Liebe Fischi, ich schrieb ja bereits: "Allerdings warum sollte ein Mensch nicht noch einmal eine Chance bekommen können. Z.B. Kinder, die keine Chance zum Leben hatten, unschuldige Opfer, etc. Ich Maße mir nicht an, Gottes Ratschlüsse zu kennen. Ich halte jedoch ziemlich viel für möglich. Deshalb ein ja."
Allerdings sind mir die "gängigen" Denkmodelle bisher nicht einleuchtend bzw. nicht tiefgehend genug.
Bezüglich deiner Nachfrage der Reinkarnation und Chassidismus, hier mal ein Wikipediaauszug: Der Begriff der Reinkarnation (hebräisch: גִלְגּוּל נְשָמוֹת = Gilgul Neschamot, kurz: Gilgul) taucht in der hebräischen Bibel (Tanach) nicht auf, wird aber an mehreren Stellen im Talmud durchaus kontrovers diskutiert und kann sogar als ein grundlegendes Element der Kabbala betrachtet werden.
Der Idee der Reinkarnation begegnet man vor allem in der jüdischen Mystik, so zum Beispiel in dem einflussreichen Sefer ha-Bahir („Buch der Erleuchtung“), das gemeinhin als das älteste Werk der jüdischen Mystik gilt und auf Rabbi Nehunja ben ha-Kana (einen Zeitgenossen von Rabbi Jochanan ben Sakkai im 1. Jahrhundert) zurückgehen soll, wahrscheinlich aber erst von Rabbi Jizchak Saggi Nehor („Isaak dem Blinden“) Anfang des 12. Jahrhundert verfasst wurde. Nach der Veröffentlichung des weitaus bekannteren Sefer ha-Sohar („Buch des Glanzes“) im späten 13. Jahrhundert wurde die Reinkarnationslehre für einige Zeit sogar Allgemeingut im (osteuropäischen) Judentum.
Ein bezüglich der Wiedergeburt geradezu klassisches Werk der Kabbala ist Schaar ha-Gilgulim („Tor der Reinkarnationen“) von Rabbi Isaak Luria (1534–1572), genannt Adoneinu Rabbeinu Jizchak (Akrostichon: ha-ARI = „der Löwe“), das die komplexen Gesetzmäßigkeiten der Wiedergeburt von 5 verschiedenen Seelenteilen beschreibt und außerdem die lebenslange Inkarnation (Gilgul) von der vorübergehenden Inkorporation einer fremden guten Seele (Ibbur) oder einer fremden bösen Seele (Dibbuk) abgrenzt. In diesem Werk bezieht sich Luria auch ausdrücklich auf bestimmte Textpassagen im Tanach.
Während viele (vor allem konservative und liberale) Juden heute die Idee der Reinkarnation nicht als Element ihres Glaubens ansehen, ist die Vorstellung der Wiedergeburt bei orthodoxen Juden (besonders bei den Chassidim) weit verbreitet. In manchen chassidischen Gebetbüchern (Siddur) findet sich beispielsweise ein Gebet, das um Vergebung für Sünden in früheren Inkarnationen bittet.
Diese geistige Nähe der Chassidim zum Konzept des Gilgul kann bereits auf den Begründer der chassidischen Bewegung Rabbi Israel ben Elieser (1698–1760), genannt Baal Schem Tow (Akronym: BeSchT), zurückgeführt werden. Martin Buber hat in seinen Werken Die Legenden des Baalschem sowie Die Erzählungen der Chassidim mehrere Geschichten von Baal Schem Tow gesammelt, in denen dieser ganz konkrete Fälle von Reinkarnation darlegt und erläutert.
Auf die näheren Hintergründe zur Thematik möchte ich jetzt persönlich nicht genau eingehen. Meine Gedanken dazu sind einfach noch nicht ausgereift. Zuviel ist mir innerlich noch unklar und zu verworren. Allerdings erscheint mir eins sehr deutlich, der Barmherzigkeitsgedanke Gottes reicht bei weitem weiter, als es unsere größte Vorstellungskraft auch nur erahnen könnte. Das ist der Grundgedanke der jüdischen Reinkarnationsvorstellung. Kein Automatismus, sondern ein Barmherzigkeitswirken Gottes.
Eventuell schaust du einmal selbst im Internet. Es gibt da sehr viel Diskussionsstoff unter Rabbinen. Ich für meinen Teil halte es so, ich möchte durch meine Gedanken nicht Gottes Wirkungsmöglichkeiten reduzieren. Deshalb kann ich sagen, ich halte es für möglich, ja für sehr wahrscheinlich, allerdings kann ich einen Automatismus nicht erkennen. Was mich persönlich betrifft, so kann ich mich nur auf das verlassen, was mir Gott zusagte. Und das schließt eine Reinkarnation meiner Seele eigentlich aus. Aber auch hier gilt, dass letzte Wort spricht Göttlichkeit (ein toller Begriff von M. Buber) und nicht mein begrenztes erfassen.
Absalom




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