@Zeuge
Sorry, für vorangegangenes Off-Topic.
Kurzer Anflug transzendentalphilosophischen Fiebers. Inkubationszeit war wohl vorrüber;-)
Zurück zum Thema. Wie lesen wir also die Bibel? Für Dich ist die Bibel das absolut gesetzte, unmissverständliche und eindeutige Wort Gottes, für mich ein Buch der Weisheit, in der gläubige Menschen ihrer Verbundenheit mit Gott Ausdruck verleihen und andere (die Leser) daran teilhaben lassen wollten.
Der hauptsächliche Unterschied in diesen beiden Betrachtungsweisen liegt wohl darin, dass für mich „die Qualität“ (schlechtes Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein) meiner Beziehung zu Gott nicht so sehr vom rechten Verständnis der Schrift abhängt, während in Deiner Vorstellung mehr oder minder alles am rechten Verständnis gelegen ist, um überhaupt im Glauben erwachsen werden zu können um nicht, bezugnehmend auf 1.Kor. 13,11, ewig kindisch zu bleiben.
Jetzt würde mich natürlich interessieren, wie viel Kindigkeit ein lebendiger Glaube aushält, bevor er zum Unglauben wird? Was sind also die zentralen, unmissverständlichen, eindeutigen und absolut gesetzten Botschaften dieser Schrift, die unbedingt beachtet und befolgt werden müssen, damit auf dieser Grundlage aufbauend, das ganze Glaubensgebäude ein festes Fundament erhält und nicht auf Sand gebaut wird?
Mit genau solchen Fragen haben sich Menschen ja zu allen Zeiten beschäftigt und so auch eine Gesetzeslehrer von dem uns in Lukas 10, 25-28 berichtet wird:
Und siehe, ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu erben? Und er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du? Er aber antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst!« Er sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!
Leider geben wir Menschen uns aber nicht so gerne mit so einfachen Regeln zufrieden und möchten alles ganz genau wissen, nicht selten auch noch mit Hintergedanken, wie das „versuchte ihn“ aus Vers 25 schon andeutet. Wir lesen dann weiter in Lukas 10, 29-37:
Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Da erwiderte Jesus und sprach: Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen ihn halbtot liegen, so wie er war. Es traf sich aber, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber. Ebenso kam auch ein Levit, der in der Gegend war, sah ihn und ging auf der anderen Seite vorüber; Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen und er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goß Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Und am anderen Tag, als er fortzog, gab er dem Wirt zwei Denare und sprach zu ihm: Verpflege ihn! Und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher von diesen Dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist? Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat! Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso!
Tätige Liebe braucht doch eigentlich gar nicht soviel Wissen um das rechte Verständnis von Worten, Gleichnissen oder ähnlichem. Sie liebt aus freien Stücken, wie es ihrem Wesen entspricht und nicht weil irgendwo steht, dass sie lieben soll. Wenn ich also nichts von dem, was in der Bibel steht, richtig verstehen würde, aber ich diente meinem Nächsten in aufrichtiger und ehrlicher Liebe, wäre dann nicht unmissverständlich, eindeutig und absolut gesetzt alles verstanden, was es zu verstehen gäbe?
LG
Provisorium



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