"Rechts" ist das Gesetz, "links" die Gnade .....
Wer sitzt denn zur linken Gottes?
Alef
"Rechts" ist das Gesetz, "links" die Gnade .....
Wer sitzt denn zur linken Gottes?
Alef
Liebe Mirjamis eine wirklich interessante Frage, die schon seit Jahrtausenden die Exegeten beschäftigt. Was ist die Rechte und Linke Seite Gottes?
Schauen wir uns doch einmal rabbinische Quellen dazu an:
Im Midrasch zu Psalm 18 / 19 können wir folgendes lesen: „Rabbi Judan hat im Namen des Rabbi Chama (Chanina) gesagt: Dereinst wird Gott den König, den Gesalbten (Messias), zu seiner Rechten sitzen lassen (Ps. 110/1) = Setze dich zu meiner Rechten, und Avraham zu meiner Linken. …
Shabbat 63a: Rabba ben Shela hat gesagt: „Was heißt Sprüche 3/16? Dauer der Tage ist in der Tora Rechten (Rechtschaffen sein) und in der Linken (ist) Ehre und Reichtum…
Midrasch zum Hl. 1/9: ….Rabbi Simon fragt: Gibt es denn eine linke Seite oben (in den Himmeln) ? Ist nicht alles rechte Seite? ….. Was will die Schrift lehrend uns sagen, wenn sie von rechter und linker Seite spricht? Es besagt, die einen gaben ihr Urteil nach Links ab und die anderen nach Rechts. … Gen Eden ist zur Rechten Gottes, die Ge-Hinnom zur linken.
Raschi erklärt, die Rechte Gottes erhöht (Psalm 118/16), die Linke erschafft und hat die Erde (das Vergängliche) begründet (Jes. 48/13).
Was wollen uns diese Vergleiche sagen? Begründet auf einige Textstellen des Tanach ist klar, dass zur Rechten Gottes immer etwas mit dem direkten Anliegen Gottes zutun hat. Hier ist nicht nur das Recht, sondern auch der Heilswillen Gottes für den Menschen. Auf der Linken Seite ist die Gnade und die schöpferische Kraft Gottes, die Leben und Tod beinhaltet. Auch die Ge – Hinnom ist ein Gnadenakt Gottes!
Wenn die jüdischen Autoren der Berichte über Jesus von der Rechten Gottes sprachen, dann meinten sie erst einmal grundsätzlich, dass ihr Rabbi zur Rechten Gottes eingegangen ist und nicht zur Linken. Darüber hinaus waren sie ja überzeugt davon, dass ihr Rabbi der kommende Messias ben David sein wird und folglich greifen sie auf die Tradition zurück, dass der gesalbte König zur Rechten Gottes sitzen muß.
Es ist allerdings noch etwas komplizierter hier. Denn wir müssen verstehen, dass die Urgemeinde von folgendem Messiasbild ausgegangen ist. Es ist das kommen von zwei Messiassen, wie sie auch in der jüdisch apokalyptischen Literatur gut belegt ist. Einmal ein leidender Messias und einmal ein Königmessias. Darüber hinaus wird sogar von einem dritten Messias gesprochen (Essener) ein Priestermessias (dieses Bild greift der Hebräerbrief auf).
Der verdienst des leidenden Messias ist, dass er durch sein Leiden, um seines Auftrages willen – seiner Botschaft willen (kein Opfer!!!) seinen Anteil an der Rechten Gottes erhält. Ein sehr jüdisches Bild, aus der jüdisch – antiken – apokalyptischen Glaubenswelt.
Absalom
Ich dank euch allen ganz herzlich für eure Antworten,
und ganz besonders dir, Absalom
Sehr interessant, bin wieder schlauer geworden.
Vielleicht interessieren noch jemand die Bibelstellen zum Thema:
(raus gesucht in der Elberfelder Bibelübersetzung)
Mt. 26,64
Mark. 16,19-20
Kol. 3,1
1. Petr. 3,22
Apg. 7,55-57
Röm. 8,34
Eph. 1,20
Hebr. 1,3
Und für alle, die Gott und Jesus immer vermischen, zum Nachdenken:
Kann Jesus, wenn er zur Rechten des Vaters ist, gleichzeitig Gott sein?
Bin grad noch über Hebr. 1,3 gestolpert.
Da heißt es:
"Jesus.... hat sich, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt."
Ich hab immer noch meine Probleme damit, dass ich immer wieder lese, dass Jesu Tod kein "Opfer" war, ich andererseits aber wie oben auch in der Bibel lese, Jesu sei für unsere Sünden gestorben, hätte damit die Vergebung für uns bewirkt.
Ich müsste mal in einer ruhigen Minute schauen, welche Bibelstellen im NT es dazu noch gibt.
Könnt ihr euch bitte dazu noch äußern, besonders du, Absalom.
Der Hebräerbrief
Für mich ist der Hebräerbrief ein wenig suspekt. Nicht dass ich nicht verstehen würde, was hier geschrieben ist, sondern eher die Themen die er aufgreift, und wie er seine Thesen belegt.
Hebräerbrief hat mir früher sehr gut gefallen, nimmt er doch ein wichtiges Thema des Handelnden-Glaubens“ auf, durch Glauben Gehorsam. Wobei dieser Glaube nicht an ein Versöhnungsopfer (Theologie) ist, sondern ein tiefes Vertrauen in den Ewigen meint.
Was mich aber letzthin noch mehr aufhorchen liess:
Hebr 7,11 Wenn nun die Vollendung durch das levitische Priestertum <erreicht worden> wäre – denn in Verbindung mit ihm hat das Volk das Gesetz empfangen –, welche Notwendigkeit <bestand dann> noch, einen anderen Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufzustellen und nicht nach der Ordnung Aarons zu nennen? 12 Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt. 13 Denn der, von dem dies gesagt wird, gehört zu einem anderen Stamm, aus dem niemand die Wartung des Altars hatte.
Wurde nun entgegen der ausdrücklichen Aussage Jesus, dass das Gesetz NICHT geändert wird, trotzdem geändert? Kein Strichlein der Weisungen Gottes soll anders gelehrt werden!
Eigentlich ein klarer Beleg, dass diese Schrift selbst der Lehre Jesu und noch mehr der Torah widersprechen.
Hebr 7,18 Denn aufgehoben wird zwar das vorhergehende Gebot seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen 19 - denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht – eingeführt aber eine bessere Hoffnung, durch die wir uns Gott nahen.
So hängt er diesem Priestertum noch den „Hohepriester“ an, und will seien Darlegung mit Melchisedek begründen und behauptet, dass Melchisedek weder Vater noch Mutter hätte. Im jüdischen weiss man sehr wohl, wer Melchisedek ist. Weshalb weiss es aber der Schreiber nicht? Hat er doch nicht so viel Ahnung von den Ursprüngen?
Das Gesetz als schwach und nutzlos zu bezeichnen, da steckt schon die ganze „Opfertheologie“ dahinter, die im Gesetz, also in den Weisungen Gottes an das Volk Israel etwas Ungenügendes. Aber wozu waren denn diese Weisungen gegeben? Auf dass man in den „Himmel“ kommen soll, wie es der Hebräerschreiber es zu suggerieren versucht? Sicher, durch „Gesetzlichkeit“ verdient man sich nicht den Himmel, aber das Gesetz war nicht deshalb gegeben, sondern um dem Volk für den sozialen und spirituellen Bereich Leitplanken zu geben.
Hebr 1,5-6 Denn zu welchem der Engel hat er jemals gesagt: »Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt« (auch Apg 13,33, Herb 5,5) ? und wiederum: »Ich werde ihm Vater und er wird mir Sohn sein«? 6 Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in den Erdkreis einführt, spricht er: »Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten!«
Ps 2,7 Laßt mich die Anordnung des HERRN bekanntgeben! Er hat zu mir gesprochen: »Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt.
David selber ist dieser Sohn. Da steht ein ganz normales Wort für Sohn. Auch David war ein Gesalbter, ein Messiach. Er war das Oberhaupt über Israel, welches Gott als seinen Erstgeborenen bezeichnet.
2.Sam 7,14 Ich will(gemeint ist Salomo) ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Wenn er verkehrt handelt, werde ich ihn mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder züchtigen.
Siehe auch (1. Chr 17,13) 1. Chr 22,9-13. Dort wird sogar gesagt, dass der Sohn Salomo, der Friedliche heisst. Ebenso steht hier, dass er ihn als Strafe züchtigen wird, für verkehrtes Handeln! Dies lässt sich kaum auf den Messiach anwenden. Weshalb werden nur Teilaspekte zitiert?
Wo steht nun in der Tenach, dass die Engel den Erstgeborenen anbeten sollen?
Ps 97,7 Schämen müssen sich alle Verehrer eines Götterbildes, die sich der Götzen rühmen. Fallt vor ihm nieder, alle Götter!
Vor ihm niederfallen, da ist im Kontext von JHWH die Rede, und Jeshua ist ja nicht JHWH.
Usw.
Nun, in der Bibel steht also noch vieles, was man nicht auf einen Nenner bringen kann. Vieles sind nicht die Lehren Jesus, sondern Lehren über Jesus, was Menschen so meinen, sich in Dinge Hineindenken, WIE es ist. Vieles sind Verheissungen, die man zerstückelt, um auch Jesus hineinpressen zu können.
Im „Judentum“ gab und gibt es nicht dieses nicht lösbare Sündenproblem, wie es die christliche Lehre es darzustellen versucht. Selbst Jesus sagt ja, dass er zu den verlorenen Israeliten gekommen sei, und nicht zu den Gerechten, und Gerechte gab es schon immer. Also er lässt das sehr offen ... Das Verständnis des „Gerechtsein“ wurde im christlichen hochstilisiert, perfektioniert und ins nicht erreichbare gehoben, um nur den einen (Jesus) dort hinein zu stellen.
Alef
Die Antwort darauf findet man bei Paulus:
"Wißt ihr denn nicht, Brüder - ich rede doch zu Leuten, die das Gesetz kennen -, daß das Gesetz für einen Menschen nur Geltung hat, solange er lebt?
...
So seid auch ihr, meine Brüder, durch das Sterben Christi tot für das Gesetz, so daß ihr einem anderen gehört, dem, der von den Toten auferweckt wurde; ihm gehören wir, damit wir Gott Frucht bringen." (Röm. 7:1-4.)
"Ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden." (Gal. 2:19.)
Da das Gesetz nicht geändert werden kann, werden wir geändert, und zwar durch den Tod Christi von unter dem Gesetz hinweggenommen.
"Setzen wir nun durch den Glauben das Gesetz außer Kraf? Im Gegenteil, wir richten das Gesetz auf." (Röm. 3:31.)
Indem wir uns mit Christus, in der Gleichheit seines Todes, verbinden, zeigen wir daß wer sich unter dem Gesetz befindet, ist verpflichtet ständig das ganze Gesetz zu halten, und nicht nach dem Motto: na ja, es wäre gut, aber ... Tut er das nicht, hat er den Tod verdient!
Auf diese Weise richten die Christen das Gesetz, als gerecht und heilig, auf, das unter allen Umständen befolgt werden muß. Es sei denn der Mensch stibt für das Gesetz.
Jeder Priester mußte seine Abstammung von Aaron nachweisen können, sonnst wurde er zum Dienst nicht zugelassen. Nicht umsonst stehen in der Bibel die Geschlechtsregiester.So hängt er diesem Priestertum noch den „Hohepriester“ an, und will seien Darlegung mit Melchisedek begründen und behauptet, dass Melchisedek weder Vater noch Mutter hätte. Im jüdischen weiss man sehr wohl, wer Melchisedek ist. Weshalb weiss es aber der Schreiber nicht? Hat er doch nicht so viel Ahnung von den Ursprüngen?
Von den Eltern Melchisedecks steht in der Bibel aber kein Wort.
Und da dieser Melchisedeck, König von Salem(Frieden) und Priester des höchsten Gottes, Abraham segnet, von dem er den Zehntel von allem bekommt, was seine überragende, gegenüber Abraham, Stellung zeigt, kann der Priester nach der Ordnung Melchisedecks kein Nachkomme Abrahams sein, solange er, als Mensch, auf der Erde lebt.
Jesus aber, nach seiner Auferstehung, mit der kein Mensch etwas zu tun hat, sondern einzig und allein Gott, der ist es.
Das meint der Verfasser des Hebräerbriefes.
Was meint Gott mit "heute"? Paulus bezieht es auf die Auferstehung Jesu von den Toten (Apg. 13:32,33), was mit den Worten Jesu übereinsimmt:Ps 2,7 Laßt mich die Anordnung des HERRN bekanntgeben! Er hat zu mir gesprochen: »Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt.
David selber ist dieser Sohn. Da steht ein ganz normales Wort für Sohn. Auch David war ein Gesalbter, ein Messiach. Er war das Oberhaupt über Israel, welches Gott als seinen Erstgeborenen bezeichnet.
"Die, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, ... können nicht mehr sterben, weil sie den Engel gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind." (Lk. 20:35,36.)
Und Jesus ist nun mal "der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang." (Kol. 1:18.) Was man von David nicht sagen kann.
Daß Gott aber vorhatte die Pristerschaft zu ändern, hat er noch in 1Sam. 2:30-35 gesagt:
"Ich hatte fest zugesagt: Dein Haus und das Haus deines Vaters sollen für ewig vor meinem Angesicht ihren Dienst versehen. Nun aber - Spruch des Herrn: Das sei fern von mir, ...
Es weden Tage kommen, da werde ich deinen Arm abhauen und die Macht deines Vaterhauses vernichten. ...
Ich aber werde mir einen zuverlässigen Priester einsetzen, der nach meinem Herzen und nach meinem Sinn handeln wird. Ich will ihm ein Haus bauen, das Bestand hat, und er wird allezeit(ewig) vor den Augen meines Gesalbten seinen Dienst versehen."
Pinhas, dem Enkel Aarons hatte Gott seinerzeit das ewige Pristertum zugesagt (Num. 25:10-13).
Zur Zeit Elis aber erklärt Gott diese Zusage für ungültig, und verkündet eine Pristerschaft, die nicht aus dem Hause Pinhas, b.z.w. Aarons ist.
Darauf bezieht sich Petrus, wenn er schreibt: "Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Pristerschaft, ..." (1Pet. 2:9.)
Doch. Wie auch jeder von uns, die wir mit Jesus einen Leib darstellen.Vor ihm niederfallen, da ist im Kontext von JHWH die Rede, und Jeshua ist ja nicht JHWH.
Es heißt ja "JHWH elohim"(Seiender Götter).
Und Jesus sagt: "Ich und der Vater sind eins", und "alle sollen eins sein".
"Und es wird Gott sein alles und in allem."
Geändert von Zeuge (04.06.2010 um 08:46 Uhr)
Liebe Mirjamis,
Gerne stelle ich mich deiner Nachfrage und möchte dazu ganz exemplarisch Hebräerbrief 1/ 3 unter die Lupe nehmen und ihn in den Kontext der rabbinischen Literatur der Zeiten Jesu und auch der Zeiten danach stellen und zugleich diesen Vers einmal in dem Kontext der jüdisch apokalyptischen Literatur verschiedenster israelitischer / jüdischer Gruppen beleuchten (Essener, Widertäufer, Jerusalemer Urgemeinde, etc.).
Doch scheuen wir uns diesen Text erst einmal ganz genau an. Hierzu die Wortwortübersetzung aus den gängigen griechischen Texten der von Kodex Sinaticus und Vaticanus:
1.) … der Widerschein Herrlichkeit und Ausdruck seines Wesens, tragend auch alles durch das Wort seiner Kraft; nachdem er Reinigung von den Sünden schuf, setzte er sich zur Rechten Gottes der Erhabenheit in Höhen…
2.) …dieser, seiend Abglanz der Herrlichkeit und Abdruck seiner Wirklichkeit und tragend das All durch das Wort seiner Macht, Reinigung von den Sünden gemacht habend, hat sich gesetzt zur Rechten der Erhabenheit in Höhen…
Zum Vergleich nun die Elbefelder Übersetzung und Einheitsübersetzung – der Verständlichkeit wegen:
1.) ….er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt, hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat
2.) er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt
Hier haben wir nun diese beiden Direktübersetzungen aus dem Griechischem zu besagten Vers aus Hebräer 1 / 3. Uns soll jetzt weniger die Unterschiedlichkeit der Überlieferung beider Übersetzungen interessieren die allerdings doch ganz beachtlich sind.
Stellt man diese beiden Texte gängigen jüdischen Überlieferungen gegenüber, egal ob rabbinische oder essenische, so fallen einige Merkmale ganz besonders auf. Es ist zum einen die seltsame Wortwahl zu Gott die im Hebräerbrief fast immer im Singular abgefasst ist. Folgendes Wort ist hier bezeichnend: Herrlichkeit. Richtig wären hier Herrlichkeiten! Doch das nur am Rande erwähnt, was jedoch deutlich aufzeigt, hier war mit Sicherheit kein Israelit am Werke, was die Textforschung heute einhellig bestätigt, jedoch ein guter Kenner rabbinischer Überlieferungen.
Zum zweiten spricht dieser Vers etwas sehr bedeutendes aus, dass im Bezug zu den Ansichten der Jerusalemer Überlieferung steht, nämlich das sitzen zur Rechten Gottes. Dazu folgender Vers aus Apg. 2 / 34b: Es sprach der Herr zu meinem Herrn:/ Setze dich zu mir zur Rechten. Dieser Vers bezieht sich wiederum auf Psalm 110 / 1 der von der Urgemeinde als Messianisch gedeutete wurde. Doch dazu später mehr.
Schauen wir uns erst einmal das Thema Sündentilgung an. Dieser Vers sagt, dass (Jesus) die Reinigung von den Sünden gemacht hat oder gar schuf. An und für sich ist diese Aussage – losgelöst vom Rest der Theologie des Hebräerbriefes nichts Besonderes. Denn Sündentilgung kann ein jeder Mensch für andere Menschen bewirken wenn es Gott diesem zugesteht. Die Tanach kennt etliche solcher Zeugnisse und dazu bedarf es eben keines Tempels oder gar Priesters. Beispielhaft sei hier der Prophet Ezechiel erwähnt, der 390 Tage auf der linken Seite zur Schuldsühnung für das Nordreich lag und 40 Tage für das Südreich auf der rechten Seite. Dieser Prophet entsühnte also durch sein Handeln - ganz Israel. Und freilich, wenn wir im deutschen Sprachgebrauch bleiben, dann opferte dieser Mensch sich zumindest zeitweise für sein Volk Israel auf. Und schaut man sich den mystischen Leidensknecht aus Jesaja an, so kann man ähnliches Verhalten auch dort finden und ebenso in den Klageliedern und Psalmen werden wir mit diesem Thema vielfach konfrontiert. Das sich hingeben für seinen Nächsten ist ein TATMOTIV im gesamten Tanach und ist für Jesus Lehrmittelpunkt und auch Selbstanspruch wovon die gesamten Berglehre zeugt. Es geht also in erster Linie um das TUN, was Einer für Andere tut und was Gott durch andere Menschen für Menschen tut.
Ein Opfer ist jedoch im Sinne des Tanach etwas ganz anderes. Ein Opfer tut nichts, es wird ihm etwas angetan und das tut es nicht freiwillig, sondern wird gewaltsam dazu gezwungen. Und genau das beschreibt sehr eindrucksvoll Jeremia, der beklagt wie ein Opfertier zur Schlachtbank geführt zu werden. Und mehr noch, diese Opfer will Gott letztlich nicht, denn alles gehört ihm eh schon, wozu sollte Gott solcher Opfer bedürfen? Um sich selbst gut zu fühlen? Um seine Rachegelüste gegenüber einer ungehorsamen Menschheit im Zaum zu halten? Um frieden mit den Menschen zu finden? Oder gar, damit wir Menschen Frieden mit Gott finden können?
Doch schauen wir uns dazu genauer in der Tanach um. Die Ansicht, dass ohne die Durchführung von Tieropfern Juden nicht für ihre Sünden büssen können ist eine eklatante Falschinterpretation der jüdischen Tanach. Zunächst einmal waren die Tieropfer nur für unbeabsichtigte Sünden vorgesehen (Leviticus 4,1) und dienten als eine Motivation für den Einzelnen, die wahre Buße zu tun. Zahlreiche Stellen, darunter Hosea 14, informieren uns darüber dass unsere Gebete heute den Platz von Opfern einnehmen. Zusätzlich lesen wir: “Die Opfer Gottes sind ein gebrochener Geist, ein gebrochenes, zerschlagenes Herz” (Psalm 51,19) und “Ich habe gefallen an Güte, und nicht Opfern, an der Erkenntnis Gottes, mehr als an Brandopfern.” (Hosea 6,6). Durch Reue, Gebet, Fasten und rechtes Handeln, lehrt die Tora, hat jeder die Möglichkeit, zu Gott unmittelbar zurückzukehren.
Dieses Prinzip ist in den Büchern Jona und Esther sehr schön dargestellt, wo sowohl Juden als auch Nichtjuden bereuten, zu Gott beteten und ihnen vergeben wurde - ohne die Erbringung von Opfern. Unsere persönliche Beziehung zu Gott erlaubt es, uns direkt zu jeder Zeit an Ihn zu wenden, wie es in Malachi 3,7 und Sacharja 1,3 heißt: “Kehre um zu mir und ich kehre um zu dir.” und in Ezechiel 18,27, “wenn der Frevler umkehrt von seinem Frevel, den er tat, und Recht und Wahrhaftigkeit tut, der belebt seine Seele.” König Salomon sagte, dass der Hauptzweck der Menschheit ist, an Gott zu glauben und seine Gebote zu halten, wie es im Buch Kohelet 12,13-14 steht: “Am Ende der Rede ergibt sich als alles zu hören. Fürchte Gott und hüte seine Gebote, denn dies ist der Mensch allzumal.” (Deuteronomium 30,1 1-14) lehrt, dass dieser Weg zu Gott ganz sicher innerhalb unserer Möglichkeiten liegt.
Wenn wir Jesus als Opfer ansehen würden, so muss man fragen, was hat sein Opfer bewirkt? Ein Opfer ist immer dann getätigt worden, um einen Zustand zu beseitigen. Gibt es noch Sünde? JA! Sündigen wir noch? JA! Warum wird die Welt an ihren Sünden zu Grunde gehen? Weil uns kein Opfer dieser Welt vor unserer ganz persönlichen Rechenschaft vor Gott befreien kann und davon sprach auch Jesus! Matth. 7.22 - 23 Viele werden sagen in jenen Tagen (des Gerichtes): Herr, Herr, weissagten wir nicht in deinem Namen und trieben wir nicht Geister hinaus, und taten wir nicht in deinem Namen viele Machttaten?
7.23. Und dann werde ich offen bekennen zu ihnen: Niemals habe ich euch gekannt; geht weg von mir (beruft euch nicht auf mich), ihr Tuenden zum Torabruch.
Nicht Sühnopfer, was hier ein Menschenopfer wäre und was Gott ausdrücklich verbietet, sondern Hingabe aus Liebe zur Menschheit und zu Gott sind das Herz der Tora! Darum geht es und davon sprach Jesus! Selbsthingabe, sein Leben nicht höher zu achten als das des Gegenübers, sich hinzugeben für die Idee Gottes: Wer sein Leben gewinnen will, der wird es verlieren, wer sein Leben um Gottes Willen verliert, der wird es Gewinnen, sein Kreuz zu tragen, diesen unsagbar engen und dornigen Weg zu gehen, so wie es Israel nur all zu oft tat, wie es Israels Größen taten zum Lösegeld für die Vielen zum Hinwegnehmen der Verschuldungen und für einen Neuanfang, zum Preis der Erfüllung für die Verheißungen (Jesaja 57/ 1 – 2).
Nun noch zu Psalm 110 /1. Die Urgemeinde legte schon früh auf Jesus diesen Psalm und suchte darin dessen Auferweckung und „Himmelfahrt“ zu erklären.
In der altrabbinischen – „vorjesuanischen“ Zeit wurde dieser Psalm nicht messianisch gedeutet. Erst mit der apokalyptischen Bewegung (ab 200 v.Chr.) änderte sich das und fand ab 70 n.Chr. auch seinen schriftlichen Niederschlag im rabbinischen Judentum.
Sanhedrin 108: …. Rabbi Chana ben Levi sagt: ….Gott nahm Abraham und setzte ihn zu seiner Rechten …. usw.
Vielfach legt die rabbinische Überlieferung auf Abraham diesen Vers aus Psalm 110, ja sogar den ganzen Psalm 110. Rabbi Raschi erklärt dazu: „Unsere Lehrer haben den Psalm auf unseren Vater Abraham ausgelegt“.
Mehr noch, da das Haus Melchisedeks keinerlei heilsgeschichtliche Bedeutung für Israel mehr hat und dessen Erfüllung in der Segnung Abrahams seinen Höhepunkt findet (Gen. 14) tritt Abraham als erster Hohepriester Israels in Erscheinung. So erklärt Rabbi Jischmael: „Abraham war Hohepriester“ und bezieht dabei auf Gen. 14 und dessen weiteren Wirken als Stammvater für Israel. Diese Meinung war, wie schon gesagt vorherrschend im rabbinischen Judentum. Erst durch die apokalyptischen Gruppen innerhalb und außerhalb Israels fand eine Umdeutung dieser Lehre statt, die dann messianisch geprägt wurde und von einem Priestermessias spricht. Hier landen wir unweigerlich bei den Essenern, dessen messianischer Schwerpunkt in einem messianischen Hohepriester gedeutet wurde. (Ich werde noch ausführlich dazu im Themenkomplex: „Wann es begann“ – Essener – Messias eingehen).
Wir müssen uns hier vergegenwärtigen, dass es im Judentum der Zeiten Jesu ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Messiasgestalt gibt. Wir sprechen hier von einem Königmessias, einem Prophetenmessias und von einem Priestermessias. Dazu gab es durchaus auch die Auffassung, dass sogar diese drei verschiedenen Messiasse nacheinander auftreten werden. Erst im Verlauf der Zeit verschmolzen diese drei Ansichten zu einer einzigen Person und davon zeugt unter anderen auch der Hebräerbrief. Der leidende Messias, der zugleich auch der Prophetenmessias ist, vereinigte sich mit dem Priestermessias und dann letztlich auch noch mit dem Königmessias.
Das Priestertum und das Königtum und auch das Prophetentum waren in Israel in aller Regel streng getrennt. Ausnahmen gab es jedoch auch hier, wie z.B. bei David oder Moses wo Wechselwirkungen der Ämter auftraten. Bei David war es das Königsamt und Prophetenamt, bei Moses das Priester- und Prophetenamt. Allein bei Abraham finden wir alle drei Aspekte vor und genau deshalb wurde dieser Psalm auf ihn gedeutet. Ja mehr noch, mit Abraham setzt Gott ein ganz neues Zeichen in der Menschheitsgeschichte, Gott erschafft sich selbst ein neues Volk, dass in seiner Geschichte so zahlreich werden soll wie die Sterne am Himmel. Nicht Abraham oder Sara sind die Initiatoren dieser Neuschöpfung, sondern Gott selbst ist es und Sara muß darüber sogar lachen, weil sie es für unmöglich hält. Hier findet die überaus große Bedeutung von Abraham erst seinen eigentlichen Ursprung und genau hier setzt die Christologie des Hebräerbriefes an, indem sie letztlich Abraham dem Christos unterordnet und eine neue Ordnung und Schöpfung verkündet, in der sich all die Deutungen Abrahams und somit auch Israels auf Christos verlagern oder gar hinfällig werden. Hier liegt das ganze Argumentationspotential des Hebräerbriefes begründet. Nicht Abraham sitzt mehr zur Rechten Gottes, sondern Christos, nicht Abraham ist das Vorbild für den Universalmessias, sondern Christos ist es selbst, nicht Abrahams Nachkommen sind die Auserwählten, sondern die Nachfolger des Christos und daran ist zugleich der Glaube an diesen Christos geknüpft und nicht mehr der Glaube an den Gott Abrahams. Was wir hier vorfinden ist genau mit dem Brieftitel begründet, es ist eine Überzeugunkschrift – Missionsschrift an Hebräer, die mit etwas seltsamen Argumenten – die sogar ihre Vorlagen im rabbinischen Judentum haben – einen Neuen Glauben verkünden will. Christos überragt nicht nur David und Moses, sondern auch Abraham den Stammvater und hier findet dieser Satz des Hebräerbriefes auch seine Begründung: „So hebt Christus das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen.“ (Hebr. 10/ 9b ff).
Es darf uns hier nicht verwundern, dass ganz offen mit Hilfe des Tanach und rabbinischer Lehrmethode ein Aufheben des Tanach gelehrt wird, dessen Begründung letztlich darin Gipfelt, dass der Heilige Geist dies offenbart habe (Hebr. 10 / 15 a). Genau nach diesem Schema hat die essenische Gemeinschaft argumentiert und ihr Lehrgebäude, das dem Hebräerbrief extrem nahe steht, begründet.
In diesem Zusammenhang mag die Geschichte von Jesus über den Armen Mann der in Abrahams Schoss eingeht und des Reichen Mannes, der die Ge-Hinnom erntet aufhorchen lassen. Von welchem Standpunkt ging hier Jesus aus? Ganz offensichtlich vertrat Jesus selbst die rabbinische Meinung, dass zur Rechten Gottes Abraham sitzt und zur Linken das Gericht und der Rechtsspruch Gottes, der durchaus auch Gnade und Barmherzigkeit beinhalten kann aber nicht zwangsläufig muß, denn Gott schaut in erster Linie auf das Herz und nicht auf Glaubensbekenntnisse!
Letztlich schließe ich mich den Aussagen Jesu an, die davon sprechen, dass dem Menschen weder Opfer noch Glaubensbekenntnisse und auch nicht gut gemeinte Taten in das Königtum der Himmel befördern wird, sondern einzig Gottes Wille dazu. Und darüber hinaus, dass wenn wir in Rechtschaffenheit, Liebe, Barmherzigkeit und Selbstüberwindung vor und mit Gott leben, uns keine Sorgen über das heute und hier und jetzt und erst recht nicht über das Morgen und Übermorgen machen brauchen, denn Gott hat in seinem Königtum viele Einwohnungen für seine Kinder geschaffen. Glückselig sind all diese, die ihr Haus nicht auf Sand bauen, sondern auf den Gott Abrahams.
Absalom
Geändert von absalom (04.06.2010 um 13:26 Uhr)
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