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Hybrid-Darstellung

  1. #1

    Standard

    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Der Ursprung von Weihnachten soll wohl das heidnische Lichterfest gewesen sein und der Ursprung von Ostern geht wohl auf eine Feier zum Frühlingserwachen zurück, der sogenannten Tag-Nacht-Gleiche.
    Ja, diese Behauptungen kenne ich auch. Ich halte aber zumindest diese Formulierung (Ursprung ...) für Quatsch. Weihnachten ist für Christen die lange verheißene Ankunft des Messias auf der Erde, und Ostern ist die Feier seiner Auferstehung. Beides sind ausgesprochen gute Anlässe zum Feiern. Auf welches Kalenderdatum das gelegt wurde, ist letztlich unwichtig. Mit Wintersonnenwende bzw. Frühlingserwachen steht es auch nur auf der Nordhalbkugel im Zusammenhang - frag danach doch mal einen Australier oder einen Feuerländer.

    Aber aufgrund zumindest dieser Nähe zu ursprünglich heidnischen Festen, gibt es wohl zunehmend Christen, die diese Feste ablehnen, oder ihnen zumindest kritisch gegenüber stehen.

    Und ich denke, das ist häufig nur ein Vorwand. Für wahrscheinlicher halte ich, dass der wahre Grund ist: Keine Lust auf Familienfeier oder Ablehnung von allem, was mit Kirche zu tun hat.

    Oder man ist 100 % bibeltreu und lehnt alles als unbiblisch ab, was nicht wörtlich da drin steht. Das wäre dann richtig, wenn die Bibel eine Sammlung von Vorschriften wäre, die genauestens zu befolgen sind, und alles andere hat zu unterbleiben. Das ist aber meiner Meinung nach nicht der Fall.

    Ich denke man kann das immer auf ganz unterschiedliche Weise sehen. Tatsächlich hört man doch immer wieder klagen, dass z.B. Weihnachten zunehmend seines eigentlichen Inhaltes beraubt und dafür der Kommerz die bestimmende Kraft wird. Bei Ostern ist das ähnlich.
    Es steht jedem frei, Weihnachten und Ostern so zu feiern, wie es dem eigentlichen Inhalt entspricht. Niemand muss bei diesem Kommerz mitmachen. Die christlichen Feste zu canceln und stattdessen andere Anlässe zu feiern ist meiner Meinung nach die falsche Konsequenz. Es sei denn, derjenige ist eh gerade dabei, zum Judentum zu konvertieren.

    Ich glaube, wenn ich Jude wäre, würde ich die Christen fragen, was ihnen eigentlich einfällt, aus einer Unzufriedenheit mit ihrer eigenen Tradition heraus einfach mal irgendein jüdisches Fest zu kapern. Ich würde wissen wollen, ob sie überhaupt verstanden haben, was Laubhüttenfest bedeutet.

    Aber erzähl doch mal was Du Dir vorstellen kannst und was Du im Christentum gerne verändert sehen würdest.

    Ganz allgemein gesprochen wünsche ich mir, dass die Christen damit aufhören, ihre eigene Glaubensrichtung als die einzig wahre anzusehen, und zwar sowohl die verschiedenen christlichen Bekenntnisse untereinander als auch gegenüber Nichtchristen. Ich wäre schon zufrieden, wenn man sich freundlich und wohlwollend begegnet und dem anderen zugesteht, dass auch er sich auf einem Weg befindet, der zu Gott führen kann.

    Gruß,
    Sunigol
    Geändert von Sunigol (28.02.2013 um 23:22 Uhr)

  2. #2
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    Standard

    Zitat Zitat von Sunigol Beitrag anzeigen
    Ja, diese Behauptungen kenne ich auch. Ich halte aber zumindest diese Formulierung (Ursprung ...) für Quatsch. Weihnachten ist für Christen die lange verheißene Ankunft des Messias auf der Erde, und Ostern ist die Feier seiner Auferstehung. Beides sind ausgesprochen gute Anlässe zum Feiern. Auf welches Kalenderdatum das gelegt wurde, ist letztlich unwichtig. Mit Wintersonnenwende bzw. Frühlingserwachen steht es auch nur auf der Nordhalbkugel im Zusammenhang - frag danach doch mal einen Australier oder einen Feuerländer.
    Ich verstehe schon was Du meinst. Letztlich ist es ja schließlich auch beim Feiern die Herzenshaltung in der man das Fest begeht das Entscheidende.


    Zitat Zitat von Sunigol Beitrag anzeigen
    Und ich denke, das ist häufig nur ein Vorwand. Für wahrscheinlicher halte ich, dass der wahre Grund ist: Keine Lust auf Familienfeier oder Ablehnung von allem, was mit Kirche zu tun hat.
    Oder man ist 100 % bibeltreu und lehnt alles als unbiblisch ab, was nicht wörtlich da drin steht. Das wäre dann richtig, wenn die Bibel eine Sammlung von Vorschriften wäre, die genauestens zu befolgen sind, und alles andere hat zu unterbleiben. Das ist aber meiner Meinung nach nicht der Fall.
    So sehe ich das auch. Es gibt da ein grundlegendes Misstrauen gegen alles was sich christlich nennt, aber nicht zu 100% biblischen Ursprungs ist. Darin drückt sich immer auch Kirchenkritik aus. Allerdings müsste man dann auch einmal so konsequent sein und fragen, ob denn der biblische Kanon denn überhaupt so 100% in Ordnung ist. Der wurde ja schließlich auch erst im Laufe der Zeit festgelegt...

    Zitat Zitat von Sunigol Beitrag anzeigen
    Es steht jedem frei, Weihnachten und Ostern so zu feiern, wie es dem eigentlichen Inhalt entspricht. Niemand muss bei diesem Kommerz mitmachen. Die christlichen Feste zu canceln und stattdessen andere Anlässe zu feiern ist meiner Meinung nach die falsche Konsequenz. Es sei denn, derjenige ist eh gerade dabei, zum Judentum zu konvertieren.
    Ich glaube, wenn ich Jude wäre, würde ich die Christen fragen, was ihnen eigentlich einfällt, aus einer Unzufriedenheit mit ihrer eigenen Tradition heraus einfach mal irgendein jüdisches Fest zu kapern. Ich würde wissen wollen, ob sie überhaupt verstanden haben, was Laubhüttenfest bedeutet.
    Das ist es ja, was ich Eingangs mit "Trend" meinte. Es ist wohl mancherorts, und das sind häufig freikirchliche (ursprünglich evangelische) Gruppierungen, eine Bewegung hin zur jüdischen Wurzel zu beobachten und das drückt sich eben auch in der "Feiermentalität" aus. Ich finde das zumindest interessant und frage mich eben woran das liegen könnte.

    Zitat Zitat von Sunigol Beitrag anzeigen
    Ganz allgemein gesprochen wünsche ich mir, dass die Christen damit aufhören, ihre eigene Glaubensrichtung als die einzig wahre anzusehen, und zwar sowohl die verschiedenen christlichen Bekenntnisse untereinander als auch gegenüber Nichtchristen. Ich wäre schon zufrieden, wenn man sich freundlich und wohlwollend begegnet und dem anderen zugesteht, dass auch er sich auf einem Weg befindet, der zu Gott führen kann.
    Solange das "niemand kommt zum Vater als nur durch mich" nicht als Erkenntnisweg verstanden und negativ theologisch interpretiert wird, sondern weiterhin absolutgesetzt, eben dieses spezielle Bekenntnis zu Christus für unbedingt notwendig erachtet wird, in dessen Folge dann auf fast schon magische Art und Weise, von außen kommend ein neuer Mensch in den Gläubigen hineingeboren wird, ist das meiner festen Überzeugung nach unmöglich.
    Man muss sich dann weiterhin als auserwählt betrachten und andere Wege eben ablehnen. Das heißt aber nicht, dass man gegenüber anderen Wegen nicht tolerant sein könnte, das kann man schon. Aber diese Wege führen dann in letzter Konsequenz eben direkt in die Hölle. Toleranz wäre hier also sogar ein Stückweit grausam, wenn es tatsächlich nur diesen einen Weg geben sollte, dann muss, muss, muss auch unbedingt dieser Weg gegangen werden. Das ist in jeder positiven Theologie letztlich so, weil Gott und das was Gott will nur sehr eingeschränkt diskutiert werden darf.

    LG
    Provisorium
    Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)

  3. #3

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    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Man muss sich dann weiterhin als auserwählt betrachten und andere Wege eben ablehnen. Das heißt aber nicht, dass man gegenüber anderen Wegen nicht tolerant sein könnte, das kann man schon. Aber diese Wege führen dann in letzter Konsequenz eben direkt in die Hölle. Toleranz wäre hier also sogar ein Stückweit grausam, wenn es tatsächlich nur diesen einen Weg geben sollte, dann muss, muss, muss auch unbedingt dieser Weg gegangen werden.
    Aber eben das können wir nicht wissen. Wir wissen weder, ob es genau einen Weg durch Jesus zu Gott gibt oder ob es auch mehrere sein können, noch wissen wir, ob wir selbst auf einem dieser Wege sind (und daher anderen entgegenschleudern könnten, sie seien auf dem falschen) oder ob wir auch das nur glauben.

    Manche hätten wohl gern schon zu Lebzeiten die amtliche Zusage, dass ihre Einweisung in den Himmel nur noch eine Formsache ist, und malen sich aus, wie das Regelwerk dazu aussehen könnte. Das kann man machen, solange es nur einen selbst betrifft. Der Fehler ist, diese Regeln (die immer von einem persönlichen Standpunkt ausgehen) 1:1 auf andere zu übertragen. Man muss immer die Möglichkeit berücksichtigen, dass Gott mit dir was anderes vorhat als mit mir und dass ich daher nicht verlangen darf, dass du dein Leben nach meinen Maßstäben ausrichtest. Diese Entscheidung (welchen Weg wähle ich, was gibt meinem Leben die Richtung?) trifft jeder Mensch selbst und niemand für einen anderen.

    Toleranz ist also nicht grausam, sondern notwendig, damit jeder die für ihn richtige Entscheidung treffen kann.

    Dein anderes Posting, Provisorium (#19) muss ich erst noch genauer lesen.

    Gruß,
    Sunigol

  4. #4
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    Zitat Zitat von Sunigol Beitrag anzeigen
    Toleranz ist also nicht grausam, sondern notwendig, damit jeder die für ihn richtige Entscheidung treffen kann.l
    Das ist ja völlig richtig und ich unterstütze völlig Deine Ansichten. Ich meinte nur, dass Toleranz in dem speziellen Fall grausam wäre, wenn ich zur hundertprozentigen Sicherheit gekommen wäre, DEN Weg zu Gott entdeckt zu haben und gleichzeitig wüsste, dass es eben keinen anderen Weg als nur diesen einen geben kann.
    Und das ist nun einmal für gewöhnlich die Lesart, in der das Christentum seinen Glaubensweg beschreibt und sich selbst definiert.

    Ich weiß nicht wie Du Christen kennengelernt hast, aber ich kenne einige Christen die sich ganz sicher sind, dass z.B. den Weg, den Moslems, Hindus, oder Buddhisten gehen, nicht der Weg zu Gott sein kann und sie sind deshalb auch davon überzeugt, dass diese Gläubigen schlussendlich in die Hölle kommen, denn so lesen sie es aus der Bibel heraus.
    Das ist dann häufig auch Hauptantrieb für Mission.

    Natürlich ist das Christentum eine eher tolerante Religion, denn sie gründet sich ja auf dem Gebot der "Nächstenliebe", aber in ihrer Konsequenz, was den Weg zu Gott betrifft, ist es letztlich nicht wirklich tolerant. Da ist die Pforte und der Weg zu Gott sehr eng und nur wenige werden ihn finden und bis zu Ende gehen.
    Dahinter steht zunächst einmal eine ganz bestimmte Form der Bibelinterpretation und das für gewöhnlich daraus resultierende Verständnis, ist letztlich nicht tolerant. Da gibt es nur "schwarz oder weiß" und ich kenne viele Gläubige die dieser "Schwarzweißdenke" folgen.

    LG
    Provisorium
    Geändert von Provisorium (01.03.2013 um 13:26 Uhr)
    Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)


 

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