Also zum einen möchte ich deine Darstellung erweitern, wenn du gestattest Artmann, denn sie sind so nicht unumstritten. Es gibt auch andere Positionen, die darauf verweisen, dass der Kult des Sol invictus erst seit 274 (anlässlich eines Sieges des römischen Kaisers Aurelian) mit dem 25. Dezember einen offiziellen Festtag erhielt, wohingegen zuvor drei Tage im August zu seinen Ehen gefeiert wurde. Diese Anschauung führt die Datierung des 25. Dezembers (meist) auf die im jüdischen möglicherweise vorhandene Vorstellung zurück, nach dem hervorragende Verkünder Gottes aufgrund ihrer Vollkommenheit auch jeweils nur vollkommene, also komplette Lebensjahre verbrachten. Anders gesagt wäre in diesem Fall das Datum der Empfängnis Christi (als Beginn des Lebens) identisch mit seinem Todesdatum, ergo wäre - abzüglich der 9 Monate einer regulären Schwangerschaft - der 25. Dezember der Geburtstag. Nach dieser Theorie stand der 25. Dezember schon vor dem Festtag zu Ehren des Sol invictus fest. Ich bin mir zwar nicht mehr über meine Quellen sicher (da ich dies vor längerer zeit einmal gelesen habe), aber eine entsprechende Recherche bei Wikipedia gibt eine alternative Quelle an, sofern dich dies weiter interessieren sollte.
Sicherlich kann man sich über diese an und für sich nicht unkritische Alternativbetrachtung streiten. Ich selbst halte eine Beeinflussung durch heidnische Bräuche durchaus wahrscheinlich, also bleibt die Frage, ob dieser Umstand ein Fest zu Ehren Christus damit fragwürdig macht. Ich selbst bin der Meinung, dass wesentlich für ein Symbol (und indirekt sind auch Festtage ein solches) der Bedeutungsinhalt ist, der von der Allgemeinheit bzw. den Nutznießern des Symbols hineingelegt wird. Ansonsten müsste man auch das Kreuz als Zeichen Christi ablehnen, denn es hatte auch schon zuvor eine heidnische Bedeutung (von seiner Funktion als Folterinstrument mal ganz abgesehen) und löste erst später den Fisch oder das Staurogramm z.B. als Symbol ab. Doch nur wenige würden behaupten, das Kreuz sei nicht das Symbol des Christentums, nur weil es schon zuvor genutzt wurde. Oder um ein anderes Beispiel hinzuzuziehen, auch das Hakenkreuz oder das Pentagramm werden heute in einem Sinnzusammenhang verstanden, der nicht unbedingt ihrer ursprünglichen Bedeutung entspricht. Und nur wenige würden hier in Deutschland fröhlich das Hakenkreuz tragen, mit dem Hinweis, es wäre ja eigentlich nicht ein Symbol des Dritten Reiches - auch wen dies stimmen mag.
Ich schätze die Zeugen wie jeden anderen Christen sehr, es liegt mir also fern hier gegen ihre Glaubensüberzeugungen anzugehen. Wenn sie Weihnachten für sich ablehnen, dann finde ich das legitim, aber ich denke zugleich, dass wenn man jedes Element mit einem ursprünglich “heidnischen” Bezug ablehnen würden, wo zöge man die Grenze? Nur bei religiösen Festen? Oder darf ich am Ende keine Bibel mehr drucken, in denen Seitenzahlen mit einer 0 vorkommen, nur weil diese in unserer Kultur als eine “Erfindung der Heiden” eingeführt wurde?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hinwendung zu seinem Gott bzw. dem Sohn Gottes nur deshalb fehl geht, weil in früheren Zeiten andere Menschen an gleichen Tag etwas anderes taten. Gott ist sicherlich schnell im Rechnen, aber er ist auch gnädig. Und wie heist es in der Chronik? "Ich weiß, mein Gott, daß du das Herz prüfest, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm." Ich selbst feiere Weihnachten zwar nicht, aber ich wünsche allen die es tun ein paar schöne Festtage und eine besinnliche Zeit.
Ergebensten Gruß
Kasper



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