Dhimmitum in innerchristlichen Beziehungen
Konflikte zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel, Antiochia, Alexandria und später Rom führten zu ethno-religiösen Teilungen innerhalb des Christentums, was christliche Allianzen mit arabisch-islamischen und später mit den türkischen Invasionsarmeen und die Islamisierung der östlichen Christenreiche erleichterte. Die Motivation für diese Konflikte war so politisch wie theologisch. Bündnisse mit Kalifen befreiten die Patriarchen von der Last der Beaufsichtigung durch einen christlichen Souverän, was ihnen ungeteilte Macht über ihre religiösen Gemeinschaften verschaffte. Das System des Dhimmitums, gegründet auf der Zerstörung aller nicht muslimischen politischen Macht, begünstigte die exklusive Herrschaft der Kirchen über ihre Herden.
In der frühen Periode der muslimischen Eroberung gab es eine privilegierte christliche Klasse innerhalb der Dhimmi-Gesellschaft: Geistliche und Berühmtheiten verwalteten als Finanziers die Besitztümer des Kalifen; politische Ratgeber und Gelehrte aus diesen Kreisen verbreiteten die vorislamische Kultur. Im Tausch für der Umma geleistete Dienste verwaltete eine Klasse von Prominenten, Religionsführern, Bankiers, Gelehrten und Intellektuellen verwalteten die christliche Dhimmi-Mehrheit im Interesse der dominierenden Krieger-Minderheit. Die Situation entwickelte sich jedoch nicht sofort und ihre perversen Auswirkungen waren nicht direkt spürbar; sie erwuchsen aus dem Zusammentreffen einer Vielzahl von Faktoren, von denen wir nur drei anführen werden:
1) Die ständige Erosion des Widerstands in den Gesellschaften, gegen die sich der Jihad richtet, die noch nicht erobert, aber wirtschaftlich geschwächt durch den Tribut, die von ihnen als Einwohnern der Länder des Waffenstillstands verlangt wird; dann werden diese demografisch durch Sklaverei und Deportation verkleinert, die im Zuge der Eroberung weit gehend praktiziert wird.
2) Die Unsicherheit, die einer beständigen Einwanderung nicht einheimischer Stämme inne wohnt, die den Ureinwohnern feindlich gesinnt sind.
3) Der wirtschaftliche und politische Aufbau von den muslimischen Regimen verbundenen kollaborationistischen Parteien. So entwickelte sich das komplette System des christlichen Dhimmitums innerhalb der christlichen Welt in den politischen, wirtschaftlichen, intellektuellen und religiösen Rissen, die durch eine Kultur der Kapitulation geschaffen wurden, wo passive Unterordnung von Führern durchgesetzt wurde, die von persönlichen und finanziellen Interessen geleitet waren, die „Dienst für die Umma“ demonstrierten.
Nach der islamischen Kolonisierung christlicher Länder in Asien, der Levante, Afrika und Europa setzten Jahrhunderte lang innerchristliche Differenzen ein, in denen jede Kirche den Kalifen um Hilfe anrief, um ihre Rivalen zu zerschlagen. Diese Animositäten verhärteten sich im 18. Jahrhundert mit der Uniaten-Bewegung, die jede orientalische Konfession durch die Bindung einer Dissidenten-Kirche an Rom trennte, womit diese von der unabhängigen Mutterkirche getrennt wurde. Nationalistische Aufstände christlicher Dhimmis auf dem Balkan des 18. Jahrhunderts wurden durch Massaker und Versklavung niedergeschlagen, was die Dhimmis im ottomanischen Reich verstärkt in Angst versetzte und zu Verrat ermutigte. Europäische Mächte verschlimmerten und manipulierten diese innerchristlichen, 1000 Jahre alten Teilungen und nutzen die ottomanischen Christen, um ihre rivalisierenden wirtschaftlichen und politischen Interessen voranzutreiben. Frankreich arabisierte die levantinischen Christen ab den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts und benutztes sie als Agenten, um seine anti-ottomanische und anti-britische Politik voranzubringen und die aufkommende vorzionistische Bewegung mit einem „säkularen“, nationalistischen arabischen Gegen-Anspruch zu zerstören, manipuliert durch seine christlichen Dhimmis.
Die Spannungen, die 13 Jahrhunderte der Konfrontation und Kollaboration in den christlich-islamischen Beziehungen vorhandenen waren, bestehen auch heute weiter, da das System des Jihad und des Dhimmitums, das sie geschaffen hatte, in der Moderne bewusst vernebelt wurde. Dies ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels politischer, religiöser und wirtschaftlicher Interessen und geheimer Absprachen, auf die wir hier nicht weiter eingehen können. Aber es ist klar, dass sich Europa seit den 1970-er Jahren einen Status zugelegt hat, der dem des Lands des Waffenstillstands in vergangenen Jahrhunderten ähnelt, wobei viele Länder eine laxe Einwanderungspolitik im Tausch für brüchige Sicherheit anbieten. Sie entschieden sich wegzusehen, als sich Terrornetzwerke und ihnen zu Grunde liegende finanzielle Infrastrukturen auf ihrem Gebiet entwickelten und hofften sich mit Entwicklungshilfe an Länder Sicherheit zu erkaufen, die niemals die der Jihad-Kultur inne wohnende Dämonisierung widerriefen. Als fundamentalen „Dienst an der Umma“ hat sich Europa verpflichtet den Staat Israel zu delegitimisieren und die USA in ein antiisraelisches Jihad-Lager zu holen. „Dhimmitum-Dienst“ manifestiert sich in der Entlastung des palästinensischen und islamistischen Terrorismus und der Beschuldigung Israels und der USA, denen vorgeworfen wird die gegen sie verübten Anschläge motiviert zu haben. Weiterhin können wir tief im Unterbewusstsein sitzende Symptome des Dhimmitums beobachten, die durch die totale Unterdrückung historischer Realitäten aufrecht erhalten werden, was durch die Verfolgung einer Politik erforderlich ist, die sich auf die Negierung historischer Beweise gründet. Eine vollständige Studie der Entwicklung dieser Haltung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, aber sie kann kurz durch drei Beispiele illustriert werden.
Das erste Beispiel ist das bereits erwähnte Verstecken der Ideologie und Geschichte des Jihad und des vollen Ausmaßes der christlich-islamischen Beziehungen, die auf islamischen Rechts- und Religionsprinzipien gegründet und bis heute gültig sind, weil sie niemals ausgehoben wurden. Diese Beweise werden hinter einem dicken Vorhang von Rechtfertigungen versteckt: Selbstgeißelung wegen der Kreuzzüge, Schuld an wirtschaftlichem Ungleichgewicht – und der Beschuldigung Israels. Christen und Juden werden böser Dinge beschuldigt, um die Empfindlichkeiten einer muslimischen Welt zu schützen, die jegliche Kritik ihrer eigenen Eroberung und Kolonisation in der Vergangenheit ablehnt. Diese Beziehung ist typisches Dhimmitum; dem Dhimmi ist es bei Todesstrafe verboten den Islam oder eine islamische Regierung zu kritisieren. Unter islamischer Herrschaft mussten Dhimmis mit Ehrenstatus sich bezüglich ihrer religiösen Gemeinschaften selbst zensieren. Dieses System des Dhimmitums ist bedingt durch Unsicherheit, Demütigkeit und Unterwürfigkeit als Mittel zum Überleben und wird derzeit in Europa erneut eingerichtet.
Das zweite Beispiel ist die Ablehnung der Anerkennung der jüdisch-christliche Grundlage der westlichen Zivilisation, aus Angst die muslimische Welt zu erniedrigen; das gleicht dem Verhalten des Dhimmis, der seine eigene Geschichte aufgibt und in eine Nicht-Existenz verschwindet, damit sein Unterdrücker existieren kann. Diese Ablehnung des jüdisch-christlichen Erbes, einer Kultur, die sich auf die Bibel gründet, wird durch immer wiederkehrende Erklärungen europäischer Minister aufrecht erhalten, die die Ausschlag gebenden Beiträge der Entwicklung der europäischen Zivilisation den arabischen und islamischen Kulturen zuzuschreiben. Diese Erklärungen stimmen mit Resolutionen überein, die in der zweiten Sitzung der vierten Konferenz der Academy of Islamic Research (im September 1968) an der Al-Azhar Universität in Kairo verabschiedet wurden; so z.B. die Resolution, die eine historische Studie fordert, die „den Einfluss der muslimischen Zivilisation und Lehren auf die Bewegungen politischer, sozialer und religiöser Reformen im Westen seit der europäischen Renaissance erklärt.“2 Solche Beteuerungen, die die bedeutende Überlegenheit der muslimischen Zivilisation gegenüber der europäischen verkünden, stehen mit der islamischen Weltsicht im Einklang. Europäische Minister denken, sie helfen muslimischen Einwanderern sich im jüdisch-christlichen Westen zu integrieren, indem sie der westlichen Wissenschaft und westlichen Institutionen einen islamischen Ursprung attestieren. Fakt ist, dass muslimische Theologen lehren, dass der Koran die Übernahme der Ideen und Bräuche von Ungläubigen verbietet.3
Das dritte Beispiel dieses Dhimmitums ist die Reaktion, die vom italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi im September 2001 provoziert wurde, als er öffentlich auf der Überlegenheit der europäischen politischen Institutionen bestand. Diese Rede provozierte Empörung bei Berlusconis Kollegen von der Europäischen Union und Entrüstung beim Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Moussa, der eine formelle Entschuldigung verlangte. Moussa ist der ehemalige Außenminister von Ägypten, einem Land mit einer langen Geschichte der Verfolgung von jüdischen und christlichen Dhimmis, das derzeit eine Kultur des Hasses betreibt. Tatsächlich sind die Länder der Arabischen Liga die gläubigsten Anhänger der Werte des Jihad und des Dhimmitums, die sie in unterschiedlichem Maß auf ihre nicht muslimischen Untertanen anwenden. Berlusconis Entschuldigung an diese Länder, von denen einige immer noch Sklaverei praktizieren und Eunuchen und Harems unterhalten, erinnern an den christlichen Dhimmi, der angesichts eines Muslim von seinem Esel absteigen oder, wie im ottomanischen Palästina bis ins 19. Jahrhundert hinein, zum Beweis des Respekts im Rinnstein gehen musste. Dass solches Verhalten unterwürfiger Dienstfertigkeit von Vertretern europäischer Staaten verlangt werden kann, ist eine Messlatte des Versagens der Politik, die nicht nur ihre Staaten in Unehre geführt hat, sondern sie einer Tributforderung unterwirft, um der Bedrohung des Terrors zu entgehen, während sie Dienste leisten und Lösegeld zahlen, wie es die Dhimmis der vergangenen Jahrhunderte taten.
Mit den vielen komplexen Faktoren des Dhimmitums, die oben beschrieben wurden, wollen wir den Antizionismus erwähnen, der da weiter macht, wo der Antisemitismus aufhört. Wir werden hier die Entwicklung der Theologie der Ersetzung/Entbehrung untersuchen, die dieses allgemein antijüdische Gebiet heute bevorzugt – in seiner christlichen Version mit Bezug auf das Volk von Israel und seine islamsiche Version mit Bezug auf Juden und Christen – wie auch die marcionistischen Abweichungen im Christentum.



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