Ihr Lieben alle,

heute muss angesichts meiner knapp bemessenen zeit diese allgemeine, aber ganz herzliche Anrede reichen.

Ich finde das Thema Sünde ganz wichtig, meine Lebens- und Glaubenserfahrung sagt, wenn ich sie nicht benenne, wenn ich sie nicht ausspreche, vor mir selbst, vor Gott, dann entfaltet sie wie bei einer Wunde eine tiefgehende Entzündung, die mein ganzes Leben vergiftet.
In der Seelsorge werde ich oft gefragt, was denn Sünde sei. Ich versuche dann offen zu antworten, so wie ich es für meinen Glauben verstanden habe, dass Gott natürlich auch ganz konkrete Verfehlungen als Sünde bezeichnet (10 Gebote), Luther sagt dazu 'in Gedanken, Worten und Werken' - also nicht allein erst durch das Tun, sondern es beginnt vorher in mir, meinem Denken. Das ist etwas Bedrohliches, wenn ich es nicht angehe, denn auch das vergiftet mich, mein Leben, meine Beziehungen zu Menschen, zu Gott.
Aber Sünde ist mehr und anderes als nur eine vereinzelte Tat, ein Denken. Sünde ist für mich die Distanz, die Entfernung zu Gott, zu seiner Liebe, zu seinem Evangelium.
Luther schrieb einmal Melanchthon zu dessen Traurigkeit bezüglich des immer wieder Sündig Werdens: 'Pecca fortiter' d.h. sündige stärker, kräftiger.
Wenn ich lebe, dann werde ich schuldig, das kann ich nicht verhindern. Ich bleibe z.B., wenn ich hier im Internet mir jetzt Zeit nehme, meinem Mann etwas schuldig, nämlich meine wenige Zeit mit ihm, meinem Geliebten zu verbringen; umgekehrt werde ich aber auch schuldig, wenn ich nicht hier schreibe, weil hier ganz viele Menschen lesen und auf die frohe Botschaft, auch auf mein Zeugnis über meinen Glauben, meinen Gott warten. Beides ist ganz wichtig und es ist immer wieder eine Gratwanderung, denn ich kann meine Zeit nur einmal verschenken.
Es gibt eine Zeit, schuldig zu werden
und es gibt eine Zeit, um Verzeihung und Versöhnung zu bitten.
In alledem gehe ich zu meinem Gott und bitte ihn, dass er mir zeigt, wo ich lang zu gehen habe, wie ich entscheiden soll.
So ist seit ganz langem Jesus für mich die Nr. 1 in meinem Leben und ich bin unterwegs in seinem Namen,
aber ähnlich wie Melanchthon würd ich mir schon wünschen, nicht so vielen Menschen etwas schuldig zu bleiben, zu sündigen ... und ich glaube, Leben geht nur, indem ich auch schuldig werde und immer wieder den Weg zu meinem Gott und Vater, meinem Bruder und Herrn finde, ihn um Verzeihung bitte, um Wegweisung und Schutz und Segen. So ist für mic das Gebet des Herrn täglicher Begleiter 'Vater Unser .... und vergib uns/mir unsere/meine Schuld, wie auch wir/ich vergebe/n unseren/meinen Schuldigern ....'

... so, vielleicht ein wenig zu kompliziert geschrieben, aber fragt einfach noch mal nach, wenn Ihr etwas nicht verstanden habt.

Ihr Lieben alle,
'time to go' für mich für heute, ein kleines Stück auf anderen wEgen.
Behüt Euch alle Gott unter seinem großen Schutz und Shalom!

Liebe Grüße
Regenbogen