und noch ein bisschen weiter, weil es so interessant ist. Die Wurzeln des eigenen Seins sollte man kennen.


Häresien, so weit das Auge reicht: Die frühchristliche Anarchie

In der Schule wird das Christentum zuweilen mit einer mehr oder weniger seit Jesus gradlinig verlaufenden Kirchengeschichte gleichgesetzt, und die Irrungen und Wirrungen der Kirchengeschichte werden gerne äußeren Machtfaktoren wie beispielsweise »den Römern« zugeschrieben.

Aber so einfach war es nie: Schon das Urchristentum im 1. Jh. war in kürzester Zeit faktisch in Judenchristen und Heidenchristen gespalten.
Erstere waren im Selbstverständnis eine innerjüdische Gruppierung- wie auch die Pharisäer, Essener und Sadduzäer -, die in Jesus den von Gott gesandten Messias (hebräisch: der Gesalbte) sahen, der zur politischen Führung, zum exklusiven König des jüdischen Volkes ausersehen war.

Letztere waren all jene, die sich als NichtJuden zu Christen taufen ließen, aber keine Juden werden wollten oder konnten, und Jesus unabhängig von jüdischer Vereinnahmung als Propheten Gottes, als Gottes Sohn oder sogar als Gott selbst ansahen. Die anfänglich dominierenden Judenchristen, zu denen alle ursprünglichen Jesus-Anhänger gezählt werden müssen, bekämpften zunächst die Minderheit der Heidenchristen, bevor diese selbst nach und nach zur Mehrheit wurden und nun die Judenchristen zu den religiösen Irrlichtern erklärten.

aus:
Die wunderbare Welt der Sekten: Von Paulus bis Scientology von Gerald Willms
Also Römer und Griechen, die ihre alte Glaubenswelt neu projizierten und das heidnische Gemisch der Gottesbetrachtung hatte seinen Anfang….