Erinnerung an Evangelisationen:
Es ist/war ja des Christen Ziel, Menschen von der Liebe Gottes zu erzählen. Das ist ja wahrlich etwas gutes und schönes.
Die ganze Gemeinde setzte sich dazu ein, sammelte Geld für ein Zelt, für den berühmten und bekannten „Evangelist“. Alle setzten sich nach ihren Kräften und Vermögen ein, so wie es eben mit dem Alltag zusammenging.
Alle freuen sich da auf den ersten grossen Abend, bis endlich die grossen Worte über die Liebe Gottes verkündigt werden.
Doch was hört man da zuerst? Wie schlecht der Christ ist, wie wenig Zweit er sich nähme für die anderen. Und wie rühmt sich der Evangelist, wie viele, ja nicht zählbare Menge von Menschen er an der Hand bei Jesus vorführen kann, um dabei zu sagen: „Schau, das habe ICH getan“, im Gegensatz zu den „Alltags-Christen“. Wie beschämend doch die Christenheit sei (so im Gegensatz zu diesen Evangelisten), wie Gleichgültig, Oberflächlich und den weltlichen Dingen zugeneigt, ja wahrscheinlich nicht mal mit geistlichen Leben erfüllt, ohne Gottesgeist und fleischlich gesinnt. ER aber (also der Evangelist) mit vie viel Mühe und Eifer er allem Absage, um nur dem dienen zu können.
Wir hatten im Nachhinein viel „Arbeit“ um diese so herzlos verurteilten Menschen wieder aufzurichten. Und viele tragen dieses schlechte Gewissen weiter, weil man es nicht wagt, die Dinge mal beim Namen zu nennen. Der Schaden ist so grösser als der Nutzen. So zertritt man Menschen, um angeblich Menschen retten zu wollen.
So auch ein anderes mal, da wir doch noch am Samstagabend die Evangelisation besuchten, wo wir aus familiären und beruflichen Gründen nicht selber mitwirken konnten. Wir sprachen da mit verschiedenen Leuten, die wir ja bestens kannten, bis das Zelt fast leer war und schliesslich auch mit dem „Evangelist“ noch etwas sprachen. Sein ganzes Anliegen war, was WIR für die Evangelisation beigetragen hatten, und schoss dann am Sonntag in der Predigt mit Bemerkungen herum (weil WIR ja nichts gemacht dazu beigetragen hatten), die jenseits von Gut und Böse waren. Vielleicht hätte er sich gemässigt, hätte er gewusst, dass wir auch den GD besuchten, aber ich denke nicht mal das.
Die ganze Botschaft ist zuerst auf Angsteinflössen aufgebaut, Thesen, Dogmen und Theorien, um danach eine vermeintliche Rettungsleine zuwerfen zu können.
So sind auch solche Bemerkungen wie bei Micha’s Beitrag #107 am Schluss, die andern ein schlechtes Gewissen einreden, Überheblichkeit, ein Besser-Wissen-Wollen, was andere zu tun haben, verkennt aber dabei Gottes individuellen Willen und rechtfertigt sich trotzdem damit. So kommt doch dabei eher der ganze Frust aus solchen Bemerkungen und Reaktionen, durch welche man sich dann als gut darstellen will, um sich und sein Verhalten selber zu rechtfertigen.
So ist nicht alles Liebe, was mit Liebe angeschrieben ist.
Lehit
Alef



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