Ich liebe es, wenn reißerisch formulierte Internet-Artikel mit dünner Faktenlage hergenommen werden, um zu zeigen, wie pervers die Christen sind.
Aber tun wir mal so, als wäre das alles solide und gesichert. Gegen Sex auf der Kirchenbank spricht grundsätzlich erstmal gar nichts. Persönlich finde ich ein Besäufnis am Buß- und Bettag zumindest ungewöhnlich, aber vielleicht habe ich auch bloß den Sinn dieses Tages noch nicht richtig verstanden.
Wie auch immer, sollte es so sein wie angedeutet, dass der Pfarrer den hilflosen Zustand der betrunkenen Frau ausgenutzt hat, dann liegt vermutlich in der Tat ein sexueller Missbrauch vor.
Was hat das nun mit "Gerechtigkeit durch den Glauben" zu tun? Wer meint, der Pastor könnte sich solche Eskapaden leisten und käme mit einem locker-flockigen "lieber Jesus, ich glaube an dich" ungeschoren davon, der hat etwas Wesentliches nicht mitbekommen, nämlich dass zum Glauben die Nächstenliebe und Fürsorge gehören, die Jesus praktiziert hat. Einem Menschen absichtlich Schaden zuzufügen kommt daher nicht in Frage bzw. ist ein Verstoß gegen elementare Grundsätze. Wer sowas tut, muss an seinem Glauben noch hart arbeiten. Glaube ist Bekenntnis zu Gott und sich daraus ergebendes Verhalten. Es ist weder allein Lippenbekenntnis noch allein gutes Tun.
So weit meine Überzeugung. Wer dem nicht zustimmt und sagt "nein, Luther hat gesagt, Glaube allein reicht, um den Pastor in den Himmel zu bringen", für den hab ich noch Mt 25,40: "Was ihr dem geringsten meiner Brüder (oder Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan".



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