Zwei strategische Achsen
In diesem Zusammenhang kann man zwei strategische Achsen bestimmen: eine politische Achse auf europäischer Ebene und eine theologische Achse, die niemand anderes als Monsignore Michel Sabbah, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, vertritt, der auch für Arafats Jihad wirbt. Im Herbst 1999, als Arafat seine Zurückweisung der Oslo-Vereinbarungen plante, wurde Mgr. Sabbah in Amman zum Präsidenten der mächtigen Nichtregierungs-Organisation Pax Christi International gewählt, die dem Vatikan nahe steht. Diese Wahl brachte passenderweise internationalen Widerhall für Antizionismus und provozierte kriminelle antisemitische Anschläge in Europa, die an die 1930-er Jahre erinnerten.
Die theologische Achse besteht, wie wir gesehen haben, darin das Christentum aus seinem ursprünglichen, jüdischen Mutterboden herauszureißen und in einen arabisch-palästinensischen Schoß zu verpflanzen. Dieses theologische Merkmal überträgt dem palästinensischen Jihad die Heiligkeit des Kampfes für „Frieden und Gerechtigkeit“, wie er von Mgr. Sabbah interpretiert wird, der ein großer Verteidiger der palästinensischen Sache in der Welt ist. Sabbah erklärte in einer Ansprache an die Bischofssynode in Rom (Oktober 2001):
„Die Kirche muss auf der Seite von Wahrheit und Gerechtigkeit stehen. Und in dieser Zeit der Wahrheit und Gerechtigkeit sagen, dass das palästinensische Volk unterdrückt, seines Landes beraubt, ins Elend gestürzt wird... Die Europäer sollten sich daran erinnern, dass sie einmal Opfer deutscher Besatzung waren und sie den Eindringlingen mit Gewalt entgegen traten, bis sie sie hinausgeworfen hatten. Die Europäer sollten begreifen, warum die Palästinenser Waffen aufnehmen und weiterhin kämpfen werden, bis sie ihre Freiheit wieder gewinnen.“9
Dieses „Friede und Gerechtigkeit“ ist eine Weihung des islamischen Systems des Jihad, des Systems Arafats, der Israels historische Rechtmäßigkeit leugnet und seine Vernichtung anstrebt. Diese Interpretation von Gerechtigkeit verkleidet die Israelis als Nazis und die palästinensischen Terroristen als Opfer, während die Wahrheit ist, dass der palästinensische Führer Hadsch Amin al-Husseini, Mufti von Jerusalem, aktiv in Berlin an Hitlers Seite am Völkermord an den Juden im Zweiten Weltkrieg teilnahm. Alain Besançon schreibt bezüglich der Verfälschung des Guten durch die Nazis: „Was macht diese Taten [der Genozid an den Juden] in unseren Augen teuflisch macht, ist, dass sie im Namen des Guten, unter dem Mantel der Moral durchgeführt wurden.“10
Der iranische Präsident Mohammed Khatami forderte ebenfalls den „Bau einer gerechten und friedlichen Welt“, während er die amerikanische Antwort auf die Terroranschläge vom 11. September verurteilte. Es stimmt, dass das Dhimmitum nicht duldet, dass ein Dhimmi sich gegen einen Angriff eines Muslimen wehrt und die Hinrichtung von Muslimen wegen des Todes eines Christen ausschließt, weil der Talion – das bedeutet gleiche Bestrafung – nur zwischen Muslimen gilt, die gleich gestellt sind, nicht aber zwischen Muslimen und Ungläubigen, deren Blut weniger wert ist. Aus diesem Grund schafft das Strafgesetzbuch des Iran die Diskriminierung von Nicht-Muslimen.11 Die Worte „Gerechtigkeit und Frieden“ müssen entsprechend der Ethik des Jihad in einer Ungleichheits-Beziehung interpretiert werden, die die Unterwerfung des Ungläubigen aufgrund seiner Minderwertigkeit verlangt.
Die politische Achse des Dhimmitums ist mit einer theologischen Umgestaltung verbunden, die in Zusammenarbeit mit europäischen Kirchen vorgenommen wird. Sie zielt darauf ab, Europa des Juden-Christlichen zu entledigen, das zu Gunsten eines Euro-Arabismus abgelehnt wird; dieser entsteht durch eine islamisch-christliche Ökumene, in deren Mitte die planetarische Symbiose und Globalisation eines islamisch-christlichen euro-arabischen Palästina steht, das sich auf die Vernichtung Israels konzentriert. „Palästina“ ist ein künstliches europäisches Konstrukt, das in den 1970-er Jahren zusammengebraut wurde, um Israel zu vernichten; es wird als leere Hülle angesehen, die verschwindet, sobald das Konstrukt seine Funktion erfüllt hat: die Befreiung der Christenheit von seinem jüdischen Stamm und die Schaffung einer islamisch-christlichen Fusion, die Europa über die PLO wieder zurück ins Heilige Land und nach Jerusalem bringt. Die Voraussetzungen dieser Strategie gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück; ihre Ausformungen, zu denen auch der Nationalsozialismus gehört, werden dem unerbittlichen Willen angepasst Israel zu vernichten und ausgeübt von einer Strömung des Christentums, die von politischen und wirtschaftlichen Kräften machtvoll strukturiert wird.12
Dieses Euro-Palästina besteht bereits in den antijüdischen Synergien und der Kultur ätzenden Hasses, die von der Europäischen Union finanziert werden, die Israel seine Grenzen und seine Hauptstadt – Tel Aviv – diktiert und Stücke aus einem bereits engen Territorium entfernt. Die Diffamierungen durch die Europäische Union, in den internationalen Medien laut propagiert, haben den arabischen Terrorismus gerechtfertigt und ermutigt, nicht nur in Israel, sondern auch in Zuge des kriminellen Antisemitismus, der ohne Widerstand aus politischen und religiösen Kreisen über Europa ausgeschüttet wird, während die Mythologien der perversa imitatio die Christenheit in Amnäsie-Sümpfen des Dhimmitums begraben.



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