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Jetzt nehme ich mir mal ein bisschen Zeit für euch.
Dankeschön, das ist lieb!

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Du, liebes Provisrium, klingst frustriert, ob ich dich aufmuntern kann?
Ja, bisschen frustriert bin ich schon und für Aufmunterung bin ich sehr dankbar.

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Mit dem „Meister Eckhardt“ habe ich es nicht wirklich so, das wird wohl also nicht das Thema werden, worüber wir uns intensiver austauschen können, sry.
Das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich bereue mittlerweile schon, dass ich mich auf Grundlage seiner Philosophie verständlich machen wollte. Ich war dumm und naiv und jetzt fühlt es sich für mich ein bisschen so an, als hätte ich der Mona Lisa ihr Lächeln übermalt. Mea maxima culpa.

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Sieh mal das hier: Darin sehe ich die Zukunft des Christentums, weil es dann nicht mehr auf seine Dogmen beharrt, sondern die Gleichwertigkeit und nicht nur die Toleranz gegenüber anderen Gläubigen betont. Wo man sich als gleichwertig betrachtet, ist Toleranz überflüssig, weil man Toleranz nur für Dinge/Menschen benötigt, die einem irgendwie fremd und eben nicht gleichwertig sind.
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Wird es das je geben?
Ich träume davon. Wahrscheinlich ein eitler und weltfremder Traum, aber wenn ich keinen Mut zum Träumen mehr hätte, dann hätte ich wohl auch keine Kraft mehr zum Kämpfen. Und kämpfen/streiten möchte ich für die Gleichwertigkeit aller Glaubenswege bis zu meinem Ende.

Ihr Frauen müsst doch auch noch weiterhin kämpfen und werdet in noch so vielen Kulturen nicht als gleichwertig betrachtet. Das sollte man meiner Meinung nach nicht einfach so hinnehmen. Ich will damit aber keine Gleichmacherei und die individuellen Unterschiede, die ja häufig das Salz in der Suppe sind (irgendwie hab' ich's heute mit Essensmetaphern...), aus der Welt schaffen, sondern ich möchte lediglich dafür einstehen, dass jeder Glaubensweg, jeder Lebensentwurf als gleichwertig vor Gott betrachtet wird und wir ihn darüberhinaus, nur nach menschlichen Massstäben beurteilen dürfen und müssen.

Wir müssen, weil es nicht egal sein kann, ob sich jemand aufgrund seines Glaubens in die Luft sprengt und viele Menschen in den Tod reißt, oder ob er sich in den Dienst hilfsbedürftiger Menschen stellt. Aus unserer Position heraus hat das nicht den gleichen Wert und darf und muss also auch unterschiedlich bewertet und kritisiert werden. Aber wir Schuster sollten eben bei unseren Leisten bleiben und nicht vom Willen Gottes sprechen, der hier getan, oder nicht getan wird. Ich glaube man sprengt sich aus religiösen Gründen nur deshalb in die Luft, weil man glaubt damit dem Willen Gottes zu folgen. Aber sich in den Dienst hilfsbedürftiger Menschen stellen, dass machen ganz viele Menschen auch einfach so. Ich brauche also gar keine Vorstellung davon, was der liebe Gott für einen Willen hat, um moralisch gut handeln zu können. Wenn ich aber nur aufgrund einer erwarteten göttlichen Belohnung gut handeln würde, dann glaube ich, hat man seinen Lohn bereits empfangen. Gleichwertig bedeutet für mich also, dass ich mein Handeln vor Gott als immer des gleichen Wertes betrachte. Ich kann nicht wissen wie er darüber "denkt" und schon gar nicht kann ich es deshalb verbindlich machen.

Ich handle also so, wie ich handle und übernehme dafür die Verantwortung. Ich folge also meinem Wesen, ich ergründe es und nicht einer gedachten Vorstellung davon, was Gott nun von mir will.
Ich persönlich glaube daran, dass Gott ein wesenhafter Gott ist und sein Wesen in mich "eingeht", wenn ich von meinem Wesen lasse. Um von meinem Wesen lassen zu können, muss ich es zuvor aber ergründen, es wahrnehmen, denn das ist ein bewusster Prozess, eine bewusste Entscheidung. Leben ist für mich wesenhaftes Leben, Selbstzweck, ohne warum.
Eckharts spiritueller Weg lässt sich deshalb auch ganz einfach in einem Satz zusammenfassen: Nimm dich selbst wahr und wo du dich findest, da lass von dir ab.

So lebe und erlebe ich persönlich das und niemand muss dies genauso sehen. Ich wünschte mir vielmehr, dass sich jeder Mensch seine eigenen Gedanken dazu macht und eigene Entscheidungen trifft, denn nur das ist wesenhaftes Handeln. In den Auseinandersetzungen in dieser Welt werden wir uns dann wieder treffen und uns handelnd begegnen. Und ich wünschte mir nur, dass wir uns dann als gleichwertig betrachten könnten und uns nicht gegenseitig vorwerfen würden, der jeweils andere täte nicht den Willen Gottes.

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Ich meine, Religionen, so beobachte ich immer mehr, haben „eigene Wahrheiten“, jeder seine. Wenn man aber die eigene Wahrheit als Wahrheit sieht, kann man dann noch Menschen, die dieser „Wahrheit“ nicht folgen, auf gleicher Augenhöhe begegnen?
Wenn man glaubt im Besitz der Wahrheit zu sein, dann wohl eher nicht. Dann schaut man wohl immer etwas geringschätzend auf andere Wahrheiten.

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Dieses Ding mit der Toleranz und (jetzt misch ich mal ganz kühn einen zweiten Begriff hier rein) der Demut…
Es ist in beiden Dingen, so verschieden sie auch in Zusammenhängen hier gebraucht wurden, für mich persönlich weder Definitions- noch Glaubenssache oder Religion oder Übung, oder Lernprozeß… obwohl all das ein Weg dahin sein kann.
Verwunderlich? Ich versuch es in Worten zu erklären, obwohl ich ungern viel erkläre.
In und mit meinem Herzen, meinem Inneren lebe ich.
Ja, es gibt Dinge, die auch ich nur „toleriere“ (was ich mit „geduldig tragen“ umschreibe). Manches, was andere Menschen glauben, sagen, tun oder leben, kann ich nicht verstehen, nicht nachvollziehen und so toleriere ich im schlimmsten Fall, was ich nicht zielführend finde, um die Tür zum Gegenüber nicht gänzlich zu verschließen. Aber eben- für mich ist das der „letzte Anker“, um, ohne den Menschen selbst dadurch zu „beurteilen“, sein Handeln oder Denken ohne Wertung stehen zu lassen- das ist einfacher Respekt und gleiche Augenhöhe, weil wir alle Menschen und Geschöpfe sind. Dass wir unterschiedliche Menschen sind, ist für mich Basis genug, um nicht „dagegen zu halten“ oder zu „belehren“ .
Weißt Du, auf gleicher Augenhöhe kann man ja trotzdem sehr gut aus unterschiedlicher Perspektive heraus kommunizieren. Das ist einfach auch Einstellungssache. Die allermeisten Menschen, die an Absolutsetzungen festhalten, sind deshalb trotzdem tolerant, respektvoll und müssen auch nicht dazu neigen, andere belehren zu wollen. Absolutsetzungen pflanzen einfach nur einen Keim der ganz fürchterlich wuchern und zerstören kann, es aber nicht muss und in den meisten Fällen tut er das auch nicht.

Ich habe versucht das immer wieder deutlich zu machen und ich erachte mich weiterhin nicht als höher oder besser, als die Menschen, mit denen ich jetzt hier eine Auseinandersetzung habe. Viele von ihnen werden vielleicht älter und lebenserfahrener sein. Sie haben eben Dinge anders erlebt als ich und sind zu anderen Schlüssen gekommen. Das ist alles überhaupt kein Problem für mich. Ich habe im Gegenteil sogar großes Interesse an anderen Sichtweisen und Erfahrungen. Aber ich halte es für unabdingbar, dass man sich einerseits erklären darf und andererseits sich bemüht, den Gegenüber auch richtig verstehen zu wollen. Das ist für mich gleiche Augenhöhe. Das man dann aber trotzdem von völlig unterschiedlichen Perspektiven aus auf die Dinge schaut und sie bewertet, ist für mich kein Problem. Es macht das Leben nur reicher.

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Mit dem Begriff Demut verhält es sich da nicht ähnlich?
Man kann es wollen, üben, versuchen, scheitern, anders verstehen… oder man lebt es.
Ich persönlich lebe einfach als das Erschaffene, das ich bin. Ich kann aber muss nicht darüber nachdenken, welche „Demut“ mein Schöpfer haben will.
In meinem Herzen und Denken ist der Schöpfer höher, größer und weiser- und das erlebe ich täglich in großen und kleinen Dingen als absolut positiv. Muss ich mich dafür entscheiden, mich IHM unterzuordnen? Ich weiß nicht recht- alles in mir sagt, es ist, wie es ist und so ist es gut. Ich bin nicht so wahnsinnig, dass ich mich auf Höhe des Schöpfers stelle. Vertraue ich auf SEINE Führung und SEINE Liebe, dann darf ich völlig Mensch/Geschöpf sein, unvollständig im Denken und Verstehen, und das auch wenn ich noch so viel versuche zu entdecken. So viele Bücher, die ich lese und Menschen, denen ich gern lausche… Ich weiß es aber längst, ich bin „nur“ Geschöpf und ER ist Schöpfer.
Für mich im Alltag gibt es unglaublich viele Dinge, die ich erlebe, meistern muss in der Verantwortung gegenüber meinen Mitmenschen, und die natürlich auch aus meinem persönlichen, subjektiven „Glauben“ schöpfen. Doch es überrascht mich nicht, dass andere Menschen ein anderes Verstehen und Leben auf „Glauben, Demut oder Toleranz“ haben, denn sie sind nicht „ich“.
Im besten Fall kann ich mich austauschen, etwas in einem anderen Blickwinkel entdecken und lernen. Im für mich schlimmsten Fall aber, lerne ich etwas zu tolerieren, was sich meinem Leben entzieht.
Ich weiß nicht, ob Toleranz wirklich je gesunden Austausch auf gleicher Augenhöhe hervorbringt oder welche Art von Demut der Schöpfer erwartet (bin mir nicht mal sicher, ob ER wirklich „erwartet“).
Aber ich bin Teil dieses Lebens. Ich weiß nicht mehr als andere Menschen und bin nicht weise. Alles, was ich lebe, fühle und denke, ist Teil meiner Beziehung zum Schöpfer und zu Mitmenschen („Nächsten“).
„Demut“, „Liebe“ oder Austausch auf gleicher Augenhöhe ist für mich einfach etwas, was ein Mensch aus seinem Inneren heraus lebt oder eben , vielleicht begründet in Erlebtem oder Kultur etc, nicht.
Ich kenne Ideologien, Theologien, Philosophien, Theorien, aber so gern ich auch darüber nachdenke, all das ist für mich nur wie der „Nachtisch“ in der täglichen Nahrung, denn Leben ist einfach leben.
Volle Zustimmung. Ich habe das oben versucht mit dem Begriff "wesenhaftes Leben" zum Ausdruck zu bringen.

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Ich nehme es nicht persönlich, wenn andere Menschen nicht so sind wie ich. Aber, und jetzt lenke ich plump zum Thema zurück, Religionen, die Menschen in „verloren“ oder „errettet“ teilen, die „absolute Wahrheiten“ einfordern usw, ja sogar zu „Schlachten um christliche Wahrheiten“ aufrufen, begegnen mir persönlich nicht auf Augenhöhe, sondern mit erstickender Arroganz und unmenschlicher Überheblichkeit.
Wenn ich als Mensch und nicht-Christ, nur toleriert werde, weil ich ein Missionsobjekt sein könnte, dann sehe ich für mich keine Zukunft auf dieser Art Weg, denn um eine Beziehung zum Schöpfer zu leben, brauche ich keine Zugehörigkeit in festgefahrenen Wegen.
Auch das sehe ich ganz genauso wie Du! Und diese Unterscheidungen in "errettet" und "verloren" konnte ich für mich persönlich eben dadurch überwinden, dass ich mir bewusst machte, dass ich das aus meiner menschlichen Position heraus gar nicht beurteilen kann. Ich habe einfach kein Recht dazu sowas zu behaupten, solche Unterscheidungen zu treffen.

Und darüberhinaus bin ich (nicht nur) auf philosophischen Wegen zu der Einsicht gekommen, dass es diese Unterscheidungen nur in unseren Vorstellungen gibt und da, wo wir an ihnen festhalten. Deshalb auch mein spiritueller Weg. Er ist meine bewusste Entscheidung von all diesen Vorstellungen und Unterschieden zu lassen, um zur Unterschiedslosigkeit, zur Einheit zu kommen und aus jedem Gegensatz herausgenommen zu werden. Das ist ein innerer Prozess, ein meditativer Weg, ein Glauben. Mein Glauben.

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Die Zukunft des Christentums- ich fürchte, sie wird für Menschen wie mich zu eng, zu dogmatisch, zu unmenschlich.

Denn ich bin einfach nur Mensch, Geschöpf eines Schöpfers. ;-)
Die Zukunft des Christentums ist untrennbar mit der Zukunft der gesamten Menschheit verbunden. Langsam wird uns immer deutlicher bewusst, dass wir viel zu lange schon mehr oder minder unbewusst nach dem Motto "nach uns die Sintflut" gelebt haben. Wir leben in einer Welt mit endlichen Ressourcen und einer immer größeren Zahl an Menschen, die auf diese Ressourcen angewiesen sind.

Auch der Glaube kann eine Art Ressource sein, der sinnstiftend zu einem bewussteren und dann vielleicht auch ressourcenschonenderen Umgang mit unserer Welt einlädt. Leider besteht im "klassisch tradierten Christentum" aber die Vorstellung, dass diese Welt untergehen muss, damit sie einer neuen und perfekten Welt Platz machen kann.

Das Reich Gottes wird in dieser Vorstellung im äußerlichen erwartet und man wundert sich nicht über Katastrophen, Hungersnöte, Kriege und dergleichen, weil man ja schließlich glaubt in der Endzeit zu leben und da muss das eben so sein. Solch eine Vorstellung kann lähmend wirken, oder fatalistisch und leicht fühlt man sich dann eventuell dazu animiert, die "nach mir die Sintflut-Einstellung" als gottgegeben zu betrachten.

Schon heute stehen wir Menschen vor gigantischen Herausforderungen und unsere Kinder und Enkel werden es mit Sicherheit nicht leichter haben als wir heute. So wichtig es deshalb ist, denn Blick verantwortungsbewusst nach außen zu richten und seine Augen nicht vor den Ungerechtigkeiten und Nöten in dieser Welt zu verschließen, so wichtig halte ich es aber auch darauf aufmerksam zu machen, dass der Blick auch nach innen gehen darf, denn der Rabbi Jesus meinte einmal, dass das Reich Gottes inwendig in uns und schon längst da ist. Das ist mein Traum von der Zukunft des Christentums.

LG
Provisorium