Hallo Jeda,
das wir uns nicht missverstehen, mir ist es völlig egal, wie oder warum du deinen Glauben so oder so auslebst. Ob du nun jüdisch, moslemisch, christlich oder sonst etwas bist, ob jüdisch orthodox oder liberal, konservativ oder ultra oder wie auch immer.
Wenn du deine persönliche Erfüllung in diesem Religionskonstrukt findest, dann ist es doch absolut in Ordnung. Und wenn du und deine Glaubensgenossen selbst HaShem in diesem Religionskonstrukt angesiedelt siehst, so ist das eine ganz legitime Ansicht und Meinung. Andere Menschen glauben ja auch, sie seinen auf dem richtigen Pfad.
Es ist allerdings ein anderes Ding, anderen Religionen z.B. dem Christentum vorzuhalten sie hätten geistigen Raub an jüdischem Schriftgut begangen und missbrauchen diese dann für ihre Zwecke. Das stimmt zwar so in sich, ganz unbestritten, allerdings muß sich das Judentum dann Gleiches auch anlasten und das ist wissenschaftlich beweisbar. Darum ging es mir in meinen Ausführungen.
Gäbe es ein religiöses Urheberrecht, welches ein Gericht zu wahren hätte, dann hätte das Judentum nun schon mindestens 4000 Jahre einen Gerichtsprozess am Hals, weil eventuell Ägypter, Babylonier, Sumerer, Kanaaniter, Griechen, etc auf ihre Urheberrechte von religiösen Gedankengut klagen könnten. Das Christentum hätte ebenso schon 2000 Jahre mit unzähligen Gedankenguturhebern inkl. Judentum seine Plage und der Islam ebenso 1500 Jahre. Und ganz sicher ständen auch Ägypter, Sumerer, Babylonier, etc vor Gericht, weil sie von ihren Vorgängerreligionen kräftig Gedanken- und Glaubensgut übernommen als Eigengut ausgegeben haben.
Letztlich verwundert mich immer wieder, wie geschichtslos Religionsanhänger sind, egal welcher Religion, und von sich behaupten ihre Religion sei eine Erfindung Gottes. Da fragt man sich schon, ist Gott nun Jude, oder Christ, oder Moslem, oder gar Hindu, etc? Aber sicher, an irgendetwas muß man ja glauben, ich habe Verständnis dafür.
Anderseits, wenn jemand wie du oder Zeuge oder sonst wer, die Fahne seiner Religion so hoch hält und als erhaben göttlich postuliert, dann muß man damit rechnen auch ernsthafte Zweifel an einem solchen Anspruch entgegen gehalten zu bekommen. Eine Religion misst man nicht in erster Linie an ihren Worten und ehrenden Bekenntnissen, sondern an ihrem geschichtswirksamen Dasein und hier können sich unverblümt Christentum, Islam und Judentum die Hand reichen, keine war oder ist in seiner Historie diesem Selbstanspruch auch nur ansatzweise gerecht geworden. Das ist leider ein trauriger Tatbestand.
Wo ich dir unbesehen beipflichte ist das Thema Missionierung. Ich halte solches Gebaren auch für unanständig. Allerdings, auch hier war (nicht nur) das Judentum ein Mittäter, welches einst andere Völker zu ihren Gottesvorstellungen zwang. Steht sogar in der Bibel. Ja, es kann schnell gehen, das man von Täter zum Opfer wird, so ist nun einmal Geschichte und man darf hoffen, dass auch das Christentum oder der Islam irgendwann zur Einsicht kommt, dass man niemand zu Gott bekehren kann und Religionen vergänglich sind wie die Zeit.
Wie dem auch sei, ich freue mich darüber, wenn ein Mensch sich in seiner Umwelt wohl und geborgen fühlt. Und noch mehr freue ich mich darüber, wenn dieser Mensch von seiner Freude und Fülle, seiner Geborgenheit und seinem Glück anderen Menschen Anteil gewährt. Das ist ein hohes Gut mitmenschlicher Nächstenliebe, welche uns HaShem aufgetragen hat. Dazu bedarf es sicher keiner Mission oder Verbreitung religiöser Gottesvorstellungen, sondern eines aufrechten und liebenden Herzens.
Da fällt mir doch noch eine Geschichte ein. Einst fragte ein Rabbi nennen wir ihn einfach Samuel, seine Talmidim: Sagt mir was ist das Edelste von dem man lernen kann. Die Talmidim überlegten kurz und der eine sagte: Von Rabbi Hillel. Ein anderer Talmidim sagte, von Rabbi Shamai. Wieder ein anderer sagte von Elieser ben Hyrkanos. Nein sprach wieder ein anderer und sagte vom Talmud. Nein rief ein anderer Talmid, von der Tora.
Neugierig schauten die Talmidim ihren Rabbi Samuel an, denn er schwieg bedächtig. Da sagte ein Talmid, Rabbi Samuel sag uns, wer hat Recht von uns? Rabbi Samuel hob den Kopf und sagte, ihr alle habt Unrecht. Verwundert schauten sich die Talmidim an. Da sagte Rabbi Samuel, die richtige Antwort lautet, dass Edelste von dem man lernen kann ist das Leben selbst.
Verstört ging ein Talmid zu einem anderen Rabbi, der hieß Moshe, und erzählte ihm davon. Da ging Rabbi Moshe zu dem Rabbi Samuel und sagte: Wie kannst du, Rabbi Samuel, behaupten, dass die Tora nicht das Edelste sei, von dem man lernen kann. Wie kannst du behaupten, dass das Edelste das Leben sei, gleich wohl es vergänglich ist, doch die Tora ewiglich ist? Erkläre dich mir. Da sprach Rabbi Samuel. Moshe, weißt du nicht, dass der Hochgelobte selbst das Leben ist. Moshe weißt du nicht, dass es ohne Leben keine Tora geben würde? Moshe weißt du nicht, dass den Toten die Tora nichts nützt? Moshe und weißt du nicht, dass bevor ein Mensch die Tora erfasst er von HaShem schon das wichtigste bekommen hat, dass Leben, unvergängliches Leben? HaShem gab uns alles was wir brauchen, wir müssen es nur tun! Sage mir Moshe, was ist der größte Schatz, den der Hochgelobte uns gab? Rabbi Moshe sagte verwundert, die Tora. Nein sagte Rabbi Samuel, auch hier irrst du dich, HaShem gab uns etwas viel größeres, er gab uns die Liebe. Moshe oh Moshe, wann wirst du leben und wann wirst du lieben? Beides kommt direkt vom Hochgelobten, beides ist der Hochgelobte, beides sind wir, lebendige und liebende Seelen. Geh Moshe und lerne Leben und Lieben und erst dann nimm die Tora und mache sie lebendig und erfülle sie mit liebe.
Ach ja, wie einfach doch alles ist….
Absalom



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