:
1. da manche Bibelübersetzungen dem copyright unterliegen, können wir hier nicht ganze Absätze ins Forum einstellen.
2. dank des Internets, ohne das ihr ja mein Getippsel gar nicht lesen könntet, kann aber jeder von euch lesen, was der andere in seiner Übersetzung liest, wenn er/sie es will

http://www.bibleserver.com/start

oder ihr zeigt mittels link, so es welche gibt, was ihr lest

3. ich weiß, dass es hier in den Gnadenkindern sicher schon unzählige Diskussionen über Bibelstellen usw gibt, aber ich fände es gut, wenn wir trotzdem gemeinsam miteinander hier austauschen. Jeder kann schreiben, was er wie versteht, beim Lesen denkt oder über Hintergründe weiß.
Wenn jemandem etwas zu seltsam klingt, weil es ein fremder Blickwinkel ist, finde ich das nicht schlimm. Nur eines fände ich schrecklich- wenn wir vergessen, dass jeder von uns einen begrenzten Horizont hat.
Sollte dann eher ein Abschnitt in eine größere Diskussion münden, würde ich empfehlen, das dann jeweils in einen anderen Thread abzuspalten.

ein Beispiel: Genesis - die Schöpfung (damit wirds wohl starten)
ich lese das so
http://www.annette-boeckler.de/bibel/mendelssohn_001.html
dann könnte ich meine Gedanken und Fragen dazu schreiben oder was das für mich bedeutet im praktischen Leben... (aber ich habe heute schon viel zu viel getippt)

dann kann sich jemand anderes zu Wort melden, der das zb so sieht:
http://www.youtube.com/watch?v=P5eSa4R8ozk

oder ein dritter (wohl jüngerer User ;)) sagt dann, so verstehe ich das:
http://www.youtube.com/watch?v=MXHQoN2K5H4


wenn ihr Lust habt, dieses gemeinsame Projekt zu starten, bitte ich mal um Handzeichen

Provisorium
28.11.2013, 16:08
&rosarot

LG
Provisorium

anonym002
29.11.2013, 19:24
So habe mich nun nochmals durch den Sternenhimmel geackert. Im Moment scheint sich da ein kleines Spektakel abzuspielen, mit diesem Komet, der da um die Sonne kurvt…



Genesis 1,1… bereschit bara elohim et haschamajim w’et ha’arez

So der erste Satz in der Bibel

Oder dann: בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ

7 Worte, und aus diesen 7 Worten werden Bücher geschrieben.


Ja, die meisten werden das „Elohim“ erkennen, die Bezeichnung für den einzigen alleinen Gott.
Und deshalb mal einige Gedanken über dieses eine Wort

אֱלֹהִים (Elohim) Der Wurzel אלה begegnen wir eleh „diese“. Dieser demonstrative Pluralgedanke „diese“ fasst aber immer eine gegenüberstehende Vielheit in irgend einer Einheit zusammen. So bezeichnet der Gottesname אֱלֹוקַ (Eloka) den Einen, dessen Macht und Wille diese Vielheit in eine Einheit zusammenfasst, durch den die Beziehung Aller zu Ihm, dem Einen, diese Vielheit eine Einheit, ein Ganzes wird. Daher heisst אֱלֹוקַ eigentlich: Weltmachthaber, -Ordner, -Gesetzgeber, -Richter. Daher heissen dies Ordner und Richter dann אֱלֹהִים Elohim.
Dem Heidentum „zerfiel“ die Welt auch in eine Vielheit mit Göttern, welche mit besonderen Machtattributen ausgestattet, als Machthaber vorstanden. Ausgehend vom Irrtum der Urewigkeit der Materie sanken diese Götter zu einer Unfreiheit einer Naturkraft herab, die keine wahrhaften Gegensätze und grundverschiedene Erscheinungen erzeugen konnten. Einer Welt voll Gegensätze muss auch eine Vielzahl von Gottheiten, Göttern zugrunde liegen.
Das Judentum überträgt all diese Machtfülle dem Einen und Einzigen und hebt ihn der Vorstellung einer blossen Naturkraft hoch empor.
Die Pluralform zur Bezeichnung einer Persönlichkeit vereinigte Machtfülle ist in Ausdrücken der Herrschaft und Macht der hebräischen Sprache nicht fremd.


Zusammengefasst aus dem Kommentar und Übersetzung von S. R. Hirsch zu Bereschit

anonym002
29.11.2013, 19:28
Da steht noch ein anderes Wort gleich 2 mal

אֵת (et, we‘et)

Eigentlich ein Wort, das sich nicht übersetzen lässt, und in der Übersetzung auch nicht ersichtlich ist, aber trotzdem von tiefer Bedeutung ist.

Provisorium
29.11.2013, 21:40
So habe mich nun nochmals durch den Sternenhimmel geackert. Im Moment scheint sich da ein kleines Spektakel abzuspielen, mit diesem Komet, der da um die Sonne kurvt…Ich glaube er kurvt nicht mehr, sondern hat sich mittlerweile aufgelöst. Milliarden von Jahren unterwegs und dann löst er sich auf...Eigentlich ein schöner Gedanke...


ם (Elohim) Der Wurzel אלה begegnen wir eleh „diese“. Dieser demonstrative Pluralgedanke „diese“ fasst aber immer eine gegenüberstehende Vielheit in irgend einer Einheit zusammen. So bezeichnet der Gottesname אֱלֹוקַ (Eloka) den Einen, dessen Macht und Wille diese Vielheit in eine Einheit zusammenfasst, durch den die Beziehung Aller zu Ihm, dem Einen, diese Vielheit eine Einheit, ein Ganzes wird.Na das ist doch genau das, was ich auch immer wieder mal zu vermitteln versuche...! Alles ist nur als Einheit denkbar, auch die Vielheit. Und Gott ist der/die/das Eine und Grund aller Vielheit - eben das Absolute.


Das Judentum überträgt all diese Machtfülle dem Einen und Einzigen und hebt ihn der Vorstellung einer blossen Naturkraft hoch empor.Schon wieder! Das sage ich ja auch immer wieder! Substantiell (also mit aller Machtfülle) ist allein der/die/das Eine (also Gott) und dieses Eine ist über alle Welt/Natur(kräfte). Ich sag's halt nur nicht jüdisch (weil da kenne ich mich nicht so aus und habe kein Recht zu), ich sag's philosophisch, aber am Ende kann ich mich damit völlig identifizieren!

Weiter so...

LG
Provisorium

Provisorium
29.11.2013, 21:42
אֵת (et, we‘et)

Eigentlich ein Wort, das sich nicht übersetzen lässt, und in der Übersetzung auch nicht ersichtlich ist, aber trotzdem von tiefer Bedeutung ist.Na das ist aber ein bisschen doof, wenn man es nicht übersetzen kann, es gleichzeitig aber doch von tiefer Bedeutung ist. Wie kommt da denn nun ein Provisorium hinter die tiefe Bedeutung?

LG
Provisorium

anonym002
30.11.2013, 08:51
Vers 1: Von Anfang hat Gott den Himmel und die Erde erschaffen

בְּרֵאשִׁית BeReschit, im Anfang. Ra’asch רעש und Rachasch רחש wovon das Eine eine Ortsbewegung und das Andere ein innere Bewegung bedeutet. Das lehrt, dass Rosch רֹאש als den Sitz der Bewegung, als „Organ“ zu begreifen ist, von welchem alle äussere und innere Bewegung den Ausgang nimmt. Darum ist Reschit der Anfang einer Bewegung, der zeitliche Anfang, und nie der räumliche.

Der räumliche Anfang ist wie das Ende קָצֶה Kazeh, und bezeichnet die beiden Endpunkte einer Ausdehnung, die je nach Standpunkt Anfang oder Ende sind.

Bereschit bara spricht das Faktum aus, dass dem Schaffen Gotte NICHTS vorangegangen ist. Somit die Schöpfung aus dem Nichts. Eine Wahrheit, die den Grundstein des Bewusstseins bildet, welches die Lehre Gottes uns aufbauen will. Weshalb? Das Gegenteil, die „Urewigkeit“ des Weltstoffes, die den Schöpfer nur als Bildner zulässt und die ebenso den Grundstoff ist, ist heidnische Lehre. War dem Weltbildner der Stoff (Materie) gegeben, so konnte er aus dem gegebenen Stoff nicht das absolut gute, sondern nur die relativ beste Welt gestalten. Alles physische und sittliche Übel würde in der Mangelhaftigkeit des Stoffes liegen. Die Freiheit wäre aus der Welt geschwunden, eine Trostlose Notwendigkeit würde über die Welt samt ihrem Gott gebieten.
So ist alles, Stoff und Form allen Seiendem, aus dem freien, allmächtigen Schöpferwillen hervorgegangen und hat dem Stoff diese seine Kräfte, Gesetze einverleibt. Und so hat er auch dem Menschen einen Funken seines freien Willens eingehaucht.

Die von Gott erschaffene Welt ist nicht die möglichst Beste, sondern die einzig Gute und entspricht in all ihren scheinbaren Übeln dem Weisheitsplan ihres Schöpfers, der sie auch anders hätte erschaffen können, wenn dieses Andere seinem Willen entsprechender gewesen wäre. So gehört auch die Möglichkeit der sittlichen Verfehlung des Menschen mit zu seiner sittlichen Vorstellung und gehört zur Grundbedingung seiner sittlichen Freiheit.


Zusammengefasst aus dem Kommentar und Übersetzung von S. R. Hirsch zu Bereschit

anonym002
30.11.2013, 09:08
Worte und „Buchstaben“ können so wundervoll sein, wie auch der Sternenhimmel oder das einfachste Blümlein im Garten, oder eben auch andere Menschen…..

So kommt es für mich darauf, was ich aus ihnen schöpfen kann, und nicht, was ich in sie hineinlegen will oder möchte, weil mir ein Glauben bestimmtes vorschreibt.


Wie jedes Jahr, gibt es im Garten auch immer wieder Raupen, die man nicht so liebt. Aber trotzdem, es ist eines der wunderartigsten Wesen, wie es sich dann verpuppt und zu einem Schmetterling wird. Da entsteht aus dem äussern abgestorbenen neues Leben, sozusagen eine neue Kreatur. Weiss der Schmetterling um seine frühere Existenz?

Es sind Gedanken über den Ewigen und seine Schöpfung, wo ich mich finde, wo eine Harmonie und Ruhe in meine Seele kommt, wo ich mich dann auch verbunden fühle, mit DEM, der uns seinen Odem eingegeben hat.



PS. der Komet ist wieder aufgetaucht, die Sonne hat ihn nicht verbruzelt..... und soll um die Weihnachtszeit ersichtlich sein...

anonym002
30.11.2013, 18:09
Nun, noch einige Gedanken, wenn ich da in den Sternenhimmel der kalten glasklaren Nacht schaue und zum Träumen beginne....



Warum beginnt der Schöpfungsbericht nicht mit dem 1. hebräischen Buchstaben „Alef“, sondern mit dem 2. Buchstaben Beth?

Buchstaben sind ebenso Zahlen im Ivrit (hebräische Sprache).
Alef ist die 1, Beth die 2, Gimmel dann die 3 usw. bis Tav = 400, und jeder Buchstabe hat so seine Bedeutung(en).

Beth ist nicht mehr EINS1, sondern repräsentiert die "Dualität", somit auch die Pluralität, die Vielheit, im Gegensatz zum „Alef“, den EINEN Gott. So wurde alles in der Schöpfung in „Paaren“ geschaffen, Himmel und Erde, Licht und Finsternis usw ist an all diesen Schöpfungstagen zu erkennen, dies aber nicht zum Kontra, sondern zur Einheit, zur Ausgewogenheit, denn siehe, es war sehr gut. Aus Abend und Morgen, aus Nacht und Tag wird EIN Tag, so wie eine Pflanze aus Wurzeln besteht und dem was über dem Boden wächst. Aus der Tiefe, aus der Ruhe und Stille der Nacht (Erdreich) holt sich die Pflanze Kraft, Nahrung. Nicht kontra, sondern verbindend, ja sogar Abhängig.

Für den Ewigen war die 2 nicht erforderlich, um zu schaffen, um zu erschaffen, der Mensch aber braucht es, ohne das andere gibt es keine Nachkommen, ohne etwas anderes können wir nichts bewirken,

Beth bedeutet Haus, ein Heim. Gott wollte ein Heim einen Platz schaffen, für sich und den Menschen. Das war der Sinn und Ziel der Schöpfung.


Bereschit, im Anfang, reschit, der Kopf. Es war SEIN Verlangen, zu schaffen, schaffen aus dem Nichts. Und in diesem dürfen wir leben und uns freuen.

Provisorium
30.11.2013, 18:21
PS. der Komet ist wieder aufgetaucht, die Sonne hat ihn nicht verbruzelt..... und soll um die Weihnachtszeit ersichtlich sein...Ja tatsächlich! Er ist wieder auferstanden und wird Weihnachten sichtbar...Muss ein christlicher Komet sein...;-)

bonnie
01.12.2013, 21:17
kleine Gedankennotiz von mir:

"der göttliche Geist wehend auf den Wassern"- was ist "Geist"?

Was ist "Ruach", denn wir Menschen bekamen es eingehaucht, aber "Geist" (s.o.) ist es nicht?

anonym002
02.12.2013, 17:00
Machen wir einen Sprung in die 2. Schöpfungsgeschichte….


Vers 7: Da bildete Gott (JHWH Elohim) den Menschen, Staub von dem Menschenboden, und hauchte in sein Antlitz Odem des Lebens, und so ward der Mensch zu einer lebendigen Persönlichkeit.


Da „bildete“, dieses Wort hier ist einmalig in der ganzen Tenach, es wird mit einem doppelten Jud geschrieben. Es vereinnt Ewiges mit Vergänglichem, Irdisches mit Himmlischen, vereine Jezer Tov und Jezer haRa. Die Erscheinung des Menschen ist eine doppelte. So ist der Mensch für beide Richtungen gebildet worden. Jezer haRa ist nicht Ra, das Böse, sondern da Sinnliche.

Der Mensch, das „Rote“ ist nicht der weisse Strahl, sondern der gebrochene, mit dem irdischen vermählte göttlichen Licht, Er ist nicht Malack, ein himmlisches Wesen, sondern Adam und hat mit der sinnlichen Welt, mit seiner sinnlichen (von Gott gegebenen Natur) seine göttliche Aufgabe zu lösen.



Odem des Lebens:

Das Menschenleben, das Lebendige im Menschen entnahm Gott nicht von der Erde. Leblos, Afar, lag der für den zukünftigen Menschen geformte Leib da, da hauchte Gott in sein Antlitz den Odem des Lebens und so war der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Der Hauch Gottes die נִשְׁמַת Nischmat, Neschamah machte den Menschen zu einem lebendigen Individuum. Darin liegt die Freiheit, die Unsterblichkeit, die ganze Grösse des Menschen.
So ist die Lebenskraft des Menschen nicht an den Leib geknüpft (wie bei Tier) sondern an den Geist. Mit dem Geist erhielt er das Leben und im Geist haftet die Seele. So haftet das lebendige nicht an dem Leib, sondern am/im Geist.
Es gibt im Menschen ein sich aller Berechnung entziehendes, er kann, wenn auch alles andere bereits geschwunden scheint, durch den Geist noch lebendig bleiben, denn der Geist trägt auch das Leben.

So sind im Menschen zwei ihrer Natur völlig verschiedene Wesen vereinigt. Das eine ist der Erde angehörig. Allein wie der Mensch aber nicht der Erde angehört, sondern die Erde dem Menschen zur Herrschaft übergeben ist, also ist das Bisschen Afar min haAdamah, das den Menschenleib bildet, dem Menschen untertan.
Was Afar ist, was irdisch ist kann sich der Mensch nicht entziehen, und erliegt den Einflüssen irdischer Elemente. Allein, was ihn zum Menschen macht, die נִשְׁמַת חַיִּים der Odem des Lebens macht ihn der natur dieses ihres Ursprungs teilhaftig und hebt so auch den Leib mit hinein in den Bereich der Freiheit.


aus ebendemselben.......

anonym002
14.12.2013, 18:30
Ich möchte mal einen Gedankensprung machen:

Von Adam zu Mose:

Da ist Mose bei seinem Schwiegervater, des Priesters von Midian. Mit der Herde kommt er zum Berg Gottes, dem Herob.

Da erscheint ihm der Engel JHWH in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Nein, es geht mir nun nicht darum, wer nun der Engel des Herrn ist.

2.Mose 3,4 Als aber JHWH sah, daß er herzutrat, um zu sehen, da rief ihm Gott mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Und er sprach: Tritt nicht näher heran! Zieh deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden! 6 Dann sprach er: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

(Ähnliches Episode bei Josua 5,14)

Nun stellt sich die Frage (nein, nicht nach dem Engel des Herrn), sondern, warum musste Mose seine Schuhe ausziehen?
Die Antwort, dass es heiliger Boden sei, ist schon im Text gegeben. Aber warum? Ist das die ganze Antwort?


Ich habe mir in der letzten Woche Gedanken darüber gemacht, muss sie aber zuerst mal „verständlich“ auf Papier bringen….aber doch mal anregen, sich Gedanken darüber zu machen, sich damit zu beschäftigen…

bonnie
15.12.2013, 11:59
"Zieh deine Schuhe von deinen Füßen, denn die Stelle, auf welcher du stehst, ist heiliges Erdreich."

Schuhe an den Füßen oder eben nicht, hat viele Bedeutungen.
Sie gelten als Zeichen von Luxus und Schutz.
Sie schützen vor Verletzungen, Kälte, Schmutz und geben eine Begrenzung vor, worauf wir Menschen stehen.

Wenn Gäste unsere Häuser, unsere Wohnungen oder unseren privaten Besitz betreten, dann stellen sie meist bis heute die Frage "Soll ich die Schuhe ausziehen?" Meist stellt sich die Frage, um den Boden des Hauses oder der Wohnung nicht unnötig zu verschmutzen. Und zugegeben, in matschigen Jahreszeiten bin ich sehr froh, dass Gäste ihre Schuhe ausziehen und biete ihnen gern Hauspantoffeln an, die bei uns direkt neben der Eingangstür hängen.

Es ist ein Zeichen von Respekt bis heute und doch finde ich da viel mehr darin.
Wenn zb. früher ein Geschäft mit einem anderen Menschen gemacht wurde und man in irgendeiner Sache sich einig wurde, so zogen die "Geschäftspartner" die Schuhe aus als Bestätigung des Handels.
Ich fand das zb. in Ruth 4,7 .
Oder auch wenn man Land verkaufte- ein Landbesitzer lief in seinen Schuhen die Landesgrenzen ab, tätigte dann den Handel um den Preis und die Bedingungen und überreichte zum symbolischen Abschluss am Ende den Schuh an den neuen Besitzer.

Einen Raum oder einen Ort mit Schuhen zu beteten, der einem nicht gehört, kann so also (zugegeben etwas hart formuliert) als eine Art Inbesitznahme betrachtet werden.
Ziehe ich die Schuhe aus, zeige ich Respekt und Achtung und sage damit "ich bin nicht Besitzer sondern Gast hier"
Ziehe ich die Schuhe aus, so gebe ich meinen Füßen die Blöße. Das heißt, ich bedecke sie nicht, verstecke sie nicht, sondern betrete den Ort bewußt ohne Schutz, ohne Anspruch auf mein Recht oder Besitz.
Ohne Schuhe zu sein, heißt ich bin verletzbar und geht manchmal sogar im Symbol so weit, dass ich mit bloßen Füßen eben keine verpackten Fußspuren hinterlasse, sondern "nur" meine ganz leichten individuellen.

Ohne Schuhe zu laufen, ist ebenso ein Zeichen von Armut und Schande.
Schuhe zu werfen zb. ist ein Zeichen von Verachtung gegenüber dem, der damit gemeint ist.
Die Schuhe des Holocaust zb. erzählen da ganz eigene Geschichten von ihren Trägern und deren Schicksal...

Mose zieht die Schuhe aus- denn es ist nicht sein Boden, es ist nicht sein Besitz, es ist ein Zeichen der Achtung und der Unterordnung- ein Zeichen davon, dass hier an dieser Stelle in seinem Leben ein Anderer spricht und führt. Er ist "Gast", er ist verletzlich, weil er Mensch ist, er steht auf heiligem Boden mit nackten Füßen vor dem, der Besitzer und Herr seiner Väter und Nachkommen ist. Hier gilt kein menschlicher Besitz oder Rang, kein menschliches Denken oder Luxus. Es ist eben heiliger Boden, wo nur EINER das Sagen hat.
Diese "andere Welt" (denn wer kann menschlich schon erklären, warum und wie ein Busch brennt ohne zu verbrennen?) betreten wir Menschen ohne den "Staub an unseren Schuhen", also eigentlich auch ohne wirklich eigene Erfahrungen einbringen zu können. Darin lenkt und zeigt nur EINER...

meine Gedanken kurz dazu...

lg bonnie

anonym002
15.12.2013, 17:20
Danke Bonnie für deine Gedanken, an denen ich gerne teilnehme.

Hier nun zusammengefasst, was mich immer wieder über die Tage hinweg so in Gedanken bewegte. Einiges ist gleich, einiges etwas anders.


Ja, ich mag es auch, wenn bei uns Gäste ihre Schuhe ausziehen, obwohl wir dann auch schon mal ein Becken geholte hatten, damit der Gast seine Füsse waschen konnte…..


Mose, und auch Josua werden also aufgefordert, ihre Schuhe auszuziehen.


Die Begründung scheint simpel zu sein: Der Boden ist heilig. Heiliger Boden… wie gerne würden wir doch einen solchen Ort wissen und kennen. Was würden wir nicht alles aus ihm machen, sicher eine riesige Pilgerkirche oder zumindest Pilger-Stätte darum bauen. Beispiele gibt es genügend in Israel, wo gewisse Quadratmeter regelrecht abgeküsst werden.

Was macht den heiligen Boden aus? Sicher, es ist die Gegenwart des Ewigen, das sich Offenbaren Gottes gegenüber dem Mensch, das eine heilige Atmosphäre gibt.
Wir wissen ja alle, Gott ist nicht an einen Ort gebunden, sondern ist immer dort, wo man IHN sozusagen eintreten lässt. „Heiliger Boden“ müssen wir uns deshalb nicht suchen, sondern ihn erkennen, denn Morgen schreitet ein Tier darüber, knappert da am Dornbusch, wie wenn nichts gewesen wäre.

Daraus folgt dann aber, dass man seine "Schuhe" auszieht. Ja, Schuhe sind was bequemes, schützendes, bewahrendes, und sie haben ihre Berechtigung. Wer will schon auf steinigen Strassen barfuss gehen?
Aber hier betreten wir eine andere Ebene. Gott fordert, die Schuhe auszuziehen. Was sind denn unsere „Schuhe“ in der Gegenwart Gottes?
Schuhe, wie gesagt, geben ein Gefühl der Sicherheit, geben Schutz vor dem Anstossen, oder gar von Bissen kleiner Tiere.
Schuhe sind wie unser „Glaubensmodel“. Wir glauben, und das hat eine bestimmte Form und Norm. Wir äussern es in einem Glaubensbekenntnis und meinen zu wissen, wie Gott sei. Es gibt Sicherheit. Sicherheit, dass man gar nicht mehr wagt, barfuss zu gehen.

Aber genau in diesen zwei Passagen, wo Gott auffordert, die Schuhe auszuziehe, beginnt was besonderes, was man nicht denkt. Mose wird berufen, einen Weg zu gehen, den er nicht weiss. Aus dem „wohlbehütet“ sein bei Jitros, dem Priester und seiner eigenen Frau wegzugehen in eine ungewisse Zukunft (und Mose hatte dann ja auch schon die Ausreden bereit) mit einem Auftrag, dem er sich nicht gewachsen fühlt.

Mose merkt da auf einmal, wie sich heiliger Boden anfühlt. Nein, nicht durch falsche Informationen durch Schuhwerk, die sich bequem an den Fuss angepasst haben, sondern direkt auf der Haut. Sand, Steine, vielleicht auch eine stechende Distel dazu auf dem steinigen Berg.

Und Mose nimmt wahr, wie Gott ist, und verhüllt sein Angesicht und fürchtet sich, Gott zu schauen. Warum fürchtete er sich? Weil er vielleicht ein schlechtes Gewissen hatte? Ich denke eher weniger dies, sondern diese Heiligkeit ihm buchstäblich in die Knochen fuhr (wenn man das so sagen kann). Im Erleben „schaut“ udn erkennt Mose seinen Gott, den Gott seiner Väter.


Den Ewigen in unserem Leben, auf unserem Lebensweg begegnen, wirkt Veränderung, wenn wir uns die Schuhe dabei ausziehen. Aber auch eine tiefe Ehrfurcht vor diesem einen einzigen mächtigen Gott und Schöpfer.

bonnie
03.01.2014, 17:09
Den Ewigen in unserem Leben, auf unserem Lebensweg begegnen, wirkt Veränderung, wenn wir uns die Schuhe dabei ausziehen. Aber auch eine tiefe Ehrfurcht vor diesem einen einzigen mächtigen Gott und Schöpfer.

es braucht Mut, die Schuhe aus zu ziehen
es braucht Demut
es braucht Vertrauen

damit Neues und Unbekanntes beginnt, dass wir Menschen nicht steuern, meist nicht mal wirklich beeinflussen können.

(kleine Gedankenergänzung :))