Vers 13: Da sprach Kajin zu Gott: Zu gross ist meine Sündeעָוֹנ , als dass ich sie ertragen könnte¨14. Siehe, Du hast mich heute von der Fläche des Menschenbodens vertrieben, und auch vor deinem Angesicht soll ich verborgen sein, soll unstet und flüchtig auf der Erde sein, und es wird ja jeder, der mich trifft mich erschlagen.

Es kann hier nicht heissen: „Meine Sünde ist zu gross, als dass Du sie mir verzeihen könntest“.
Diesem Kajin kommt zum Bewusstsein, was er alles durch seine aufgestochene Selbstsucht verloren, all dies durch sein Verbrechen eingebüsst hat. Er kommt zum Bewusstsein seiner Schuld nicht in Gedanken dessen, was er seinem Bruder getan, sondern dessen, was er sich getan! So erkennt Kajiin nicht das verbrechen, das er seinem Bruder, sondern das was er an sich geübt, deshalb nennt er es auch עָוֹנ , das Verkehrte, Krumme.

Vers 15: Da sprach über ihn Gott: Darum, wer Kajin tötet wolle! Es wird ja siebenfache Rache an ihm genommen! So machte Gott ein Wahrzeichen, dass keiner, der ihn treffe, ihn erschlage. Vers 16: Da ging Kajin fort aus dem Angesicht Gottes und lies sich im Land Nod nieder, ostwärts von Eden. 17. da erkannte Kajin seien Frau, sie empfing und gebar Channoch. Er ward ein Stadterbauer und nannte die Stadt nach dem Namen seines Sohnes Chennoch.

Gott spricht über Kajin, nicht zu Kajin. Nicht der Erschlage, der nicht mehr lebendig wird, sondern das verletzte Recht ist zu sühnen, wiederherzustellen. Weil der Zustand, in den sich Kajin selbst versetzt, so unerträglich ist, darum „höre es jeder, der den Kajin, um Hewels Blut zu rächen, töten wolle!“ Lebend wird Kajin schwerer gestraft, mehr gebüsst, als durch einen augenblicklichen Tod.

Gott verhängt über Kajin einen augenfälligen warnenden Zustand (Zeichen), so dass keiner ihn erschlägt. Obwohl aus dem Paradies vertrieben, standen die Menschen immer noch im Angesicht Gottes, nur Kajin warf Gottes Worte hinter den Rücken, wandte sich weg von Ihm. Und versucht, aus eigener Kraft, ohne Gott, ein selbstständiges Leben zu begründen. So beginnt mit ihm eine neue Bestrebung: die Stadt. Kajin war losgelöst vom Boden, der Acker trug ihn nihct mehr, losgelöst von Gott und seinen Nebenmenschen. Was blieb ihm? Er selbst blieb sich.
Die Stadt ist ein Komplex von Menschen, die nur aus Menschenkräften ihre Existenz schaffen. Des Städters Acker sind sein Kräfte, sein Geist und seien Fähigkeiten. Die vom Lande produzierten Stoffe erhalten so aus der Hand der Kunst und Industrie den Stempel der Menschenintelligenz. Auf dem Lande wird der Acker, und in der Stadt der Mensch kultiviert.
Dieser Gegensatz von Stadt und Land tritt auch in den Gesetzen hervor. Der Stamm Levi, ohne Anteil am Land, bekommt Städte. Mörder wurden in Städte verwiesen.
Es ist so charakteristisch, dass das erste Städteleben mit Kajin, dem vom Boden Gelösten und auf sich Verwiesenen, beginnt. Sein erster Sohn gab ihm das Bedürfnis, eine Zukunft zu gründen, und es gab für ihn kein (?) anderes Mittel.