Wie aber unterscheidet man, was Wahrheit und was Interpretation oder Überlieferung, Übersetzung oder persönliche Sichtweise ist?
ich bin mir nicht sicher, ob es eine "absolute Wahrheit" also im Sinne von das ist 100%ig wahr und sicher in Glaubensfragen überhaupt gibt.
Du, net.krel. hast gefragt, wie ich darauf antworten würde.

Bei mir persönlich ist es, wenn ich so zurück blicke eigentlich meist ein Prozeß.

Mich interessieren Dinge, ich lese und forsche darüber, Suche Austausch (um nicht einseitig blind zu forschen) und dann irgendwann kommt oft eine Zeit, die ich "Flut" nenne. Irgendwann ist mein Denken mit Informationen, Texten und Gedanken voll. So voll, dass ich es von einer Art klärenden "Flut" innerlich fluten lasse, bewußt. Eine Zeit, wo ich abwarte, was (wenn die Flut sich zurückzieht) dann übrig bleibt. Dann höre ich zu und lerne, lerne was ich von all den Dingen (zu dem Thema, das mich über lange Zeit beschäftigt hat) wirklich glaube. Also eigentlich "klärt" diese Zeit der "Flut" Fragen oder gibt mir Frieden, etwas nicht zu verstehen. Und wenn klar ist, was ich von all dem Wissen und Gehörten am Ende in meiner Wurzel wirklich glaube, dann kehrt Stille darüber ein.
So lerne ich meist. Soll aber kein Patentrezept für andere Menschen sein.
Dinge, Aussagen oder Religionen, Traditionen, die am Ende eines solchen Lernprozesses nicht "übrig bleiben", wo Fragen keine Antworten finden oder wo ich nicht absolut ehrlich und aus meiner Seele heraus/oder Wurzel glaube, löscht die "Flut" vorerst oder auf Dauer.

Es ist sicher eine von Außen betrachtet, sehr seltsame Methode. Und doch ziehe ich auf diese Weise nicht am Grashalm, damit es schneller wächst, wie es in einem Sprichwort heißt. Es gibt für mich eine Zeit der "Forschung und der Suche", dann die "Flut", wo Wissen und Glaube geklärt und aussortiert wird (wo meine Seele/Wurzel eher zuhört und zusieht) und am Ende eine Zeit "der Ruhe", in der ich Neues in meine Wurzel oder meinen kleinen Baum einfügen darf, weil ich meist mit Freude diesen Prozess beenden kann.

Nur, und das will ich betonen, weil ich es aber dann nicht glaube oder es nicht verstehe, bedeutet das nie, dass ich Menschen, die solches glauben verurteile.
Im Gegenteil, denn ich glaube, dass es nur einen Ursprung aller Menschen gibt. Wie und was andere Menschen glauben und leben, darf und kann ich nicht im Innersten erkennen, denn jeder durchlebt sein eigenes Leben innere und äußere Prozesse und ganz eigene Verantwortlichkeiten.

@ net. krel

zu deinem letzten Text, darf ich noch eigene Gedanken dazu schreiben?

es ist auch für mich schwer, zu verstehen, wenn Menschen ihre Religion als "einzig wahre" aufstellen. Mir ist das so fremd und unverständlich. Doch was ich verstanden habe in all der Zeit über die Menschen ist vielleicht- sie glauben etwas, was ihnen gebietet oder sogar vorschreibt, andere Menschen ihre Religion oder ihre Sicht zu glauben. Oft entdecke ich dahinter dann eine wahre Angst um die "verlorenen Seelen der Ungläubigen" . Es muss schrecklich sein, ein solches inneres "Kampfleben" zu führen.
Ich sehe solche extremen Formen eigentlich in fast allen Religionen- manche missionieren und erschlagen mit Worten, brechen Kontakt ab, versuchen eine Art "insider" Religion aufzubauen. Andere töten aus gleichem Motiv "Ungläubige" auf offener Straße in Taten.

Es ist Angst? Oder Sehnsucht nach absoluter Sicherheit in Glaubensfragen? Gibt es ein "recht haben" in Glaubensdingen?

Christen mordeten in Kreuzzügen, muslimische Extremisten morden , israelische Könige und Oberhäupter zogen in den Krieg.
Propheten starben, ganze Völker wurden gejagt. Erst wurden die frühen Christengemeinden gejagt, dann die Juden- endlos und ohne Frucht.
Doch am Ende bleibt viel Hass, Leid und Trauer für alle.

(Buddhismus muss ich gestehen, kenne ich nur wenig.)

Ich weiß nicht, ob Menschen überhaupt Menschen belehren sollten oder dürften.( eher nicht nach meinem Glauben) Wenn ich nach dem Splitter im Auge meines Nachbarn immer wieder suche, dann erblinde ich nicht gerade deshalb dann viel zu schnell am eigenen Balken?

Nenne es "Karma" oder "Samen und Ernte" - es ist ein Lebensprinzip, das uns Menschen wachsen lassen soll. Verantwortung zu tragen für das Handeln, das Lernen aus Irrtum und erkennen, dass wir in unseren Nächsten ein Spiegelbild unserer eigenen Seele finden?
Doch aus meinem Leben weiß ich, wenn ich mich in Erklärungen flüchte oder sogar mich darüber ärgere, was der Andere so "falsch" sieht, dann flüchte ich vor mir selbst.
In jüdischer Überlieferung, in den Schriften Mohameds und in der Bibel der Christen überall gibt es die Erzählung der ersten Menschen. Die flüchteten in Erklärungen, Ausflüchte, ihre Fehler versteckten und sich so schwer taten. christlich der "Sündenfall in 1. Mose")

Symbole, Rituale, Traditionen ersetzen so oft in allen Religionen das, was uns, nach meinem Glauben, doch eigentlich so einfach verbindet mit unserem Ursprung.

Ein großes Thema, denn ich will weder jenen Traditionen oder Rituale nehmen noch anderen Menschen aufdrängen- traurig aber in meiner Seele, wenn dabei Streit, Krieg und Tod am Ende steht.

"Jesus"- das Kreuz, Geister, Wiederkunft, Rettung, Erlösung- liebe Christen, ich weiß, für euch zentrale Themen, und das findet meinen vollen Respekt.

Doch wie sollte ich "unter ein Kreuz flüchten", wenn ich nicht flüchte sondern Fehler bekenne?
Wie sollte ein Menschenopfer vor dem Menschenschöpfer erlösen, wenn Mord Leben, von ihm erschaffen, achtlos auslöscht?
Wie sollte mir der Tod eines Menschen voller Lehre und Liebe (wenn ich mich nicht irre) Freude geben, wenn ich jedes Leben achte.

Wie sollte ein Menschenopfer mir die Verantwortung abnehmen, um zu kehren und in seine Gemeinschaft zurück zu kehren, jeden Tag, denn für mich ist keine Trennung da?

Wovon wird eine Wiederkunft des Menschen/Propheten Jesus erretten?

@ net. krel du schreibst in Worten wie ein Kämpfer und ich lese, dass du es auf deiner Seele trägst. Ich lese viele Verletzungen, Kämpfe in deinen Worten. Ich wünsche dir Frieden in "deiner Wurzel" und Zeit, dich da in turbolenten Zeiten hin zurück zu ziehen.

entschuldigt die vielen Worte und Fragen, doch gerade diese Dinge bewegen mich wenn ich hier her komme sehr.

l firefly