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Hybrid-Darstellung

  1. #1

    Standard Wo liegt Bethehem?

    Pfarrer Bertram schlug die Bibel auf. Dabei blickte er auf seine Gemeinde. Es war Heiligabend. Wie immer an diesem Tage entdeckte er alle seine Schafe, die sonst kaum den Weg zu seinen Predigten fanden. Aber er freute sich dennoch, waren sie alle doch Gottes Kinder. Nun saßen sie dichtgedrängt, Alt und Jung, manche festlich gekleidet, andere noch in den Kleidern des Alltags.

    „Kommt her zu mir, die ihr von Mühsal beladen seid, ich werde euch befreien!“ sagte der Gekreuzigte hinter ihm, zumindest glaubte Pfarrer Bertram ihn so zu verstehen. „Ich bringe euch große Freud!“ sang der Chor von der Empore. Die Stimme der jungen Schindlers Tochter hallte durch die Kirche, als sänge ein Engel. Dem Pfarrer wurde warm ums Herz. Die Orgel brauste noch einmal mit jubilierenden Tönen über die Gemeinde hinweg und klang dann frohlockend aus.

    Aus dem Buch vor ihm schaute ihn schon der Weihnachtstext an. Jahr für Jahr hatte er ihn der Gemeinde verkündet, und doch nahm ihn stets wieder die Botschaft dieser Nacht gefangen und machte ihn zugleich fröhlich.

    Über seine Brille weg blickte er noch einmal in die Augen der Gemeinde. Und als habe Gott seinen Blick gelenkt, blieb er mit den Augen an dem jungen Martin hängen, dem Jungen aus dem Heim für Behinderte. Dieser Martin war nicht nur in seinem Gemüt geschlagen, sondern auch körperlich behindert. In der Gemeinde wurde er trotz der Mahnungen von ihm, dem Pfarrer, wie ein Ausgestoßener behandelt. Manchmal war Martin wie ein Kind, obwohl die Zeichnungen des Alters nicht zu verkennen waren.

    Zwischen den Sitzreihen fiel ein Handstock mit schepperndem Nachhall auf den Boden. Das rief Pfarrer Bertram zurück zu den Zeilen seiner Botschaft. Er las laut, betont langsam die Geschichte von der Geburt des Herrn. Zu seiner rechten Seite führten Jugendliche aus der Gemeinde ein Krippenspiel dazu auf. Die jungen Leute waren mit Begeisterung bei der Sache, aber wieder musste Pfarrer Bertram auf Martin schauen, der unruhig und mit hastigen Armbewegungen jedes Tun verfolgte. Als die Hirten an der Krippe auf die Knie sanken, glitt Martin von seinem Sitz in der Reihe und kniete nun an der Erde.
    Der Pfarrer musste innerlich lächeln. Wieder verkündigte er von der frohen Botschaft dieser Nacht. Die Sänger von der Empore besangen die Geburt des Christuskindes. Mit ihren zarten Stimmen machten sie alle Herzen weit und ließen Frieden in sie kommen. Dem Pfarrer war, als seien die traurigen Gesichter der Gemeinde jetzt in fröhlicher Stimmung.
    Das Schlußlied „O du fröhliche“ klang richtig befreiend durch die Kirche. Der Pfarrer segnete die Gemeinde. An der Tür reichte er einem jedem die Hand und wünschte ihm ein gesegnetes Weihnachtsfest. Als er danach durch den Mittelgang noch einmal auf das Kreuz zuging und schon zufrieden den Talar hob, bemerkte er Martin.

    Der junge Mensch war bis zur Krippe vorgegangen. Hier kniete er, schaute dabei verzückt auf das inzwischen verwaiste Krippenspiel.

    „Martin!“ der Pfarrer rief ihn mit sanfter Stimme. Wie aus einem Traum erwacht, sah ihn der behinderte Junge an. „Martin, auch dir wünsche ich von Herzen ein schönes Weihnachtsfest!“ Dabei reichte er ihm die Hand und begleitete ihn bis ur Kirchentür. Seinen Arm hatte er um den bebenden Leib des Jungen geschlungen.

    Schon standen sie an der Tür, vor sich die hereinbrechende Weihnachtsnacht, da brach es aus dem Jungen heraus, unruhig, gestoßen, aufgeregt: „Wo liegt Bethlehem?“
    Der Junge wartete die Antwort nicht ab und ging hinaus in das Dunkel dieser Nacht. Der Pfarrer schloß die schwere Tür, aber sein eben noch so fröhliches Herz hatte einen Stoß bekommen. „Wo liegt Bethlehem?“

    Noch im Wagen auf dem Heimweg zu seiner Familie, die nun schon alles vorbereitet hatte,
    konnte er die Frage nicht verdrängen. Vor seinen Augen stand Bethlehem, nicht allein wie in den Erzählungen der Bibel, nein, ihm wurden die heiligen Stätten gegenwärtig, die er auf seinen Studienreisen besucht hatte. Wie entsetzt war er gewesen von der Unrast, der Unruhe der Menschen an jenem Ort, in Bethlehem, dem Ort, der zur Besinnung einlädt, Frieden verheißt. Zweifel hatten in ihm gebohrt, als er all das Treiben dort gesehen hatte. Während der Fahrt identifizierte er sich selber mit der Frage des jungen Martin, der mit Recht gefragt hatte, wo Bethlehem denn liege.

    Es begann zu schneien. Das graue Straßenpflaster war im Nu zugedeckt. Im Scheinwerferlicht sahen die Sträucher am Straßenrand wie Märchengestalten aus, die Schneeflocken tänzelten im Licht vor ihm her.

    Pfarrer Bertram fuhr langsamer, begann die Schönheit dieser Stunde zu genießen. Doch plötzlich entdeckte er am Straßenrand die Gestalt. Regungslos stand dort ein Mensch, blickte übers Feld, merkte nicht einmal, als der Pfarrer anhielt und ausstieg.
    Schon wollte er laut fragen, ob er mitfahren möchte, da erkannte er ihn. Es war Martin, der behinderte Junge aus dem Heim, der eben an der Kirchentür noch nach Bethlehem gefragt hatte, nun stand er hier, in sich versunken. „Bethlehem, wo ist denn Bethlehem?“ Nur das war dem Jungen zu entlocken. Beinahe mit Gewalt schob er den Jungen ins Auto. So mochte er ihn nicht stehen lassen.

    Pfarrer Beertram wollte auf diesem Wege noch eben bei der alten Frau Meinereit reinschauen, bei der Frau, die vor vier Wochen Mann und Sohn durch einen Verkehrsunfall verloren hatte und an diesem Abend ganz allein war.

    „Das ist schön, Herr Pfarrer, kommen sie herein!“ Sie zog den Pfarrer in die Stube. Eine einzige Kerze brannte, dabei die Bilder der Verstorbenen. Dennoch war dem Pfarrer, als käme ihm schon der Friede dieses Abends entgegen.

    „Der Junge ist ja halb erfroren!“ Die alte Frau schob den zitternden, ängstlich schauenden Martin ans Feuer, rieb ihm dabei das Gesicht trocken. Martin blickte sich nach einiger Zeit erstaunt im Zimmer um, bis er auf dem Tisch am Fenster das Krippchen aufgebaut sah: Da war ein Stall, darüber aus Stroh ein Dach, oben drauf ein goldener Stern.

    „Der, der Stern von Bethlehem, da ist er!“ Martin kniete davor. Verzückt starrte auf die hölzernen Figuren, fasste aber nichts an. Sogar beim heißen Tee, den ihn Frau Meinereit reichte, ließ er die Augen nicht von der kleinen Krippe dort am Fenster.

    „Lassen sie den Jungen man hier! Sie müssen nur im Heim Bescheid geben!“ Nun war Frau Meinereit in ihrem Element und sorgte sich um den Jungen. Der Pfarrer verließ fröhlich das Haus. Ihm war, als sei gerade die Botschaft vom Frieden für alle Menschen wahr geworden.

    Er fuhr still und langsam durch die winterliche Nacht. Der Schnee hatte inzwischen die Landschaft zugedeckt, aber es schneite nicht mehr. Dafür bedeckten tausend Sterne die unendliche Weite. Einer davon, so fiel Pfarrer Bertram ein, einer könnte vielleicht der Stern von Bethlehemsein.

    Noch einmal stieg in ihm das Bild des Martin auf, dieser Martin, der auf der Suche gewesen war nach Bethlehem. Der Junge hatte es gesucht und dann auch gefunden in dieser langen Weihnachtsnacht. Wie viele Menschen wohl noch nach der Botschaft von Bethlehem suchten, nach Frieden und Freude in dieser unserer Welt und in unseren Tagen?

    Karl- Heiz Bonk - Oldenburg

  2. #2

    Lächeln

    Mit dieser Geschichte oben, grüße ich Euch herzlich zum 1. Advent. - Irgendwie passt sie sehr, denn Frau Holle und wphl auch alle ihre Bediensteten, schütten gerade die Betten aus. Es schneit wie verrückt!

    *winke*
    Ingo

  3. #3

    Standard

    Ui, Ingo, bei dir schneits??? Hier ist gerade herrlicher Sonnenschein.
    Deine Geschichte ist sehr bewegend. Danke.


    Und unser Fischilein war ja schon wieder ganz früh auf.
    Wie schön, dass du schon die 1. Adventskerze entzündet hast.
    Wir lassen sie brennen, damit uns allen bewusst wird, dass Gott auch in uns ein Licht anzünden will, dass er will, dass es in uns hell wird.

    Hier in unserem Balkoni-Wohnzimmer sieht es richtig gemütlich aus. Gretels Adventsgesteck auf dem Tisch, die brennende Kerze, ein paar Engel, verteilt ein paar Kerzen, der knisternde Kaminofen, an der Stehlampe baumelt ein Nikolaus, am Fenster ein paar rote Sterne, das rote Sofa lädt ein zum Kommen.

    Und auf euch warten Adventstee und Plätzchen.

  4. #4

    Standard

    Damit ihr euch nicht wundert, wenn ihr mich in den nächsten Tagen hier nicht seht: Ich fahre ein paar Tage zu einer Adventlichen Einkehrwoche nach Selbitz zur Christusbruderschaft. Das wird sicher wieder sehr schön und tut immer richtig gut.
    Am liebsten würde ich euch alle mitnehmen.

  5. #5

    Standard

    Der König kommt.

    Mit dem 1. Advent beginnt ein neues Kirchenjahr. Das Kalenderjahr beginnt in einer lauten Nacht, mit rauschenden Festen, leuchtenden Raketen, Lärm und Getöse, Krach und Alkohol. Das Kirchenjahr beginnt still und ruhig, Glocken laden ein zum Gottesdienst. Es brennt nur eine Kerze, und es kommt nur eine kleine Schar. Aber die Botschaft ist gewaltig: "Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer!"

    Am 1. Januar ein Heidenlärm, aber auch eine Heidenangst. Bang fragen die Menschen: "Was kommt?" Unheimliche Fragen, keine Antworten. Niemand weiß, was kommt. Am 1. Advent nur ein Licht, aber eine große Hoffnung. Fröhlich reden wir davon, wer kommt, unser Erlöser kommt.

    Der 1. Januar stellt uns in den Strom der Zeit und erinnert uns schmerzlich an die Vergänglichkeit. Der 1. Advent stellt uns in den Strom der Liebe Gottes und erinnert hoffnungsvoll an die Ewigkeit. Gottes Liebe leuchtet auf. Ihr heller Schein möchte in unseren dunklen Alltag eindringen, ihn verwandeln vom bangen Fragen in fröhliches Hoffen, von düsteren Ahnungen in glänzende Aussichten: Unser Retter kommt!

    Wenn am 1. Januar ein Riesenkrach die Angst vor dem Kommenden vertreiben soll, können wir am 1. Advent Jesus und seine Liebe herzlich empfangen und an andere weitergeben? Wir wünschen uns eine Adventszeit, in der die Lichter von Freude und Liebe, Hoffnung und Geborgenheit unseren Alltag hell machen.

    "Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer!"
    Sacharja 9,9

    Axel Kühner
    aus "Überlebensgeschichten für jeden Tag"
    Aussaat-Verlag

  6. #6

    Standard



    Wollt ihr mit mir singen?

    Wir sagen euch an den lieben Advent.
    Sehet, die erste Kerze brennt!
    Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
    Machet dem Herrn den Weg bereit.
    Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr!
    Schon ist nahe der Herr.

    Maria Ferschl


    Tochter Zion, freue dich,
    jauchze laut, Jerusalem!
    Sieh, dein König kommt zu dir,
    ja, er kommt, der Friedefürst.
    Tochter Zion, freue dich,
    jauchze laut, Jerusalem.

    Friedrich Heinrich Ranke

  7. #7

    Standard

    Eine schöne, besinnliche, frohe und gesegnete Adventszeit wünsche ich euch allen.

    Eure Mirjamis

  8. #8
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    Standard

    Zitat Zitat von Mirjamis Beitrag anzeigen
    Damit ihr euch nicht wundert, wenn ihr mich in den nächsten Tagen hier nicht seht: Ich fahre ein paar Tage zu einer Adventlichen Einkehrwoche nach Selbitz zur Christusbruderschaft. Das wird sicher wieder sehr schön und tut immer richtig gut.
    Am liebsten würde ich euch alle mitnehmen.
    Ich mach mich ganz klein und komme mit *lach*

    Ich wünsche dir eine super schöne Einkehrzeit Mirjamis. Das tut der Seele gut und dem Körper auch.

    Komm gesund und erholt wieder zu uns - du wirst fehlen, das weißt du, gelle...


    Gott möge in diesen Tagen dir besonders nahe begegnen.

    Deine Fischi

  9. #9

    Standard

    Danke, liebe Fischi,
    ja, ich nehm dich mit.




    Noch ein Grüßle an alle.

  10. #10
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    Standard

    Tschüssiii Mirjamis *nachwinke*


 

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