
Zitat von
Die_Leuchte!
vergiß den „historischen Jesus“, denn wichtig ist nicht eine historisch nachweisbare (leibliche) Vertretung des Märchens, sondern allein das Märchen selbst –
Also mal davon abgesehen das ich auch den "historischen Jesus" nicht so gerne vergessen mag, glaube ich Deinem Text entnommen zu haben, dass Dein Logosbegriff im engen Zusammenhang mit dem sogenannten Johannesprolog zu verstehen ist und dem "Märchen" was dort erzählt wird, einige Bedeutung zukommt.
Denn Du hast geschrieben:

Zitat von
Die_Leuchte!
Vermeintlicher „Johannes“ (Am Anfang war der Logos ... und derselbe war Gott) war Zeitgenosse weit in die Zukunft getragener Abhandlungen griechischer Philosophie. Der Logos ist weder ein koptisches noch aramäisches oder hebräisches Wort sondern ur-griechisch. Er ist die Grundlage aller „Logik“ (logikos = logisch) und fordert nur einer ganz simplen Tatsache nachzukommen...
Dazu möchte das Provisorium was sagen und vielleicht sogar Erhellendes, damit Dir das dann im besten Fall verdeutlicht, dass ich Dich richtig verstanden habe, was Du mir dann wiederum eventuell bestätigen könntest...
Zunächst einmal der komplette Prolog, damit wir alle wissen, worum es sich dreht, in dem Märchen:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht. (Johannes 1, 1-18)
Mir persönlich gefällt die philosophische Deutung sehr gut, die Meister Eckhart diesbezüglich vorgenommen hat und die Dr. Josef Bordat provisorisch folgendermaßen interpretiert:
In seiner Schrift Expositio sancti evangelii secundum Iohannem deutet Eckhart Joh 1, 1 wie folgt:
1. Das Hervorgebrachte war zuvor im Hervorbringenden und zwar in Gleichheit (darum „bei“ Gott und nicht „unter“ Gott).
2. Das Hervorgebrachte ist das Wort des Hervorbringenden (im Sinne des logos, der Idee; Eckhart vergleich Gott mit einem Künstler, der eine Idee ausdrückt). Dabei ist das Wort als logos die „vernünftige Idee“, wie deutlich wird, wenn wir uns den lateinischen Text an der Stelle anschauen: „Et hoc est quod Graecus habet: in principium erat verbum, id est logos, quod latine est verbum et ratio.“ Ratio ist mehr als Idee: Es ist Grund, ist Vernunft, ist vernünftige Idee.
3. Durch die Hervorbringung wird das Hervorgebrachte verschieden vom Hervorbringenden, trotz anfänglicher Gleichheit (daraus folgert Eckhart: das Hervorgebrachte ist Sohn des Hervorbringenden, weil der Sohn die Eigenschaft hat, bei der Zeugung „ganz der Vater“, nach der Geburt aber ein eigenständiges Wesen zu sein, zumindest der Person nach, nicht aber der Natur nach).
All das ist philosophische Überlegung, ohne Dogmatik, und schon prinzipiell bei Aristoteles und Averroes bzw. Dietrich von Freiberg zu finden. Die Deutung von Joh 1, 1 fußt bei Meister Eckhart auf zwei Denknotwendigkeiten, die sich in der Tradition herausbilden:
1. Gott ist durch Erkennen. Das ist die auf Dietrich zurückgehende erste Pariser Quaestio Meister Eckharts, die besagt: Gott ist, weil er erkennt. Am Anfang steht der logos, mit dem Gott erkennt (ratio-Anteil) und sich zugleich äußert (verbum-Anteil). Das gilt grundsätzlich: Wer hervorbringen will, muss erkennen, muss seine eigene Idee erkennen. Und wer ist, um hervorzubringen, was er erkannt hat (Gott), ist, wenn er erkannt hat, also: weil er erkennt. So ist es hier auch im Text angedeutet: Erst erkennt Gott („Wort“), dann ist Gott („Gott“). Der Terminus „Wort“ tritt hier als Sinnbild des Erkennens in Joh 1, 1 vor dem Terminus „Gott“ auf.
2. Averroes hatte im Anschluss an Aristoteles betont, dass die Form (forma) das Seiende als Seiendes seiner Wesenheit (quiditas) nach festlegt. Die quiditas ist der intellektuelle Wesensgrund aller Dinge, ihre Wurzel und ihr Ursprung, und zwar als ihre Idee, ihr logos, ihr Wort. Eckhart sagt mit Blick auf Averroes, dass Johannes deswegen sage: „Im Anfang war das Wort.“ Eckhart schreibt, „daß in den geschaffenen Dingen ganz allgemein die Idee eines jeden Dinges der Ursprung und die Ursache aller Eigentümlichkeiten und Bestimmtheiten ist, die in ihm sind. Daher sagt der Kommentator (gemeint ist Averroes) im 7. Buch der Metaphysik, daß die Alten (gemeint sind die antiken Philosophen, insbesondere Aristoteles) sich immer darum bemüht haben, die Frage nach der Washeit der Dinge zu beantworten; denn wenn man das Wesen weiß, weiß man die Ursache von allem, nämlich von allem, was in dem Ding ist. Denn die Ursprünge der Substanz, welche die Teile der Begriffsbestimmung ansagen, sind eben die Ursprünge aller Eigentümlichkeiten und Bestimmtheiten ihres Trägers. Daher sagt die Begriffsbestimmung, welche die Idee ist, vom Träger an, was er ist, und von den Bestimmtheiten, weshalb sie sind, und sie (also die Idee) ist das Beweismittel und der ganze Beweis, der Wissen erzeugt. Demgemäß also legt man diesen Ausspruch aus: im Anfang war der logos, nämlich die Idee.“
Ist das Märchen Deiner Meinung nach so richtig erklärt? Und leben sie noch heute, wenn sie nicht gestorben sind?
LG
Provisorium
Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)
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