Schönen guten Morgen lieber Lior,
da ich mittlerweile die Zeit gefunden habe mir mal alle Posts dieses Threads durchzulesen und sich mir dabei so die ein oder andere Frage bzgl. deiner Worte an den lieben net.krel stellte, sei mir nun bitte auch noch erlaubt, dieselben gleich neugierig an dich richten zu dürfen, verbunden mit der Hoffnung, dass du das jetzt nicht zu aufdringlich, oder gar unangemessen findest, wenn ich da jetzt so direkt nachfrage!

Zitat von
Lior
Der Begriff offene Beziehung ist gewissermaßen ein Oberbegriff für alternative Lebenskonzepte, in denen der traditionelle Exklusivitätsanspruch auf einen Partner abgelehnt wird.
Da muss ich gleich mal die vielleicht blöde Frage stellen, weshalb du außerhalb alternativer Lebenskonzepte, also dementsprechend innerhalb einer traditionellen Partnerschaft, den Exklusivitätsanspruch auf einen Partner, als grundsätzlich gegeben erachtest? Ist es denn nicht vielmehr so, dass man auch innerhalb einer traditionellen Partnerschaft immer dann bewusst auf jederart Exklusivitätsanspruch verzichten kann/mag, wenn man den Partner allein um seiner selbst Willen liebt und deshalb ganz grundsätzlich keinerlei exklusiven Anspruch geltend machen möchte?
Oder hältst du vielleicht eine Partnerschaft, in der bewusst auf Exklusivitätsansprüche verzichtet wird, nicht mehr für traditionell, sondern eben schon für alternativ? Also ich spreche hier nicht grundsätzlich von einer Ehe, sondern auch von einer Liebesbeziehung, in der man als Paar durch's Leben geht.
Oder anders gefragt, muss deiner Meinung nach in einer nicht alternativen partnerschaftlichen Liebesbeziehung, zwangsläufig der Anspruch an den Partner erhoben werden, dass er/sie exklusiv auf diese Partnerschaft "beschränkt" bleibt, oder kann vielleicht auch immer dann auf diesen Anspruch verzichtet werden, wenn die der Partnerschaft zugrunde liegende Liebe "ohne warum und wozu", also Selbstzweck ist?

Zitat von
Lior
Das Konzept der offenen Monogamie wie ich sie befürworte sieht dabei vor, dass man eine Ehe führt, welche als Lebenspartnerschaft einen sicheren Rahmen und eine familiäre Struktur auch für gemeinsame Kinder schafft, in welcher aber beide Partner nicht darin beschränkt werden, emotional tiefgreifende Beziehung zu weiteren Menschen zu führen – und in denen man nicht darauf angewiesen ist, sich der körperlichen Zärtlichkeit als Ausdrucksmittel der innigen Zuneigung und Intimität zu versagen.
Also wenn ich das Konzept der offenen Monogamie richtig verstehe, dann liegt doch der Unterschied zwischen offener Monogamie und traditioneller Partnerschaft lediglich darin, dass der offen monogam lebende Mensch eventuell nicht nur mit seinem Lebenspartner, sondern auch noch mit anderen Menschen körperlich zärtlich, und/oder, unter Umständen, auch sexuell interagiert, während in einer traditionellen Partnerschaft der Geschlechtsverkehr und der Austausch körperlicher Zärtlichkeiten, für gewöhnlich ausschließlich in der partnerschaftlichen Zweierbeziehung erlebt wird?
Ist das so richtig? Mhmm, kann ja eigentlich nicht richtig sein, denn inwiefern ist die offene Monogamie denn dann eigentlich monogam, wo sie sich doch auch eventuell des Geschlechtsakts mit mehr als nur einem Menschen nicht versagt? Lieber Lior, ich fürchte das musst du bitte nochmal bisschen deutlicher für das Provisorium machen...:-)
Ach und dann wollte ich gerne noch kurz fragen, ob du die Menschen, die in einer traditionellen Partnerschaft leben, als eingeschränkt betrachtest? Ich frage, weil du ja geschrieben hast, dass die von dir befürwortete offene Monogamie eine Lebenspartnerschaft ist, in der beide Partner nicht darin beschränkt werden, emotional tiefgreifende Beziehungen zu weiteren Menschen zu führen. Da du "nicht darin beschränkt werden" geschrieben hast, dachte ich nämlich, dass du im Umkehrschluss traditionelle Partnerschaften für dich eben als beschränkt, oder vielleicht eher als einschränkend empfindest?
Also ich bin persönlich halt der Meinung, dass emotional tiefgreifende Beziehungen zu weiteren Menschen grundsätzlich in jeder Partnerschaft möglich sein sollten! Sonst könnte man sich ja gar nicht mehr intensiv miteinander austauschen...
LG
Provisorium
Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)
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