Lieber Helo,

das wäre schön, wenn wir unsere eigenen Meinungen hier und gut erkenntlich einbringen würden und unter Umständen, so es notwendig ist, auf allgemein gültige Ansichten und Meinungen verweisen würden.

Die Bezeichnung Goj, also in diesem Fall Nichtjude wird auch unter uns Juden verschieden verwendet, verstanden und angewandt. Es reicht von Verachtung, Geringschätzung bis hin zur simplen unterscheidenden Bezeichnung. Ich selbst bewege mich auf der letzteren Bezeichnung und pflege einen grundsätzlichen Respekt zu anders Glaubenden und Mitmenschen anderer Kulturen.

Jüdisch religiöse Schriften und Bücher werden ja von uns nicht als für Andersgläubige verbotenes Material gehandelt, sondern als jedem zugänglich gepflegt. Von daher zielen meine Fragen nicht auf eventuell jüdisch erwünschte einschränkende Möglichkeiten von Beschäftigungen jüdischer Gebete und Schriften in den Reihen der Nichtjuden.

Gewiss, wenn ich z.B. buddhistische Schriften und Gebete lese berühren mich ohne Zweifel deren Schriften und Gebete auf geistlicher Ebene, also auf spiritueller Ebene und diese, mit offenem Herzen angegangene Weise, ist gewiss nicht als etwas verwerfliches einzustufen. Und doch bin ich zumeist sehr überrascht, wenn ich dann in Asien, ob nun in Indien, oder auf den Philippinen, oder eben in Burma, Tibet und Nepal erklärt bekommen darf wie sehr anders das gelesene gemeint war.

Auch entsprechen gewiss gewisse Frömmigkeiten einer uns allen all zu oft betreffenden menschlichen Eigenart und zwar Etwas als gegeben glauben zu können, ohne daran erst herumforschend heraus finden zu müssen ob es nun wahr ist oder weniger wahr ist.

Meine Fragen zielen in eine andere Richtung. Und zwar: Wie bekannt ist dem Israelfreund der israelische Freund? Oder: Pflegt der Israelfreund eine verstandene Freundschaft, ohne die real existierenden Juden? An den Berührungsstellen, wo echter Austausch und Kontakt gepflegt und auch erlitten wird ist gewiss noch viel zu tun um die schon vorhandenen beiderseitigen Freundschaften zu vertiefen und zu festigen. Aber an den im Geist verbleibenden und nicht wirklich austauschenden spirituellen Ebenen, also bei denen wo kein beiderseitiger intensiver Kontakt besteht ist doch sicher ein fragen unsererseits erlaubt worin ihre Israelfreundschaft besteht.

Liebe Grüße …/ Yitzhak