Eine Ergänzung noch zur Stelle im Lukas und die Rede von den Armen. Diese Stelle als einen Aufruf zu materieller Armut zu lesen, ist lieber Christof in meinen Augen eine Fehlinterpretation. Zumindest sehe ich nicht, dass hier die Rede von materiellen Armen ist, die das Himmelreich erben. Gerade deshalb ist es sinnvoll die ausführlichere Stelle im Matthäus 5 (die Lukas hier nur verkürzt wiedergibt) nicht zu ignorieren. Denn sowohl der Kontext dort als auch die Formulierung der „geistig Armen“ zeigt, dass es hier eben nicht um materielle Armut geht, sondern um die Erfüllung eines bereits bestehenden Gedankens.
Ich denke der Verfasser dieser Jesusworte nimmt hier Bezug zu Jesaja 66,1-2. Hier finden wir den wesentlichen Gedanken, dass Gott keinen Tempel braucht, um verehrt zu werden (da er selbst Schöpfer von allem ist) sondern die wahre Verehrung in den Herzen der Menschen erfolgt. Und hier sind es eben jene, die nicht in selbstgerechter Frömmigkeit Gott huldigen, sondern jene, die „demütig und zerbrochenen Geistes“ sind.Also jene, die sich (nach christlicher Deutung) im Wissen um ihre eigene Unvollkommenheit nicht erhöhen, sondern sich in ihrer Verzweiflung ob ihrer Sünden demütig vor Gott niederwerfen. Und dann geht es eben auch bei Matthäus nicht um die materiell Armen, sondern um die geistig Armen, d.h. die Verzweifelten, die Trauernden, die nach Gerechtigkeit dürstenden – kurz um jene Menschen, die allein auf Gott schauen und sich ihrer Beschränktheit und ihrer Abhängigkeit bewusst sind, und die darum wissen, dass ihre Werke allein nicht ausreichend sein mögen, um das das Reich des Himmels, d.h. eine Zugehörigkeit zum Herrschafts- und damit auch „Schutzraum“ Gottes zu gewinnen. Für manche mag materielle Armut daher erstrebenswert sein, eine Notwendigkeit jedoch sehe ich nicht, solange das eigene Vermögen wie gesagt nicht im Vordergrund steht, sondern immer die Liebe zu Gott. Denn dann kann man mit seinem Vermögen auch viel Gutes tun…..