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  1. #1

    Standard

    Hallo Provisorium

    Was du über die Konstantinische Wende schreibst finde ich sehr interessant. Bis jetzt hatte ich lediglich im Hinterkopf, dass Konstantin den Christen eigentlich "geholfen" habe. Zum ersten mal sehe ich das nun aufgrund deiner Postings aus einer anderen Perspektive.

    Ich möchte gerne darüber mehr wissen.


    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Aber kaum hatte Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erklärt, wurde es auch schon vielen Christen suspekt und sie "flüchteten" sich ins Mönchtum oder in die Wüste.

    Warum flüchteten die Christen denn eigentlich konkret das Christentum? (Klingt sowas von widersinnig!) ?
    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Was da dann im Laufe der Zeit dogmatisch festgelegt wurde, war nie frei von Anzweifelungen.

    Was waren das für Dogmas? Wärest du so nett mir das grob aufzuzeigen? Wie gesagt, in Geschichte bin ich nicht bewandert.

    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Die "gebildeten Stände" waren vor Konstantin meist Christengegner und seit Konstantin dann gläubige Christen.

    Das klingt frappierend:
    Die grösste Religionsgruppe auf Erden sind heute Christen. Neulich kam mir der Gedanke, was eigentlich wäre, wenn diese Leute "gleichgeschaltet" würden von einer kleinen machtpolitisch interessierten Gruppe dieser Erde. Wir Christen schauen ängstlich auf den Islam. Aber ist uns eigentlich bewusst, dass wir selber als Masse missbraucht werden könnten?

    Irgendwo las ich kürzlich hier im Forum, dass jemand einen Pastor erwähnte, der sich selber negativ über die ganze Christenheit hermache. Das wiederum erinnerte mich an Medienmitteilungen, wo sich letzthin vermehrt Priester outen, dass sie eigentlich gar nicht an Gott oder doch zumindest nicht an einen persönlichen Gott glauben würden.

    Ich konnte mich der Frage nicht erwehren, ob eigentlich das Christentum derzeit unterwandert werde, oder ob sich der Unglaube von solchen Priestern erst im Laufe ihres Lebens herausstellt.

    Und dann kam auch die Frage: Was ist, wenn gebildete Leute - und das sind die Priester gewiss - das Potential der Menschenmassen für sich vereinnahmen würden?
    Es sind nur Gedanken; sie schrecken mich nicht, denn ich weiss um Gott / glaube an ihn, und fürchte darum nicht, dass etwas ausser seinem Willen geschehen kann. Letztlich muss alles wieder dem Guten dienen. Trotzdem - die Gedanken sind da...

    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Heute gilt es nüchtern auf diese Entwicklung zu blicken und dann versteht man irgendwann auch, warum es infam ist, die kirchliche Lehre als einzig Wahre zu betrachten. Aber das ist eine Entwicklung, die uns noch bevorsteht...
    Zum Glück leben heute viele den christlichen Glauben - so hoffe ich zumindest - weitgehend emanzipiert von der Kirchenleitung. Dogmas - so scheint mir - haben es immer schwerer.
    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Warum setzte Konstantin auf die Christen? -Sie nahmen bereits eine stattliche Anzahl in der Bevölkerung ein, waren perfekt organisiert; ihre Religion existierte in der antiken Welt, man konnte sie sich also zu Nutze machen. Christen verband ein starkes Gemeinschaftsgefühl und ein starker Glaube. Genau diese Eigenschaften, ...

    ...könnten doch auch heute wieder "benutzt" werden, wenn jemand wirklich grossen Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen möchte, oder?
    Siehst du dieses (Gefahren-?) Potenzial auch?

    Zitat Zitat von Provisorium Beitrag anzeigen
    Das Christentum wurde hier also sozusagen machtpolitisch instrumentalisiert, bzw. es wurde machtpolitisch interessant. Und da ging es dann nicht mehr nur um Glauben. Wollte man im Staate erfolgreich sein, war es gut Christ zu sein. Du verstehst...?

    LG
    Provisorium
    Ich glaube, dass ich verstehe, aber ob ich dasselbe verstehe wie du?
    Wie gezeigt, ziehe ich Parallelen zur heutigen Zeit. Allerdings bin ich kein Liebhaber von Verschwörungstheorien. Im Grunde attestiere ich allen Menschen einen guten Willen. Dennoch kann ein "guter Wille" unter umständen machtpolitische Beweggründe haben, oder über längere Zeit - wie wir offensichtlich im Rückblick auf die Geschichte feststellen können - durch Verwässerung zu machtpolitischen Missbräuchen ausarten.

    Machtpolitik war ja niemals Jesu Gesinnung, ansonsten er nicht die Vergebung und Versöhnung an oberste Stelle gesetzt hätte und sich auch nicht hätte töten lassen. Allerdings stelle ich bereits in der Apostelgeschichte fest, dass die Apostel ihre Geistkraft mehr mächtig und herrschend, denn versöhnlich, gütig und dienend gelebt haben. ;-) Ich bin eben auch manchmal ein kritischer Bibelleser ;-)

    Besonders auffällig diesbezüglich sind die Ereignisse rund um das Ehepaar Hananias und Saphira (Apg. 5,1 - 11) Ich frage mich, warum Petrus so strenge war. Jesus konnte ja Abertausende aus dem Nichts verpflegen. Warum also diese Art zu strafen wegen materieller Güter? Jesus hätte das nie getan, sondern den Leuten aufgezeigt, dass Gott, der das Leben gibt, auch für die Versorgung der Seinen gradesteht. Und er hätte auf jeden Fall jedem den freien Willen gelassen, ohne zu strafen.

    Eindrücklich ist ab Vers 12 beschrieben, wie die Menschen von nun an mehr Furcht vor den Aposteln und damit wohl auch vor den zukünftigen Christen hatten, statt Liebe zu Gott:
    "Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk. Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen. Von den übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschliessen, aber das Volk schätzte sie hoch. Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt. Scharen von Männern und Frauen. Selbst die Kranken trug man auf die Strassen hinaus und legte sie auf Betten und Bahren, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigsten SEIN SCHATTEN auf einen von ihnen fiel. ...Und alle wurden geheilt."

    Zu Beginn überwiegte also noch das Heilen und "Guttun", so dass die Leute zwar die Wohltaten schätzten, aber im Grunde war das Verhalten des Petrus - und vielleicht auch der übrigen Apostel - doch Ausübung von Macht. Die Folge davon wie gesagt: Mehr Ehrfurcht und vielleicht auch pure Angst vor der Macht der Apostel bewegte die Menschen, als dass es die Liebe zur Liebe war, die sie zu den ersten Christen und also zu Abba zog. Könnte man das in etwa so sehen?

  2. #2
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    Standard

    Zitat Zitat von Mitleser Beitrag anzeigen
    Ich möchte gerne darüber mehr wissen.
    Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dich mal mit der Entwicklung auseinandersetzt, die nach oder mit Konstantin begann.
    Zum Beispiel das erste Konzil von Nicäa http://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Konzil_von_Nicäa und damit verbunden, mit dem arianischen Streit http://de.wikipedia.org/wiki/Arianischer_Streit.

    Da wurden dann schon einige Weichen gestellt, die die Christenheit bis heute "spaltet". In dieser Zeit entstand dann ja auch der biblische Kanon, den man auch kritisch hinterfragen kann http://www.theologe.de/theologe14.htm. Und zum Konstantin empfehle ich Dir noch diese Seite: http://www.theologe.de/kaiser-konstantin_kirche.htm

    Aber mehr sagt das Provisorium jetzt nicht dazu, weil da muss sich wirklich jeder sein eigenes Bild machen und seinen Glauben aus seinem Wesen heraus leben. Die jeweilige Lehre verliert dann an Bedeutung, wenn man Gott von Herzen liebt und weil Du das tust, ist's auch gar nicht so wichtig, was das Provisorium zu diesen ganzen Entwicklungen denkt ;-)

    LG
    Provisorium
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