
Zitat von
digido
Täter und Opfer ziehen sich einander an. Das Opfer benötigt als Ausgleich eine Tat, die ihm schmerzt. Bewusst will das das Opfer natürlich nicht. Aber Schmerz entsteht ja erst durch den Widerspruch, der gleichzeitig Widerstand ist.
Der Täter allerdings handelt aus Motiven, aus denen er nicht handeln sollte. Deshalb wird er, wenn er später nicht freiwillig Gutes tut, selbst zu einem Opfer werden.
Ich danke dir für deine Erklärungsbemühungen. Ich gebe zu, die Vorstellung dass sich Opfer und Täter anziehen kann ich ihrem Inhalt nach zwar als Konstrukt nachvollziehen, allein seine Implikationen stoßen mir unangenehm auf. Nicht nur, dass man damit z.B. den Juden eine „Mitschuld“ am Holocaust zusprechen könnte, wenn man es zynisch formulieren möchte, würde aus den Verbrechen des Nationalsozialismus gewissermaßen eine „Massenerlösungsveranstaltung“, da hier gleich Millionenfach den Seelen der Opfer gegeben wurde, was sie unbewusst benötigt haben. Womit man Hitler und seine Gefolgsleute fast zu einem weiteren Christus stilisieren könnte, der um des Heils so vieler Seelen willen seine eigene Seele mit so viel Leid und Schuld belastet hat..
Aber ich gebe zu, das ist eher als ein emotionaler Widerwillen zu werten, ich würde ihm aber daher nur einen geringen argumentativen Wert beimessen.
Argumentativ aber habe ich dennoch ein Problem. Kann ein Mensch innerhalb eines Lebens einen Ausgleich schaffen indem er z.B. nach drei Vergewaltigungen 7,3 Kinder adoptiert und umsorgt? Wäre es also theoretisch möglich gewesen, dass Hitler – wenn er sich nicht umgebracht hätte und zum Gutmenschen geworden wäre – zu seinen Lebzeiten karmisch seine Verbrechen hätte aufwiegen können?
Wenn dies nicht der Fall ist, und die eigenen „Sünden“ in der nächsten Inkarnation aufgearbeitet bzw. gebüßt werden müssen, dann aber ergibt sich meiner Ansicht nach ein ähnliches Problem, wie ich es schon am Anfang der Existenz skizziert habe, als ich nach der ersten Ursache für Leiden gefragt habe. Denn wenn das Opfer nun als Ausgleich einen Täter braucht, ein Täter aber dadurch sein zukünftiges Schicksal als Opfer besiegelt, dann braucht der aktuelle Täter in seiner Zukunft als Opfer einen weiteren, zukünftigen Täter, der seinerseits wieder einen zukünftigen Täter benötigt…. usw. Wie aber könnte dies enden wenn nicht in einem auf die Zukunft bezogenen infiniten Regress?
Mit neugierigem Gruß
Lior
Es sei bitte berücksichtigt, dass meine Besuche zeitweise durch lange Pausen unterbrochen werden. Sollte ich also eine an mich gerichtete Frage überlesen, bzw. nicht unmittelbar beantworten, dann ist dies bitte nicht als Ausdruck des Desinteresses zu werten - ggf. hilft auch mal eine Erinnerung.
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