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  1. #1

    Standard Was schreibt Jesus auf die Erde? Warum wird das überhaupt erwähnt?

    Hallo zusammen,

    in Johannes 8,1-11 (Jesus und die Ehebrecherin) schreibt Jesus mit dem Finger auf die Erde. Ich hab mich schon immer gefragt, was er da wohl schreibt und warum das überhaupt erwähnt wird. Das, was man für gewöhnlich aus dem Text versteht, wäre ja auch ohne diese zwei Zwischenbemerkungen zu verstehen. Wenn man aber davon ausgeht, dass die Bibel Gottes Wort ist, also inspirierte Schrift, dann müsste man auch davon ausgehen, dass diese Zwischenbemerkungen einen Informationswert haben. Was könnte dieser sein?

    Ich hätte da eventuell eine Idee. Ihr auch?

    Viele Grüße
    Frau Shane

  2. #2

    Standard

    Ja, mehrfach kam ich mit dieser Überlegungsfrage in Berührung.
    Dies zu formulieren, muss ich aber auf eine normale Tageszeit schieben.
    Danke, dass du so exemplarisch eine Beitragsplattform schaffst, die in einem Forum dieser Art unbedingt auch ihre Berechtigung hat, sich nämlich mit biblischen Fragen auf der Glaubensgrundlage von inspirierten Schriften zu beschäftigen.
    Ein Segment, welches offensichtlich ein Stief- oder sogar Waisen- Kind ist, das besonderer, geeigneter Zuwendung bedarf.

    Uwe

  3. #3

    Standard

    Ich stelle mir die Szene so vor: Die erwischte Ehebrecherin, ein paar "Rechtgläubige", die sich empören, und dazwischen Jesus. Er hockt auf der Erde, malt mit dem Finger Kringel in den Sand und wartet geduldig ab, bis die Aufgeregten sich ein bisschen beruhigt haben. Er weiß genau: Die werden von sich aus keine Steinigung anfangen. Die warten auf sein Wort. Also lässt er sie erst mal zappeln und beschäftigt sich mit etwas völlig Nebensächlichem: Kringel in den Sand malen. Die Botschaft davon ist: "Leute, regt euch ab."

    Und dann, als sie die Spannung fast nicht mehr aushalten ("Jesus, nun sag doch endlich! Steinigen?"), da nimmt er ihnen allen Wind aus den Segeln, indem er sagt: "Wer ohne Sünde ist, der soll anfangen". Das ist sehr cool und hat durchschlagende Wirkung. Was er geschrieben oder gemalt hat, ist dabei unwichtig. Es kam nur auf die Geste an.

    Gruß, Sunigol

  4. #4

    Standard

    Das hab ich mich auch immer gefragt :-) Was schrieb/zeichnete er da in den Sand rein und warum wird es überhaupt erwähnt...

    Sunigol's Interpretation find ich durchaus passend.

    Meine eigene ist, daß er das damals "unausprechliche" reinschrieb. Nämlich daß "3 Mose 20, 10" schlichtweg falsch ist. Schlichtweg keine Anweisung von Gott ist und auch noch nie gewesen war.

    Es heißt ja immer und immer wieder, Jesus wäre "Schrifttreu" gewesen. Aber gerade die Szene mit der Ehebrecherin beweißt das Gegenteil. Wäre er Schrifttreu gewesen hätte er sich "treu" an folgendes (angebliches) Gesetz Gottes gehalten:

    "[Und Jahwe ... sprach:] wenn ein Mann Ehebruch treibt mit dem Weibe eines Mannes, wenn er Ehebruch treibt mit dem Weibe seines Nächsten, so sollen der Ehebrecher und die Ehebrecherin gewißlich getötet werden" (3 Mose 20, 10)

    Sehr elegant und äußerst diplomatisch ausgehebelt hatte Jesus dieses angebliche "Gesetz Gottes" das zum Todschlag aufrief eben mit dem bekannten "...der werfe den ersten Stein".

    Die Weigerung von Jesus und seinen Nachfolgern 3 Mose 20, 10 folge zu leisten stellt für mich eindeutig ein Bruch mit der Schrift dar. Und zwar einen Notwendigen. Einen guten Bruch. Weil wer andere Menschen steinigt, oder dazu aufruft, ist nicht "aus Gott".

    Die Bücher Moses insbesondere die "mosaisch-gesetzlichen Tötungsaufrufe" halte ich deswegen für Anti-Christlich beeinflusst von Anfang an... und letztendlich können diese nur verfälscht worden sein.

    Das hatte aber schon Jeremia (mein lieblings AT-Prophet) zu seiner Zeit bemerkt. Denn in Jeremia 7,21f wideruf Gott selbst (durch Jeremia) zB daß ER zur Zeit der Ägyptischen Befreiung Moses irgendwas von Brandopfern gesagt noch geboten hat, derweil die Mosesbücher aus exakt dieser Zeit voll davon sind wie angeblich Gott Brand- und Schlachtopfer geboten haben soll.

    Dann, in Jeremia 8,8, spricht Jeremia es nochmals direkt aus: "Wie möget ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz Gottes ist bei uns? Siehe, fürwahr, zur Lüge hat es gemacht der Lügengriffel der Schriftgelehrten".

    Sprich: Die "Gesetze Gottes" (aus den Büchern Moses... weil das waren nunmal die Gesetzes Bücher) waren schon zur Zeit Jeremia's von den "Schriftgelehrten" verdreht und verfälscht... "zur Lüge gemacht" worden.

    Kein Wunder also daß dort allerlei Tötungsaufrufe drinstehen wie eben zB jenes von der Steinigung von Ehebrechern.

    Das Jeremia natürlich bei der damaligen herrschenden Priesterschaft verhasst war dürfte deswegen ja nicht wundern. Wie bei Jesus. Wie bei allen Propheten. Alle berichtigten sie (unter Lebensgefahr) Dinge die die die jeweiligen Oberpriesterschaften als feste Dogmen zur Machterhaltung als "Wort Gottes" beanspruchten.

    Das zieht sich durch die jüdisch und auch christliche Geschichte durch wie ein roter Faden... (das wäre dann auch der einzig rote Faden der mir in der Bibel bekannt ist... die Verfolgung derjenigen die die Wahrheit sprechen unabhängig der Ansichten und Schriftdeutungen der religiösen "Elite")

    Gut aber aufjedenfall daß das barbarische angebliche "Gesetz Gottes" daß Ehebrecher gesteinigt gehören mit dem Christentum ein Ende gefunden hat. Einzig was mir noch fehlt ist das Eingeständnis daß dies niemals "Gottes Gesetz" war. Solange das fehlt... solange ist da nur die Hälfte gelernt worden in meinen Augen.

    Grüße Net.Krel
    Geändert von net.krel (13.08.2014 um 09:17 Uhr)

  5. #5
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    Standard

    Hallo Net.krel
    eigentlich gehöre ich ja zu den aus dem Hintergrund still mitlesenden Usern. Aber um sicher zu gehen, dass ich dich nicht missverstehe, gestatte mir eine Rückfrage zum besseren Verständnis deiner Argumentation.
    Sehe ich es richtig, dass du die Jeremiastelle erstens tatsächlich als Widerruf liest, nach dem Gott gar keine Brandopfer will, dass dann als Beispiel anführst um zweitens die Interpretation der zweiten Jeremiastelle als Hinweis auf eine Verfälschung der 10 Gebote zu stützen, woraus du drittens schlussfolgerst, dass vermutlich auch das Tötungsverbot eine Fälschung war und demzufolge in der Situation der Ehebrecherin gar nicht anzuwenden war? Oder habe ich da jetzt was durcheinander gebracht?
    Herzlichen Gruß
    Kaspar
    Es sei bitte berücksichtigt, dass meine Besuche zeitweise durch lange Pausen unterbrochen werden. Sollte ich also eine an mich gerichtete Frage überlesen, bzw. nicht unmittelbar beantworten, dann ist dies bitte nicht als Ausdruck des Desinteresses zu werten - ggf. hilft auch mal eine Erinnerung.

  6. #6

    Standard

    Ja @Kaspar... so meinte ich das. Wobei natürlich niemand mehr sagen kann was im Detail alles gefälscht wurde in den Moses Büchern. Die 10 Gebote halte ich persönlich noch für relativ rein. Die ganzen Brand- und Schlachtopfergebote sind aber auf keinen Fall von Gott dem Moses gegeben worden... wie bereits erwähnt sag das nicht (nur) ich sondern, laut Bibel, Gott durch Jeremia selbst.

    Wundert dich das etwa? Daß sich Falsch-Lehren in die Religionen einschleichen ist ja nun wirklich nichts neues in der Geschichte der Menschheit... Warum sollte das Juden- oder Christentum da eine Ausnahme bilden?

    Als Faustregel kann man in meinen Augen sagen: Machtbesessenen Menschen ist überhaupt gar nix heilig... weder Wahrheit noch Religion noch politische System... sondern dienen ihnen nur als Mittel zum Zweck. Chancen haben sie damit nur weil es einfach zu viel (Blind)Gutgläubige, Kritiklose und/oder nicht-selbst-reflektierende Menschen gibt die zB meinen: "Nein.. in meiner Religion... Nein... in meiner Demokratie... da gibts so was nicht... da läuft alles korrekt ab".

    Gabnz besonders betroffen sind "bürokratische Gesellschaften" (wie zB insbesondere Deutschland... aber nicht nur...) wo merkwürdigerweise "geschriebener Text" Wertvoller erscheint als der Gesunde Menschenverstand... diese Illlusion trifft man überall... sei es in den Medien... sei es in der Gesetzgebung... sei es insbeondere in der Religion.

    Bei der Religion kommt noch erschwerend die nächste mir absolut nicht nachvollziehbare Vortellung hinzu daß umso älter eine Schrift ist umso wahrer muss sie ja sein... derweil in meinen Augen eher das Gegenteil der Fall ist... :-D

    Ja... Du hast mich schon richtig verstanden.... und ich hab absolut keine "Sanftheit" oder "Diplomatie" über für Schriften die an unzähligen Stellen zur Grausamen Ermordung anderer Menschen aufrufen wie an vielen Stellen in den Mosesbüchern. Steinigung ist nicht einfach nur bischen Steichen rollen... das ist eine Qualvolle Tötungsmethode und wer an so einen Gott glaubt sowas angeordnet zu haben jemals... glauben kann... der ist bei mir ziemlich hoch oben auf der "Suspekten-Liste"...

    Denn wer sich so leicht überreden läßt graußamste Tötungsmethoden als "damals göttlich verordnet" anzuerkennen... da ist es dann nicht fern diesen leicht manipulierbaren Menschen nach alten bekannten Manipulationsmuster die schon seit Jahrtausenden angewendet werden zu ähnlichen Zustimmungen zu bringen... was wir ja in der Christenheit immer und immer wieder seit ihr Bestehen auf der Weltbühne zu sehen bekommen haben.

    So also seh ich das.

  7. #7
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    Standard

    Ei was schreibt der denn da? Der Jesus? Man weiß es nicht! Es steht nicht da! Oh weh....

    Ich vermute ja, das er etwas ausgesprochen provisorisches schrieb, also gar nicht so sehr irgendein bedeutungsschwangeres Wort mit tiefstem Sinninhalt, sondern eher sowas wie die antik jüdische Form unserer heutigen Emoticons :-) Ja, sowas.... :-O, oder sowas :-p...

    Na ja, ich habe also keinen blassen Schimmer, ihr merkt es schon!

    Aber 'ne Idee habe ich auch und auf die hat mich der hochgeschätzte net.krel gebracht, als er plötzlich von Jeremia anfing. In Jeremia 17, 13 wird nämlich auch auf die Erde geschrieben. Im Kontext heißt es dort:

    Ich, der HERR, bin es, der das Herz erforscht und die Nieren prüft, und zwar um einem jeden zu geben nach seinen Wegen, nach der Frucht seiner Taten. Wie ein Rebhuhn, das brütet, ohne gelegt zu haben, so ist, wer Reichtum erwirbt, aber nicht mit Recht; in der Mitte seiner Tage muss er ihn lassen, und an seinem Ende wird er ein Tor sein.
    Thron der Herrlichkeit, erhaben von Anbeginn, Stätte unseres Heiligtums! Hoffnung Israels, HERR! Alle, die dich verlassen, werden zuschanden werden. - Und die von mir abweichen, werden in die Erde geschrieben werden; denn sie haben den HERRN, die Quelle lebendigen Wassers, verlassen.

    Auf die Erde schreibt man also die Abtrünningen, die, deren Herzen erforscht und deren Nieren geprüft wurden, damit sie dann das erhalten, was ihren Wegen und der Frucht ihrer Taten entsprach.

    Das Beispiel mit dem Rebhuhn finde ich persönlich ja ganz schlecht ausgewählt, aber mit Hühnern kenne ich mich auch nicht aus. Ich habe keine Ahnung, ob sich Rebhühner auf fremde Eier setzen und sie dann ausbrüten! Heute fände man solch ein Tun wahrscheinlich sogar ausgesprochen lobenswert. Das hat was von einer Leihmutter...Aber ich schweife ab!

    Also für mich persönlich schaut das so aus, als wäre das Schreiben in den Sand ein Ausdruck von Souveränität. Und zwar der Souveränität Gottes. Das Urteil über das Leben eines Menschen, oder besser, über Leben und Tod des Menschen, steht schlussendlich allein Gott zu.

    Schreibt er meinen Namen in die Erde, wird er sehr bald vom Winde verweht, in alle Himmelsrichtungen verteilt, der Vergangenheit angehören. Dann bin ich wieder der Staub, aus dem ich einst geworden bin. Quasi "back to the start", für unsere amerikanischen Freundinnen...:-)

    Bemerkenswert finde ich, dass das Schreiben Jesu seine berühmten "ersten Stein Worte" einrahmt, also das er zweimal schreibt. Einmal bevor er dazu auffordert den ersten Stein zu werfen und dann sofort danach noch einmal.

    Die katholische Theologie hat das Provisorium einst gelehrt, dass, wenn in der Bibel was gleich zweimal gesagt oder getan wird, allerhöchste Dringlichkeitsstufe herrscht. Zum Beispiel gelten alle Menschen, die Jesus zweimal beim Namen nennt, als mit allergrößter Sicherheit heilig! So mein persönlicher weiblicher Lieblingsschatz aus dem NT, die Martha! Zu der sagt Jesus in Lukas 10,41:

    Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe;...

    Das, so lehrt Meister Eckhart,ist Ausdruck einer ganz besonderen Berufung Marthas. Ihre Sorgen und Mühen werden reichlichst belohnt werden! Aber ich schweife ja schon wieder ab...

    Also was ich sagen wollte ist, dass das Schreiben Jesu symbolhaft für die Souveränität Gottes steht, dass er Anfang und Ende dessen ist, was wir richten/verurteilen nennen. Und deshalb richtet/verurteilt auch Jesus die ertappte Ehebrecherin nicht und fordert sie nur auf, doch in Zukunft das Sündigen sein zu lassen.

    LG
    Provisorium



    Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)

  8. #8
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    Standard

    Lieber net.krel.
    Ich danke dir für deine Rückmeldung und deine Erläuterung zu den Gründen, die letztlich auch dein Verständnis mit bestimmen.
    Dir weiterhin eine gute Woche und fruchtbare Gespräche
    Herzlichen Gruß
    Kaspar
    Es sei bitte berücksichtigt, dass meine Besuche zeitweise durch lange Pausen unterbrochen werden. Sollte ich also eine an mich gerichtete Frage überlesen, bzw. nicht unmittelbar beantworten, dann ist dies bitte nicht als Ausdruck des Desinteresses zu werten - ggf. hilft auch mal eine Erinnerung.

  9. #9

    Standard

    Ich warte noch auf Uwe.

    Zitat Zitat von Uwe Beitrag anzeigen
    Ja, mehrfach kam ich mit dieser Überlegungsfrage in Berührung.
    Dies zu formulieren, muss ich aber auf eine normale Tageszeit schieben. Uwe

  10. #10

    Standard

    Ja, die Message ist angekommen. Ich warte auch auf Uwe. Der ist zuweilen tagelang unterwegs und ist eben grad d.h. um Mitternacht mit dem Auto wieder nach Hause gekommen.
    Ich versuche mal, heute So meine Gedanken in Worten auf GnaKi zu posten.
    Jetzt mal noch einige Stunden schlafen nach diesem 17-stündigen Samstag.
    Uwe


 

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