@Zeuge
Jeder hat also seine eigene. Es gibt keine allgemeingültige.
Ich verstehe nicht was Du mit allgemeingültig meinst. Jeder wird sicher anders und individuell solch ein Ereignis deuten, das habe ich ja auch schon zu sagen versucht, als ich davon schrieb, dass man es positiv und negativ theologisch deuten kann und die Deutung häufig im Kontext der eigenen Religion erfolgt. Was also soll da allgemeingültig sein, oder eben auch nicht?

Allein die Frage danach was für den Einzelnen eine Gottesoffenbarung darstellt, müsste vielleicht zunächst geklärt werden. Der eine verbindet damit vielleicht ein mystisches Erleben, ein anderer eine besonders intensive emotionale Regung im Kontext eines Gottesdienstes, oder ähnliches und wieder einem anderen offenbart sich Gott in Anschauung der Natur, ihrer Ordnung und Gesetze. Ich denke allein diese Frage ist allgemeingültig nicht zu beantworten.

Ich hatte geschrieben
Man kann keine gültige Aussage über dieses „Urknallgeschehen“ im Innersten der Seele treffen. Man kann trotz dieser Offenbarung nicht sagen: Gott ist hier, oder er ist da, oder ist so oder er ist so...
Und Du hattest geschrieben
Wieder ein Wiederspruch zur Bibel.
"Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat (ihn) kundgemacht." (Joh. 1:18)
Auch hier verstehe ich Dich nicht richtig. Wo siehst Du denn in den beiden Aussagen einen Widerspruch? Der eingeborene Sohn hat sein Gotterleben im Kontext seines jüdischen Glaubens kundgemacht. Gott selbst aber, so wie er Gott ist bleibt letztlich unerkannt und niemand kann sicher und verbindlich sagen was und wie er wirklich ist. Alle in den weltlichen Strukturen und mit menschlichen Ausdrucksmöglichkeiten vorhandenen Aussagen über Gott bleiben immer weltlich und menschlich und werden Gottes Transzendenz nicht gerecht.

Natürlich kann ich angesichts eines Kunstwerkes, oder beim hören einer Symphonie oder anderer Musik, beim rezitieren von Bibelversen, im Gebet, in der Versenkung oder Meditation den Eindruck haben, dass Gott zu mir spricht, dass mir Gott begegnet, aber es bleibt immer mein gedachter, mein gefühlter, so und so empfundener Gott. Gott selbst aber bleibt in seiner Gottheit in seinem Gottsein unerkannt.

Es gibt in der negativen Theologie also keine feste Zusage von Gott, nach der man Gott näher kommen kann. Keine Verheißungen.
Doch die gibt es durchaus. Sie entstehen und werden geprägt in der alltäglichen Auseinandersetzung mit dem Glauben, meinem Gottbezogensein, meiner Liebe zu Gott, meinem denken über und in der Welt. Aber sie beziehen sich eben auf mich und meinen Glauben, meiner Liebe, mein Denken und Verheißungen stehen auch absolut nicht im Mittelpunkt. Ich glaube nicht weil man mir etwas verspricht, nicht zu einem bestimmten Zweck, sondern ohne "Wozu" und in der Erkenntnis, dass ich in Gott vergehen darf, dass ich Vorübergehender sein darf (das mag man dann z.B. eine Verheißung nennen).

Kurz gesagt: den Glauben Abrahams kennt die negative Theologie nicht.
Über den Glauben Abrahams machen wir uns ein Bild, dieses kennen wir, können wir erkennen. Seine Aussagen über JHWH kennen wir, er ist der Vater drei großer Weltreligionen, die sich alle auf seine Aussagen und sein Erleben gründen. JHWH aber, der Gott Abrahams, unser aller Gott, der Eine, bleibt unerkannt und ward nie erkannt und wird nie erkannt werden.

LG
Provisorium