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Snoopy
Nun, ich bin mir nicht so ganz sicher, ob deine Aussagen so ganz jenem Christus, also jenem Rabbi (so nanntest du ihn) gerecht werden.
Das kann ich gut verstehen! Ich bin mir da ja auch nie ganz sicher. Ich könnte mich selbstverständlich auch irren. Aber gleichzeitig könnte ich auch niemals jemand sein, der diesen Jesus nicht aus ganzem Herzen lieben würde!

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Snoopy
Wenn nun Gott Israel speziell vor fremden Einfluss, fremder Philosophie und Religion, ob ägyptisch, hellenistisch oder babylonisch bewahren wollte, damit diese die Gottessicht nicht vernebeln, warum sollt er sich dann dessen bedienen?
Wenn er sich tatsächlich davor bewahren wollte, dann würde er sich ganz sicher nicht dessen bedienen. Aber warum sollte er das tun? Dann wäre er ja allein im Judentum "verborgen" und nur als Jude hätte man den rechten Blick auf ihn. Das wäre dann aber auch irgendwie sehr absolut und würde viele Menschen, die doch aber alle nach seinem Bild geschaffen sind, ausschließen.

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Snoopy
Was heisst Erkenntnisweg?
Das hat Jesus selbst ganz wunderbar geschildert. Und zwar im Matthäus-Evangelium, Kapitel 11, die Verse 27-30:
Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und der, dem der Sohn ihn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.
Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und „ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Das ist die "Lehre des Lassens", die auch die neuplatonische Philosophie vermittelt.
Durch das Lassen alles Kreatürlichen und Geschaffenen verschwindet die Mühsal und das Beladensein. Die wunderbare Liebe Jesu kommt hier in Gänze zum Ausdruck.
Er weist uns den Weg zur "Vatererkenntnis" durch das Lernen von ihm. Sein Joch ist sanft, weil es uns lehrt alles zu lassen und dadurch werden wir gelassen und unsere Seele wird Ruhe/Frieden finden.
Er lädt uns ein uns alles abzunehmen, auch unsere individuelle Vorstellung von Gott, denn er allein erkennt den Vater. Ach so wunderschön! Und meiner Meinung nach ein ganz klarer Hinweis auf die negative Theologie, die später dann in der (neuplatonischen) Philosophie Eckharts zu einem Höhepunkt kam...Und es ist eine Einladung an alle Menschen, also keinerlei "Absolutheitsdenke" nur für bestimmte Auserwählte. Die "Sohnerkenntnis" vom Vater steht allen offen!

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Snoopy
Es ist speziell in Philosophien und Ideologien, wo von Erkenntnis gesprochen wird, und zwar genau der richtigen Erkenntnis, der dann der Weg und das Heil sein soll. Also es hat schon was abslutes an sich.
Ja, es gibt solche absolut gesetzten Denkweisen. Aber es gibt sie z.B. nicht in der Philosophie Eckharts. Da ist ausnahmslos in jedem Menschen der göttliche Funken.
Aber ob Du diesem gewahr werden willst und quasi zu brennen beginnst, liegt allein an Deiner freien Entscheidung. Das hat Jesus auch gelehrt. "Das Reich Gottes ist inwendig in euch" (Lukas 17,21)...

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Snoopy
Ist es im NT nicht besonders das vom griechischen Denken stark geprägte JoEv, welches diesen Absolutheitsanspruch Jesu geltend macht und betont („niemand kommt zum Vater als durch mich….“)? Im Jüdischen gibt es so viel ich weiss nichts dergleichen und Gott ist auch nirgends hinter Türen verschlossen.
Das "niemand kommt zu dem Vater als nur durch mich" solltest Du vielleicht aus dem Blickwinkel der substantiellen Einheit jedes Menschen mit Gott heraus verstehen.
Jesus begriff sich als diese Einheit und wenn wir Menschen alle tatsächlich auch substantiell in dieser Einheit sein sollten und das nur noch nicht recht verstanden/ergriffen haben, weil wir uns in den weltlichen Strukturen immer nur als getrennt von Gott begreifen können und also noch nicht zur "Sohnerkenntnis", zur Gottesgeburt im Seelengrund (würde Eckhart sagen) gekommen sind, dann sollten wir vielleicht tatsächlich noch zu der Erkenntnis kommen, zu der Jesus einst kam und dann kämen wir schließlich auch zum Vater, wie er zum Vater kam. Und das würde bedeuten, dass dann schlussendlich eben tatsächlich niemand zum Vater käme, als nur durch ihn allein...
Das ist keine Absolutsetzung im Sinne von "das muss jetzt so sein, sonst gehst du verloren", sondern das ist eine Frage, ob Du den Erkenntnisweg vollständig gehen magst. Du musst das aber nicht, weil es nichts an Deiner substantiellen Einheit mit Gott ändert, aber es wäre Dir der allergrößte Segen in diesem Leben, weil Dir dann alles Gott würde...

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Snoopy
Wohin entwickelt sich das Christum? Was sich entwickeln will, muss gute Wurzelnhaben….
Was ist „Jesuskonform“? Und genau daran scheiden sich nun bald 2000 Jahre die Geister….
Ja , bitte bitte teilt euch alle diesbezüglich doch mal mit. Ihr müsst doch auch Vorstellungen haben, Träume, Sehnsüchte. Die dürfen, nein, müssen doch auch sein!
Wie kann, wie wird es sich entwickeln, das, was sich Christentum nennt und sich auf diesen Jesus beruft?
Ich würde mich sehr über noch weitere Gedanken dazu freuen!
LG
Provisorium
Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)
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