Die Gott geweihte Nonne zu Löwenberg.
or Zeiten haben in der Nonnengasse zu Löwenberg die Gott geweihten Jungfrauen des heiligen Ordens St. Franziszi ihr Klösterlein gehabt, welches mit stattlichen Einkünften und Gütern begabt gewesen. Als nun die ungleiche Lehre Luthers den Ordenspersonen schmerzliche Verfolgung verursachte, haben die frommen geistlichen Jungfrauen, zu besserer Sicherheit ihres jungfräulichen Standes, ihre Wohnung zu Löwenberg und dabei die Schafnerin, so inmittelst die Güter des Gestiftes in Acht nehmen und verwalten sollen, mit betrübtem Herzen verlassen.
In gedachte geistliche Jungfrau Schafnerin (nach glaubwürdiger hierüber eingezogener Nachricht) soll, wegen ihrer Schönheit, des Conter-Hauptmanns leiblicher Sohn sich also eifrig verliebt haben, daß er eher sterben, als seine Liebste einem andern vergönnen wollen. Dem Vater war aber mehr an den geistlichen Gütern, welche der Sohn durch solche Heirath erlangen und besitzen würde, als an der schönen Gestalt der Jungfrau gelegen, darum brauchte er allen erdenklichen Fleiß, wie durch liebkosende Wohlredenheit die geistliche Jungfrau auf die Meinung seines Sohnes geleitet werden [56] möchte. Aber die reine und Gott geheiligte Jungfrau blieb beständig und wollte nicht ihr jungfräuliches Kleinod der Keuschheit, welches sie ihrem himmlischen Bräutigam gewidmet und aufgeopfert, mit menschlicher Liebe beflecken und vermischen.
Da nun weder der irdische Bräutigam, noch dessen Vater das keusche Herz mit glimpflichen und süßen Worten überwältigen konnten, brauchten sie, anstatt der lieblichen Unterredung, erschreckliche Drauworte und brachten die geistliche Jungfrau so weit, daß sie zwar mit dem Munde, aber nicht mit dem reinen Herzen, ja gesprochen. Wer war freudiger, als der mit Liebe angeflammte Jüngling, und wer geschäftiger, als dessen Vater, welcher meinete, er hätte allbereit den Hirschen in dem Garn und den Hasen mit den Hunden erjaget. Darum machte er auf allen Seiten Anstalt zu einer stattlichen Freudenhochzeit, so nachmals in ein unverhoftes Trauerspiel verändert wurde.
Inmittelst lag die keusche Jungfrau Tag und Nacht in eifrigem, inbrünstigem Gebete und seufzete inniglich zu ihrem himmlischen Bräutigam, daß er das Kleinod ihrer Jungfrauschaft vor den Klauen des wüthenden Löwen in Löwenberg bewahren wolle.
Der Tag der angestellten Hochzeit kam herbei: der Bräutigam und die keusche Braut wurden durch [57] vornehme Gäste in die Kirche der Franziskaner, (welche unterdessen im Elende das Brod bettelten) mit Freuden begleitet. Beide verlobete Personen stelleten sich, nach dem alten Gebrauch, vor den Altar. Als nun die Trauung fast ihre Endschaft gewonnen und die Braut ihre Hand in des Bräutigams Hand schließen sollte, sprach die geistliche Jungfrau mit hellen Worten: »in te, domine, speravi, non confundar in aeternum,« worauf Braut und Bräutigam vor dem Altare, in Gegenwart der eingeladenen Hochzeitgäste, erblaßt und entseelt darnieder gefallen sind.
Quelle:
Johann Gustav Büsching: Volks-Sagen, Märchen und Legenden. Leipzig 1812, S. 54-57.
Mythen der Alpen
Der Philosoph
Verzug schadet selten
"Lehre meinem Kanarienvogel", sprach ein Tyrann zu einem Philosophen, "den Homer, dass er ihn auswendig hersagen kann, oder geh aus dem Lande; unternimmst du es, und es gelingt nicht, so musst du sterben." - "Ich will es ihm lehren", sprach der Weise, "aber ich muß zehn Jahre Zeit haben." - "Warum warst du so töricht", fragten ihn hernach seine Freunde, "und unternahmst etwas Unmögliches?" Lächelnd antwortete er: "In zehn Jahren bin ich oder der Tyrann oder der Vogel gestorben."
Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr Hardenberg)
Liebe Userin Obertonmusik,
wir stehen ja auch im regen Austausch mit privaten Nachrichten und gerne habe ich hier in Deinem Thread gelesen. Es sind für mich alles lesenswerte Geschichten, welche ich zum Teil selbst schon hir und da ähnlich gelesen habe und aus jeder Einzelnen kann ich das herauslesen was ich mag, will und kann.
Schau ich mal, was es hier weiter zu lesen gibt.
Bis hier her hat es mir gefallen.
lehit
Isaak
Drachenlegenden
1. L U C I A, Jungfrau und Märtyrin zu Syrakusa in Sizilien unter Diokletian, 13. Dezember 304, eine der berühmtesten Märtyrerjungfrauen der Kirche. Sie entstammte einer vornehmen griechischen Familie und wurde 283 in Syrakus geboren und von ihrer Mutter Eutychia im christlichen Glauben erzogen. Nachdem ihre Mutter am Grab der heiligen Agatha in Catania wunderbar geheilt worden war, erlaubte sie, daß Lucia das Gelübde der Jungfräulichkeit ablegte und ihren Reichtum an die Armen verteilte. Als Christin beim Statthalter angeklagt, wurde sie nach schmachvollen Foltern mit dem Schwert durchstoßen. Wenn auch ihre Akten mehr eine Romanze darstellen, die nicht in allen Einzelheiten als geschichtlich angenommen werden kann, so steht doch ihre Existenz fest und ihre Verehrung ist sehr alt. Papst Gregor der Große nahm ihren Namen sogar in den Kanon der heiligen Messe auf. Sie ist Patronin für Augenkrankheiten. Fest am 13. Dezember. Römisches Martyrologium, gefeiert sowohl in der römischen wie griechischen Kirche.
2. T H E O D O S I A, Jungfrau und Märtyrin, christliches Mädchen aus Tyrus. Als sie am Osterfest 308 zu Cäsarea in Palästina die christlichen Gefangenen besuchte und sie um ihre Fürbitte anging, wurde sie verhaftet, vor Gericht gestellt und der Folter unterworfen und dann im Meer versenkt. Sie war bloß 18 Jahre alt. Ihr Leib ruht jetzt in der Trinitarierkirche in Bologna. Fest am 2. April. Römisches Martyrologium.
3. A G A P E, C H I O N I A und I R E N E, Jungfrauen und Märtyrinnen. Sie lebten als Schwestern wahrscheinlich in der Umgebung von Aquileja. Da sie sich weigerten, die heiligen Bücher auszuliefern, wurden sie unter Diokletian gefangen nach Thessalonich gebracht. Agape und Chionia wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, Irene zuerst in ein Bordell gebracht und zwei Tage später ebenfalls getötet. Ihr Fest wird am 5. April in Aquileja und Dalmatien, am 16. April in der griechischen Kirche gefeiert. Römisches Martyrologium.
4. T I M O T H E U S und M A U R A, Märtyrer in Ägypten. Timotheus war Lektor in der Nähe von Antinoe. Mit seiner Frau Maura widmete er sich dem Studium der Heiligen Schrift. Timotheus wurde gefoltert wegen Aufbewahrung der heiligen Schriften. Als Maura sich weigerte, ihren Mann umzustimmen, wurden beide ans Kreuz genagelt. Gestorben 286 in Antinoe. Fest am 3. Mai in der griechischen und koptischen Kirche. Römisches Martyrologium.
Wenn ich diese Geschichten lese -
mein Gott, ich wüßte nicht, ob ich dem
standhalten könnte . . .
Wir leben in einem satten Wohlstand im
Gegensatz zu diesen Zeiten.
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