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Fisch
26.08.2006, 12:03
Das Beste


Gott sprach zum König: „Erbitte von Mir!
Denn e i n e n Wunsch gewähre Ich dir:
Sei’s Ruhm oder Reichtum, sei’s langes Leben,
was du begehrst, das will Ich dir geben.
Nur e i n e Bedingung stelle Ich dir:
Verlange wirklich das Beste von Mir!“

Da sprach der König: „Bei so vielem Segen
gib Frist mir, das Beste zu überlegen.
Und willst Du mich wirklich so reichlich beschenken,
gib Zeit mir, das Wünschen gut zu bedenken.“

Der Hofnarr flüstert in’s Ohr ihm: „Sei schlau!
Wünsch dir die allerlieblichste Frau!“

Sein Feldherr sprach: „Weiber kann jeder kriegen!
Wünsch dir, in jedem Kampfe zu siegen.“

Der Ratsherr riet: „Und gewinnst du auch Welten,
was könntest du ohne Weisheit denn gelten?“

Der Leibarzt drauf: „Auch ein Weiser wird krank.
Wünsch dir von ewiger Jugend den Trank.“

Der Schatzmeister murrte: „Das wäre gelacht!
Wünsch dir das Rezept, wie Gold wird gemacht.“

Da griff der König zum Wanderstab.
Er stieg von der Burg in das Tal hinab
und wanderte die kreuz und die quer
unerkannt in dem Lande umher
und fragte als Wanderer jedermann
wie man das Beste erkennen kann.

Der Ackermann sagte: „ Die Ernte sei gut!“
Der Arzt wünscht ein Kräutlein, das stillt jedes Blut.
Der Hirte: „Gesundheit in Hürde und Stall
und komme mir keines der Rinder zu Fall.“
Der Bettler sagte: „Ein warmes Kleid!“
Der Alte stöhnte: „Erlösung vom Leid!“

Der Wanderer kehrte als müder Gast
in der Herberge ein zu ersehnter Rast.
Er fragte auch dort an bei jedermann
was man als Bestes sich wünschen kann.

Ein Geigerlein sagte mit frohem Blick:
„Das Beste und Schönste ist doch die Musik!“

Und Fischer und Jäger die stellten fest:
„Dass niemals und je uns das Jagdglück verlässt!“

Ein Mädchen lachte: „Tritt mit mir zum Tanz,
dann schenk ich dir heut meinen Jungfernkranz!“

Die Wirtin sagte: „Was zweifelst du, Mann,
sieh dir meine blühende Kinderschar an.

Ein altes Weib sprach: „Du tust mir leid.
Dir fehlt doch nur die Zufriedenheit.“

Der Pfarrer predigte: „Was kann es geben
besseres denn als das Ewige Leben?“

Der König wanderte weiter fort,
gelangte an einen einsamen Ort
und trat bei einem Einsiedler ein:
„Was kann im Leben das Beste wohl sein?“

Der weise Mann sprach : “Was kommst du so spät?
Es ist ein Freund, der dich niemals verrät,
ein Freund der niemals die Treue dir bricht,
ein Freund der dir immer die Wahrheit spricht,
ein Freund, der dich so unendlich liebt,
dass er willig für dich sein Leben hingibt.“

Der König verließ des Einsiedlers Haus.
Wie träumend ging er in die Nacht hinaus.
Wie träumend auf einem Berg er stand
und streckte zum Himmel verlangend die Hand:
„All meine Zweifel sind plötzlich geschwunden.
Ich habe gesucht und ich habe gefunden
und meiner Suche wird herrlichster Lohn!
Ich begehr Deine Freundschaft, Du Gottes Sohn!
Ich weiß es nun sicher: das Beste bist
Du selber, mein Freund und mein Herr, Jesus Christ!“

von Rosemarie Uschold