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    Standard „Schemini – Am achten Tage“

    „Schemini – Am achten Tage“
    3. Mose 9,1 - 11,47; 2. Samuel 6,1-7.17

    DAS FREMDE FEUER

    Das 3. Buch Mose enthält fast nur Gebote. Viele Bibelleser überschlagen in ihrer
    Bibellektüre diese für sie oft langweiligen Aufzählungen detaillierter Satzungen.

    Schade, denn mitten darin liegt eine für uns sehr lehrreiche und wichtige
    Begebenheit: das Vergehen der Söhne Aarons, die fremdes Feuer ins Heiligtum
    brachten. Die Söhne des Hohenpriesters Aaron, Nadab und Abihu, starben, weil
    sie eigenes Feuer vor den Herrn brachten (3. Mose 10). Weil dieses Vergehen eine
    todeswürdige Sünde ist, wird davor wiederholt gewarnt,
    siehe 4. Mose 3,4 und 26,61.

    Feuer ging von dem Herrn aus und verzehrte das Brandopfer und die Fettstücke
    auf dem Altar. Als das ganze Volk dies sah, jubelten sie und warfen sich auf ihr
    Angesicht nieder. Die Söhne Aarons aber, Nadab und Abihu, nahmen beide ihre
    Räucherpfannen, taten glühende Kohlen hinein, legten Räucherwerk darauf und
    brachten so dem Herrn ungehöriges Feueropfer dar, das er ihnen nicht geboten
    hatte. Da ging Feuer vom Herrn aus und verzehrte sie, so dass sie vor dem Herrn
    starben (3. Mose 9,23ff.). Was war an dieser Handlung so sündhaft?

    Jüdische Bibelexegeten haben sich seit frühesten Zeiten mit dieser Frage
    beschäftigt. Der Midrasch sagt in Sifra, gemäß tannaitischer Auslegung, die der
    Schule Akibas (135 n. Chr.) zugeschrieben wird, dass Ungeduld Schuld an der
    Tragödie war, denn die beiden Söhne konnten es nicht mehr mit ansehen, dass
    ihr greiser Vater Aaron und dessen greiser Bruder Mose immer noch nicht die
    Führung des Volkes auf sie übertragen hatten.

    So legt der Midrasch ihnen die Worte in den Mund: „Dass doch diese zwei Greise
    endlich abtreten würden und wir das Volk führen könnten. Darauf sprach der Herr
    zu ihnen: Wir wollen sehen, wer wen begraben wird, denn sie werden euch
    gegraben und Führer des Volkes bleiben.“ Also starben sei aus Mangel an
    Geduld. Sie wollten dem Volk zeigen, dass auch sie des Feuers mächtig sind.

    Sie wussten als jahrelange Gehilfen im Heiligtum, dass ein das Opfer
    verzehrendes Feuer ihre Legitimation vor dem Volk bedeuten würde. Dabei
    übersahen sie jedoch einen entscheidenden Unterschied:

    Mose und Aaron bereiteten nur das Opfer zu, das Feuer aber kam als Schechina,
    als Gegenwart Gottes, direkt vom Himmel. Vielleicht wussten sie dies sogar,
    dachten aber, dass das Volk diesen Unterschied nicht bemerken würde, daher
    halfen sie nach und entzündeten ihr Opfer mit eigenem Feuer – und ihr eigenes
    Feuer tötete sie.

    In der Gemara (63a), im Traktat Eruwin, meinen die Amoräer (2.Jh.): „Als Nadab
    und Abihu das himmlische Feuer sahen, gerieten sie derart in Freude, dass sie
    eigenes Feuer hinzufügten und Liebe auf Liebe häuften.

    „Gott aber will, dass wir auch unsere Freude an Ihm, den Taumel des Entzückens,
    unter unsere Kontrolle bringen. Der Freudenausbruch darf nicht ins Zügellose
    ausarten, weil dadurch Gottes heiliges Wirken durch unser menschliches
    Hinzutun vermenschlicht und dadurch entwertet und vor dem Volk lächerlich
    gemacht wird.

    Sie brachten eigenmächtig Räucheropfer dar, die Gott nicht befohlen hatte.
    Unser Einsatz kann also zum Hindernis werden, wenn er nicht im Einklang mit
    dem ausdrücklichen Willen Gottes steht. Indem die beiden eigenes Feuer
    hinzufügten, hätte – ohne Gottes verheerendes Eingreifen - , das Volk das von
    Gott gekommene Feuer davon nicht unterscheiden können und deshalb Gottes
    Feuer in Frage gestellt.

    Darum warnte der Prophet Elia, als er um Feuer vom Himmel bat, damit das Volk
    die Allmacht Gottes erkenne: „legt selbst kein Feuer an“ ( 1. König 18 ), denn
    sonst würde das Volk annehmen, das ganze Wunder sei eine menschliche
    Manipulation gewesen. Wir sollen jubeln vor Freude über das, was Gott tut, selbst
    aber nichts eigenes hinzufügen. Das eigen Hinzugefügte lenkt uns und andere
    nur vom Herrn ab.

    Hieraus erkennen wir, dass unser Opfer sich in den dafür von Gott
    vorgeschriebenen Grenzen und Formen zu halten habe, denn Gott will, dass wir
    vor allem Gehorsam lernen.

    Eine Telefonnummer, bei der auch nur eine Zahl verkehrt ist, verhindert, dass die
    gewünschte Verbindung zustande kommt. Auch gut gemeinte, aber
    selbstersonnene Frömmigkeit, gilt in den Augen Gottes als fremdes Feuer.
    Wir betrügen damit nicht nur das Volk, sondern vor allen Dingen uns selbst, was
    tödlich enden kann. Die Söhne Aarons sind dafür ein warnendes Beispiel.

    Ein Gottesdienst, bei dem wahres Feuer vom Himmel fällt, ist vom Gehorsam
    Seinem Wort gegenüber geprägt, ohne eigene Beimischung. Das eigene Feuer
    mag gut für einen fromme Seele und Show sein, ist aber wertlos für die Ewigkeit.

    Gerade in unserer Zeit, die von Ungeduld und Erfolgsdenken geprägt ist, ist diese
    Botschaft besonders wichtig. Viele Pfarrer, Priester und Prediger wollen ihre
    erlahmten Gottesdienste wieder flott machen, indem sie Zeitgemäßes einführen,
    um up to date zu sein. Am Ende müssen sie feststellen, dass sie sich nicht nur
    vor Gott versündigt, sondern auch vor dem Volk lächerlich gemacht haben.

    Betrachtet man dagegen Gottesdienste, die im Gehorsam Gott gegenüber geführt
    werden, sieht man nicht nur gutbesuchte Kirchen, sondern auch glückliche
    Kirchenbesucher. Auf Kirchentagen findet man auf dem „Markt der
    Möglichkeiten“ eine Flut von Angeboten, wie man Gottesdienste ansprechbarer
    machen kann. Man findet dort alles, aber kaum Anleitungen, wie man sich an
    Gottes Wort hält, um eben kein eigenes Feuer – das in Gottes Augen fremdes
    Feuer ist – auf dem Altar darzubringen.

    Das fremde Feuer ist auch in charismatischen Gemeinden eine Gefahr, in denen
    die „Gegenwart Gottes“ daran abgelesen wird, wie laut es zugeht. Und wenn es
    leise bleibt, möchten manche nachhelfen und die „Sache in Schwung“ bringen.
    Auf diese Weise wurden schon gesalbte Gemeindeanfänge zugrunde gerichtet –
    sie sind verbrannt im eigenen Feuer. Auf Großveranstaltungen kommt es hin und
    wieder vor, dass einzelne Gläubige vor Ungeduld das wirkliche Wirken des
    Heiligen Geistes nicht abwarten können. Dann tanzen sie im wahrsten Sinne des
    Wortes aus der Reihe, hüpfen kurios hin und her, was dermaßen störend wirkt,
    dass die Konferenzteilnehmer keine innere Sammlung finden.

    Auch hier: Hände weg von eigenem Feuer!


    Ludwig Schneider
    Ich will euch mehr Gutes tun als je zuvor und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin. Hes 36,11
    Baruch Ata Adonai Elohenu Melech HaOlam - Gelobt seist du Ewiger, unser Gott, König der Welt

  2. #2
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    Standard

    Lieber Gabriel

    danke für diesen Beitrag - ist sehr interessant zu lesen.

    Ich denke fast jeder gläubige Mensch hat schon mit eigenem Feuer gespielt und wenn es einem bewusst wird was das für Folgen hat, dann kann man nur sagen "schnellstens die Finger davon".

    Wünsche dir einen gesegneten Tag
    Fischi


 

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