Hallo AMAeVIVI,
erstmal natürlich herzliches Beileid.
Ich versuche Dir das ganze mal aus einer naturalistisch-humanistischen (der Begriff "atheistisch" ist so unglaublich nichtssagend...) Sicht zu erklären.
Ich denke, dass der Glaube an einen Gott den Umgang mit dem Tod nicht leichter, sondern oft viel schwieriger macht.
Denn, falls dieser Glaube vorhanden, stellt sich unweigerlich die Frage: "Wieso?". Wie kann ein allgütiger, allmächtiger Gott so etwas zulassen. Hat der Verstorbende etwas falsch gemacht, oder gar ich selbst? Ist das vielleicht die Strafe Gottes? Will er mich prüfen? Wie soll ich mich verhalten?
In einer naturalistisch-humanistischen Weltsicht tauchen diese Probleme nicht auf. Die Welt untersteht keinem besonderen, göttlichen "Heilsplan", sondern wird vom blinden und erbarmungslosen Zufall regiert (und deutet nicht alles darauf hin, wenn man bedenkt, dass täglich zigtausende Kinder weltweit an Hunger sterben?).
Ich denke man kann den Tod eines verstorben Freundes viel besser verkraften, wenn man ihn einfach als unglücklichen Zufall sieht und nicht als Handlung eines angeblich liebenden Gottes.
Auch wenn es hart ist, diese erbarmungslose Realität der Welt anzuerkennen, so ist dies doch letztlich besser, als sich in Wunschfantasien zu flüchten, die letztendlich mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten.
Eine weitere Frage, die zumindest ich mir als Gläubiger stellen würde, ist:
Wo ist mein verstorbener Freund nun? Im Himmel, in der Hölle? War es vielliecht sie Strafe Gottes, dass er so früh sterben musste?
Auch diese Frage entfällt für mich als naturalistischen Humanisten. Seine Persönlichkeit ist letzlich an neuronale Schaltmuster im Gehirn angewiesen. Hört dieses Gehirn auf zu arbeiten, hört das "Ich" hört auf zu existieren.
Auch wenn dies für uns sehr hart klingen mag, einfach aufhören zu existieren, muss doch gesehen werden, dass dies eine ziemlich westliche Sicht der Dinge ist. Für abermillionen Menschen auf der Welt (vorwiegend Hinduisten und Buddhisten) ist die Loslösung von der eigenen Existenz gerade das Ziel!
Vor dem Nichts braucht man sich nicht fürchten, denn nichts ist logischerweise, weder gut noch schlecht.
Die Trauer der Hinterbliebenen bleibt natürlich, ob religiös oder nicht. Nur lässt sie sich mit einem nicht-religiösen Hintergrund m.E. meist besser bewältigen.
Ich hoffe ich konnte helfen,
Lumpenhund



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