Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. #1

    Standard Schopenhauer zum christlichen Glauben

    Philosophen haben in der Regel einen weiten, umfassenden und klaren Blick. Deshalb kann es von Nutzen sein, sich einmal damit zu beschäftigen, was diese zumchristlichen Glauben zu sagen haben.
    So erlaube ich mir, hier ein paar Auszüge aus Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" zu posten:


    Die Lehre von der Verneinung des Willens


    [Die Erbsünde]

    Daß demnach der Mensch schon verschuldet auf die Welt kommt, kann nur Dem widersinnig erscheinen, der ihn für erst soeben aus Nichts geworden und für das Werk eines Andern hält. In Folge dieser Schuld also, die daher von seinem Willen ausgegangen seyn muß, bleibt der Mensch, mit Recht, auch wenn er alle jene Tugenden geübt hat, den physischen und geistigen Leiden preisgegeben, ist also nicht glücklich. Dies folgt aus der ewigen Gerechtigkeit, von der ich §. 63 des ersten Bandes geredet habe. Daß aber, wie St. Paulus (Röm. 3, 21 ff.), Augustinus und Luther lehren, die Werke nicht rechtfertigen können, indem wir Alle wesentlich Sünder sind und bleiben, – beruht zuletzt darauf, daß, weil operari sequitur esse [Werke gehen aus dem Sein hervor], wenn wir handelten, wie wir sollten, wir auch seyn müßten, wie wir sollten....


    [Notwendigkeit der Wiedergeburt]

    Weil wir aber sind, was wir nicht seyn sollten, thun wir auch nothwendig was wir nicht thun sollten. Darum also bedürfen wir einer völligen Umgestaltung unsers Sinnes und Wesens, d. i. der Wiedergeburt, als deren Folge die Erlösung eintritt. Wenn auch die Schuld im Handeln, im operari [Werk] liegt; so liegt doch die Wurzel der Schuld in unserer essentia et existentia [Wesen der Existenz]], da aus dieser das operari nothwendig hervorgeht, .. Demnach ist eigentlich unsere einzige wahre Sünde die Erbsünde...


    [Der innerste Kern ist in allen Religionen gleich]

    Der innerste Kern und Geist des Christenthums ist mit dem des Brahmanismus und Buddhaismus der selbe: sämmtlich lehren sie eine schwere Verschuldung des Menschengeschlechts durch sein Daseyn selbst...
    Das Gesetz, ὁ νομος im biblischen Sinn, fordert immerfort, daß wir unser Thun ändern sollen, während unser Wesen unverändert bliebe. Weil aber dies unmöglich ist; so sagt Paulus, daß keiner vor dem Gesetz gerechtfertigt sei: die Wiedergeburt in Jesu Christo allein, in Folge der Gnadenwirkung, vermöge welcher ein neuer Mensch entsteht und der alte aufgehoben wird (d. h. eine fundamentale Sinnesänderung), könne uns aus dem Zustand der Sündhaftigkeit in den der Freiheit und Erlösung versetzen...
    so lange unser Wille der selbe ist, kann unsere Welt keine andere seyn
    . Zwar wünschen Alle erlöst zu werden aus dem Zustande des Leidens und des Todes: sie möchten, wie man sagt, zur ewigen Seligkeit gelangen, ins Himmelreich kommen; aber nur nicht auf eigenen Füßen; sondern hingetragen möchten sie werden, durch den Lauf der Natur. Allein das ist unmöglich.

    [Das Moralische]

    [Die Erbsünde] ist in Wahrheit die Bejahung des Willens zum Leben; die Verneinung desselben hingegen, in Folge aufgegangener besserer Erkenntniß, ist die Erlösung. Zwischen diesen Beiden also liegt das Moralische: es begleitet den Menschen als eine Leuchte auf seinem Wege von der Bejahung zur Verneinung des Willens, oder, mythisch, vom Eintritt der Erbsünde bis zur Erlösung durch den Glauben an die Mittlerschaft des inkarnierten Gottes (Avatars); oder, nach der Veda-Lehre, durch alle Wiedergeburten, welche die Folge der jedesmaligen Werke sind, bis die rechte Erkenntniß und mit ihr die Erlösung (final emancipation),*Mokscha, d.*i. Wiedervereinigung mit dem*Brahm, eintritt. Die Buddhaisten aber bezeichnen, mit voller Redlichkeit, die Sache bloß negativ, durch*Nirwana, welches die Negation dieser Welt, oder des Sansara*ist. Wenn*Nirwana*als das Nichts definirt wird; so will dies nur sagen, daß der*Sansara*kein einziges Element enthält, welches zur Definition, oder Konstruktion des Nirwana dienen könnte.


    [Die Mystik]

    In Uebereinstimmung mit allen diesen Betrachtungen (...) sehen wir alle Religionen, auf ihrem Gipfelpunkte, in Mystik und Mysterien, d.*h. in Dunkel und Verhüllung auslaufen, welche eigentlich bloß einen für die Erkenntniß leeren Fleck, nämlich den Punkt andeuten, wo alle Erkenntniß nothwendig aufhört; daher derselbe für das Denken nur durch Negationen ausgedrückt werden kann, für die sinnliche Anschauung aber durch symbolische Zeichen, in den Tempeln durch Dunkelheit und Schweigen bezeichnet wird, im Brahmanismus sogar durch die geforderte Einstellung alles Denkens und Anschauens, zum Behuf der tiefsten Einkehr in den Grund des eigenen Selbst, unter mentaler Aussprechung des mysteriösen*Oum.*– Mystik, im weitesten Sinne, ist jede Anleitung zum unmittelbaren Innewerden Dessen, wohin weder Anschauung noch Begriff, also überhaupt keine Erkenntniß reicht. Der Mystiker steht zum Philosophen dadurch im Gegensatz, daß er von Innen anhebt, dieser aber von Außen. Der Mystiker nämlich geht aus von seiner innern, positiven, individuellen Erfahrung, in welcher er sich findet als das ewige, alleinige Wesen u.s.f.

    Quietismus. d.*i. Aufgeben alles Wollens, Askesis, d. i. absichtliche Ertödtung des Eigenwillens, und Mysticismus, d.*i. Bewußtseyn der Identität seines eigenen Wesens mit dem aller Dinge, oder dem Kern der Welt, stehen in genauester Verbindung; so daß wer sich zu einem derselben bekennt allmälig auch zur Annahme der andern, selbst gegen seinen Vorsatz, geleitet wird.*– Nichts kann überraschender seyn, als die Uebereinstimmung der jene Lehren vortragenden Schriftsteller unter einander, bei der allergrößten Verschiedenheit ihrer Zeitalter, Länder und Religionen, begleitet von der felsenfesten Sicherheit und innigen Zuversicht, mit der sie den Bestand ihrer innern Erfahrung vortragen. Sie bilden nicht etwan eine*Sekte, die ein theoretisch beliebtes und ein Mal ergriffenes Dogma festhält, vertheidigt und fortpflanzt; vielmehr wissen sie meistenteils nicht von einander; ja, die Indischen, Christlichen, Mohammedanischen Mystiker, Quietisten und Asketen sind sich in Allem heterogen, nur nicht im innern Sinn und Geiste ihrer Lehren.

    Um so mehr beweist [der Mystiker] große, innere Uebereinstimmung, bei der Festigkeit und Sicherheit ihrer Aussagen, daß sie aus wirklicher, innerer Erfahrung reden, einer Erfahrung, die zwar nicht Jedem zugänglich ist, sondern nur wenigen Begünstigten zu Theil wird, daher sie den Namen Gnadenwirkung erhalten hat, an deren Wirklichkeit jedoch aus obigen Gründen nicht zu zweifeln ist. Um dies Alles zu verstehen, muß man sie aber selbst lesen und nicht mit Berichten aus zweiter Hand sich begnügen: denn Jeder muß selbst vernommen werden, ehe man über ihn urtheilt. Zur Bekanntschaft mit dem Quietismus also empfehle ich besonders den Meister Eckhard, die Deutsche Theologie, den Tauler, die Guion, die Antoinette Bourignon, den Engländer Bunyan, den Molinos*[Fußnote], den Gichtel


    [Der Katholizismus und der Protestantismus]

    Der Protestantismus hat, indem er die Askese und deren Centralpunkt, die Verdienstlichkeit des Cölibats, eliminirte, eigentlich schon den innersten Kern des Christenthums aufgegeben und ist insofern als ein Abfall von demselben anzusehen. Dies hat sich in unsern Tagen herausgestellt in dem allmäligen Uebergang desselben in den platten Rationalismus, diesen modernen Pelagianismus, der am Ende hinausläuft auf eine Lehre von einem liebenden Vater, der die Welt gemacht hat, damit es hübsch vergnügt darauf zugehe (was ihm dann freilich mißrathen seyn müßte), und der, wenn man nur in gewissen Stücken sich seinem Willen anbequemt, auch nachher für eine noch viel hübschere Welt sorgen wird (bei der nur zu beklagen ist, daß sie eine so fatale Entree hat). Das mag eine gute Religion für komfortable, verheiratete und aufgeklärte protestantische Pastoren seyn: aber das ist kein Christenthum. Das Christenthum ist die Lehre von der tiefen Verschuldung des Menschengeschlechts durch sein Daseyn selbst und dem Drange des Herzens nach Erlösung daraus, welche jedoch nur durch die schwersten Opfer und durch die Verläugnung des eigenen Selbst, also durch eine gänzliche Umkehrung der menschlichen Natur erlangt werden kann.*–*Luther*mochte, vom praktischen Standpunkte aus, d.*h. in Beziehung auf die Kirchengräuel seiner Zeit, die er abstellen wollte, ganz Recht haben; nicht aber ebenso vom theoretischen Standpunkte aus. Je erhabener eine Lehre ist, desto mehr steht sie, der im Ganzen niedrig und schlecht gesinnten Menschennatur gegenüber, dem Mißbrauch offen: darum sind im Katholicismus der Mißbräuche so sehr viel mehr und größere, als im Protestantismus. So z.*B. ist das Mönchsthum, diese methodische und, zu gegenseitiger Ermuthigung, gemeinsam betriebene Verneinung des Willens, eine Anstalt erhabener Art, die aber eben darum meistens ihrem Geiste untreu wird. Die empörenden Mißbräuche der Kirche riefen im redlichen Geiste Luthers eine hohe Indignation hervor. Aber in Folge derselben kam er dahin, vom Christenthum selbst möglichst viel abdingen zu wollen, zu welchem Zweck er zunächst es auf die Worte der Bibel beschränkte, dann aber auch im wohlgemeinten Eifer zu weit ging, indem er, im asketischen Princip, das Herz desselben angriff. Denn nach dem Austreten des asketischen Princips trat nothwendig bald das optimistische an seine Stelle. Aber Optimismus ist, in den Religionen, wie in der Philosophie, ein Grundirrthum, der aller Wahrheit den Weg vertritt. Nach dem Allen scheint mir der Katholicismus ein schmählich mißbrauchtes, der Protestantismus aber ein ausgeartetes Christenthum zu seyn, das Christenthum überhaupt also das Schicksal gehabt zu haben, dem alles Edele, Erhabene und Große anheimfällt, sobald es unter Menschen bestehen soll.


    [Der "alte" und der "neue" Mensch 2.Kor. 5,17]

    ...Behält man nun die Idee des Menschen im Auge; so sieht man, daß Adams Sündenfall die endliche, thierische, sündige Natur des Menschen darstellt, welcher gemäß er eben ein der Endlichkeit, der Sünde, dem Leiden und dem Tode anheim gefallenes Wesen ist. Dagegen stellt Jesu Christi Wandel, Lehre und Tod die ewige, übernatürliche Seite, die Freiheit, die Erlösung des Menschen dar. Jeder Mensch nun ist, als solcher und*potentiâ, sowohl Adam als Jesus, je nachdem er sich auffaßt und sein Wille ihn danach bestimmt; in Folge wovon er sodann verdammt und dem Tode anheimgefallen, oder aber erlöst ist und das ewige Leben erlangt.

    Zwischenüberschriften und das in [...] gesetzte, von mir.

    LG,

    Digido
    Geändert von Digido (12.09.2017 um 15:02 Uhr)

  2. #2

    Standard

    Ahh... das ist ja heute wie Ostern und Weihnachten zusammen :-) Grüß Dich Digido... freu mich sehr von Dir wieder zu lesen... mach ich gleich. Bin gespannt. Wollte Dich aber zuerst Begrüßen.
    lg Net.Krel

  3. #3

    Standard

    Zitat Zitat von net.krel Beitrag anzeigen
    Ahh... das ist ja heute wie Ostern und Weihnachten zusammen :-) Grüß Dich Digido... freu mich sehr von Dir wieder zu lesen... mach ich gleich. Bin gespannt. Wollte Dich aber zuerst Begrüßen.
    lg Net.Krel
    Hallo Net. Krel,

    Du machst mich ganz verlegen...Aber es freut mich ebenso wieder etwas von Dir zu hören. Bin ebenfalls schon gespannt.

    LG,
    Digido

  4. #4

    Standard

    Aber Du warst so lang weg Digido... warum? Die anderen auch alle....

    Ich hab sehr oft in sehr guter Erinnerung über Deine Beiträge nachgedacht (sie hallten mir bei manchen Situationen im "Ohr" quasi nach :-) )

    Ich hab den Shoppenhauer Text gelesen nun... war (für mich) teils wegen der "alten Sprache" - und weil "es" teils recht "komprimiert" war - etwas schwer zu lesen aber ging dann schon noch.

    Daß demnach der Mensch schon verschuldet auf die Welt kommt, kann nur Dem widersinnig erscheinen, der ihn für erst soeben aus Nichts geworden und für das Werk eines Andern hält.
    Ja das bringt die Sache mit der Erbüsnde imho gut auf den Punkt :-)

    "Herr... kam der Blindgeborene blind auf die Welt weil seine Eltern oder er gesündigt hatten? " ... unabhängig von der Antwort --> kann man das imho nur fragen wenn man Reinkarnation - zumindest aber die "Prä-Existenz" der Seele - potentiell in Betracht zieht.

    Der innerste Kern und Geist des Christenthums ist mit dem des Brahmanismus und Buddhaismus der selbe
    Meine Rede :-) :-)


    Der Protestantismus hat, indem er die Askese und deren Centralpunkt, die Verdienstlichkeit des Cölibats, eliminirte, eigentlich schon den innersten Kern des Christenthums aufgegeben und ist insofern als ein Abfall von demselben anzusehen.
    Und aber imho auch weil er die Fortführung des Opfertums sogar noch unterstrichen hat mittels dem Credo "...nur der Glaube allein an das [angebliche] Stellvertretendes-Sünden-Kreuzesopfer rettet... sonst [angeblich] nichts" ...

    Nach dem Allen scheint mir der Katholicismus ein schmählich mißbrauchtes, der Protestantismus aber ein ausgeartetes Christenthum zu seyn, das Christenthum überhaupt also das Schicksal gehabt zu haben, dem alles Edele, Erhabene und Große anheimfällt, sobald es unter Menschen bestehen soll.
    :-) das hätte auch von Nietzsche 'seyn' können :-)

    Was mir noch gefällt ist daß er das "Identitäts-Bewustsein" anspricht ... welches - wenn es zu "eng" ist - die eigentliche Sünde (=Trennung von Gott) ist und "das Leid" dann entpsrechend hervorbringt.

    Das würde ich dann auch so sehen.

    lg
    Geändert von net.krel (12.09.2017 um 18:08 Uhr)

  5. #5

    Standard

    Vieleicht noch ein Sache zum "Identitäts-Bewustsein" die mir heut Früh noch dazu kurz eingefallen ist.

    In der Regel betrachten wir Menschen und ja eben als "Mensch"... und wahrscheinlich die meisten Zeit als "körperlicher Mensch"... sprich wir identifizieren uns selbst vorrangig mit unserem phyiskalischen Körper.

    Als extreme Form dieser "Selbst-Identifikation" würde ich zB den Materialismus bezeichnen welcher den Menschen (also sich selbst) und alles was um ihm herum nur existiert und überhaupt nur existieren kann, aus kleinsten unteilbaren "Materie-Brocken" bestehend betrachtet (Atommodel).

    Es gäbe demnach nichts anderes Reales was Existiert als das... und das "Regelwerk" (also die phyiskalischen Gesetze) seien quasi "schon immer" da gewesen und bestimmen und regeln einfach alles.

    Unsere Gedanken und letztendlich unser "Ich Bewustsein" (was ich zB eher "Geist" nenne) sei demnach nichts weiter als das Verhalten nach exakt diesem Regelwerk, sprich: Das bio-chemische- und elektromagentische Verhalten von den Materie-Kleinst-Bausteinen.

    So etwas wie "Geist" oder "Immaterielles" gibt es demnach nicht.

    Hier wiederum wäre das medizinische Äquivalent dazu zB die "reine Schulmedizin"... also jene --> welche ausschließlich nur nach biologischen Ursachen im physikalisch/chemischen Haushalt des Körpers die Ursache "der Krankheit" sucht/behandelt und etwas anderes kaum bis erst gar nicht in Betracht zieht... das auch vehement nicht vorhat.

    Das wiederum führt dazu daß man "das [körperliche] Heil" bei Krankheit letztendlich in Pharmakologischen (oder ähnlichen "Materie-Only" Erzeugnissen/Therapien) sucht... es müsse nur zB die "richtige Tablette" (oder zB Strahlung oder "chemisches Mittel" etc...) endlich gefunden werden und dann... dann haben wir die Krankheit "beseitigt" und "den Kampf" gegen sie gewonnen. Dann erst kann man wieder endlich Gesund werden.

    Daß diese Rechnung jedoch in den allermeisten Fällen nicht auf geht zeigt uns der offizielle Medikamentenreport welcher jährlich erstellt wird von vielen "Gesundheits-Trägern" wie zB Krankenkassen und Pharmaherstellern... und aber imho auch persönliche Beobachtungen.

    Die Krankheiten werden dadurch statistisch keineswegs geheilt... sonst würden die Tagesdosen an Pharmaprodukten jährlich ja nicht stetig ansteigen.

    Diese jetzt grad mal nur in aller kürze dargestellte "medizinische Zwickmühle" läßt sich - imho - zurückführen auf das "Identitäts-Bewustsein".

    Zuerst identifiziert sich der Mensch als "reiner Körper"... und entsprechend dieser "Selbst-Definition" zieht es sich Rattenschwanzmäßig nach.

    Denn danach folgt unweigerlich der "materialistische Glaube" und dessen Weltansicht eben der Materialismus... und da passt natürlich am besten die "reine Schulmedzin" hinein welche ja auch ganz gemäß dem Materialismus aussschließlich nur biologische/phyiskalische Elemente des Körpers untersucht und erforscht und dort "Die Ursachen" sucht...

    Das wiederum führt zum "Pharma-ismus" (neue Wortschöpfung von mir grad eben Erfunden :-) ) welcher im Kern besagt: "Wir müssen nur die richtige "Tablette" oder "chenmisches Mittel" endlich (er)finden und dann haben wir "die Krankheit"... "besiegt". Dann haben wir die Fehlfunktion "der Natur" und/oder des Körpers berichtigt...

    Der Pharmaismus wiederum führt zu einer "Pseudomedizin" welche in den meisten Fällen nicht wirklich Heilung bringt sondern im besten Fall "Symtom-Behandlung" und in den meisten Fällen wohl eher "Symtom-Verschiebungen" oder schlichtweg "Symptom-Unterdrückung"... ansonsten sähe zB eben der jährliche "Medikamenten-Report" seit seiner Existenz anders aus...

    Eine Zwickmühle letztendlich.

    Dies alles gesagt... verhält es sich - imho - sehr ähnlich bzgl. auch dem "anderen Leid" was wir hier auf Erden immer und immer wieder beobachten oder gar selbst erfahren.

    In meinen Augen läßt sich "das Leid" ebenfalls auf eine zu begrenzte "Selbst-Identifikation" zurückführen und "das Heil" können wir - imho - nur dann finden wenn wir auch Bereit sind unsere "Selbst-Identifikation" zu erweitern.

    Wir müssen - in meinen Augen - deshalb die weit verbreitete Vorstellung aufgeben, daß wir "auschließlich" nur "körperlicher Mensch" seien.

    Und "Stück für Stück" anerkennen, daß der Kern, welcher uns ausmacht, geistiger - also immaterieller - Natur ist.

    Und daß - wie zB in der Physik - "die kleinsten Teilchen" und deren "Regeln" in Wahrheit die "grobe augenscheinliche Materie" maßgeblich und elementar bestimmen.

    Oder wie einer "meiner Liebingspyhsiker" es zu sagen pflegte in seiner Rede zu seiner Nobelpreisverleihung vor der Weltpresse als Fazit seiner Lebenslangen Forschung der Materie --> Max Planck --> Frei zitiert: "... denn ohne den Geist bestünde die Materie erst gar nicht".


    Wenn wir uns ausschließlich nur als körperliche Menschen identifizieren verschließen wir uns letztendlich genauso der Notwendigen Weitsicht bzgl. "unseres Heils" wie es - in meinen Augen zumindest - zB der Pharmaismus tut... samt seinem unbefriedgenden Ergebnis daß "das Leid" dadurch nicht wirklich "behoben" werden kann...

    Wenn wir uns - im Kern - als das betrachten was uns - in meinen Augen zumindest - maßgeblich ausmacht - eben "Immaterielles Bewustsein"... in einer von phyiskalischen Welt welche aber ebenfalls in ihrem Kern "rein aus Bewustsein" - also Geist - entstand und besteht.-.-. öffnen wir uns selbst immer mehr und mehr die imho noch weitläufig verschlossenen Türen zu einem erweiterten (und imho Notwendigen) Verständnis "der Dinge" inkl. die Ursachen "des Leides" auf Erden.

    zB würden uns die "geistigen Gesetze" intuitiv immer mehr und mehr einleuchten wie zB Karma alias Saat und Ernte... deshalb, weil wir aufgrund unserer "Selbst-Identifikation" nicht mehr dem Materialismus anhängen (können) für welchen "spirituelle Gesetze des Lebens/Gottes" ein allerhöchstens zB "interessantes Fremdwort/Philosophie" ist... und es dabei aber auch so bleiben soll.

    Ein guter Phyisker weis um die Gesetze der Atome und "Energie" Bescheid... nur deshalb haben wir den technischen Fortschritt erreicht auf welchen wir ja (imho: zu Recht) so stolz sind.

    Ebenso müssen wir aber - imho - auch um die geistigen Gesetze Bescheid wissen... ansonsten gleichen wir einem Phyisker welcher sich nicht für die Gesetze der atomaren Ebene sonderlich interessiert ... ja diese womöglich sogar noch ablehnt weil er sie weder mit seinem bloßen Auge noch mit seinen Gegenwärtigen Messinstrumenten "sehen" kann.

    Karma - bzw. Saat und Ernte - läßt sich imho nur vollständig nachvollziehen wenn gleichzeitig ein innerer Wandel der "Selbst-Identifizierung" einher geht... eben daß wir in unserem Kern - und der Kern der phyiskalischen Welt - reines nicht-Materielles Bewustsein sind.

    Also nicht nur eine Erweiterung unseres Selbst-Bildes sondern eine auch buchstäblich damit einhergehende Erweiterung unseres Weltbildes.

    Der Zustand unserer äußerlichen Welt hängt deshalb maßgeblich vom "Zustand" unseres Bewustseins ab... denn erst daraus entspringt ja "alles was um uns herum ist" <-- Letztendlich ist das - in meinen Augen - nur eine andere Formulierung von "Saat und Ernte" alias Karma.

    Ein weiterer wichtiger Punkt - welcher darauf basiert - ist die Lehre der Reinkarnation welche in ihrem Kern besagt daß wir erst dann in das Reich Gottes kommen können wenn wir "diese Welt" hier überwunden haben... ansonsten geht "es" genauso wenig wie ein Kamel durch ein Nadelöhr passt.

    Unter "die Welt überwinden" verstehe ich nicht nur belastendes Karma aus dem aktuellen und natürlich auch Vorleben zu bereinigen... besser gesagt: Die inneren Ursachen diesbzgl. zu finden und dann eben zu beheben...

    Sonden auch "das Wachsen" in der Selbstidentifikation... in der "Selbst-Erkennung"... denn solange man sich selbst vorwiegend zB als körperlicher Mensch identifiziert kann man "die Welt" nicht "überwinden" in diesem Sinne sondern man "haftet" an eben den weltlichen Dingen... sprich an der "Materie-Welt"... als dessen "Kind" man sich ja immerhin solange noch identifiziert.

    Jesus ist - wie man sagt - "in den Himmel aufgestiegen". Dieser "Aufstieg" geht imho nicht wenn man zB innerlich daran fest glaubt daß man vorwiegend ein sterblicher Mensch - gebunden an "Materie" - sei... sich also innerlich maßgeblich so identifiziert.

    Und im Gegensatz zu den meisten Christen betrachte ich Jesus nicht als stellvertretenden Sündenbock zur Sühne... wo der Glaube daran "der Fahrschein" in das Reich Gottes angeblich sei sondern daran daß Jesus uns als Beispiel gelten sollte... und man ihm deshalb auch "Nachfolgen" könne.

    Wie können wir Jesus nachfolgen in das Reich Gottes wenn man sich nicht selbst als Bestandteil Gottes Geist - als sein Kind/Tochter/Sohn - identifiziert so wie es Jesus ja auch tat...

    Der Geist Gottes ist die ultimative Schöpferkraft aus der alles Gestalt annimmt und entsprechend geformt wird... bis hin zur phyiskalischen Welt.

    Also ist auch unser Geist - unser Bewustsein - Schöpferisch und ist daran Beteiligt die phyiskalische Welt mit zu Formen. (Saat und Ernte) Und es hängt von Zustand unseres eigenen Geist ab was wir mit der von Gott geschenkten Schöpferenergie machen und wie der Zustand dieser Welt ist.

    Das zu glauben geht imho nur wenn man seine Selbst-Identifikation erweitert--> Im Kern: "Schöpferisches Bewustsein" von Gott "ins Leben gerufen" --> welches an der Formgebung "der Welt" durch das eigene Bewustsein unweigerlich beteiligt ist... nicht nur mit unseren phyiskalischen "Händen" sondern elementar vor allem durch unser Bewustsein durch welches ja erst alles seinen Bestand und Existenz für uns hat...

    Wenn wir die Schöpferkraft Gottes in dieser Welt missbrauchen - zB indem wir zerstörerisch handeln - so sind wir daran gebunden dies irgendwie früher oder später wieder gut zu machen... so verstehe ich zumindest "das Gericht"...

    Nach unseren Taten werden wir beurteilt... so lehrte es Jesus und auch Paulus an den entsprechenden Stellen wo es explizit um "das Gericht" geht.

    Und: Jeder wird mit dem Maß beurteilt welches er selbst anwendet(e)... gemäß des Gesetz Gottes von Saat-Ernte.

    So macht für mich die christliche Lehre Sinn...

    "Das Reich der Himmel ist gleich einem Sauerteig, welchen eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl verbarg, bis es ganz durchsäuert war." (Mt 13)

    Ein Wachstums-Prozess... ein "Weg"... die Anhängerschaft Jesus nannte sich damals "Nachfolger des [neuen] Weges", siehe Apostelgeschichte.

    In innerer Selbsterkenntnis (wir sind schöpferisches Bewustsein)...

    In den wahren Gesetzmäßigkeiten des Lebens=Gottes (zB Karma)...

    In der "praktischen Beherzigung/Umsetzung" dessen (keine schlechte Saat auf Erden säen... denn die Ernte ist unser und wir sind dafür verantwortlich... keiner nimmt uns unsere schlechte Ernte ab... auch nicht Jesus stellvertretend)

    Wichtig bei alle dem ist aber auch das Wachsen darin daß wir uns als "Schöpferische Wesen" identifizieren die nicht nur mittels ihren physikalischen Händen und Geräten sondern auch mittels jeden Gedanken Schöpferisch tätig sind... im Guten wie im Schlechten... bewust oder "Unterbewust"... allein diese (für mich -->) Erkenntnis kann imho schon einen Wandel bewirken die Welt zu einer besseren zu machen und gleichzeitig nicht auf Abwegen zu kommen auf unseren Weg ins Reich Gottes.
    Geändert von net.krel (13.09.2017 um 04:16 Uhr)

  6. #6

    Standard

    Zitat Zitat von net.krel Beitrag anzeigen
    Vieleicht noch ein Sache zum "Identitäts-Bewustsein"( ....) auf unseren Weg ins Reich Gottes.
    Hallo Net.Krel,

    den gesamten Text kann ich voll unterschreiben. Er könnte auch von mir sein. Ich selbst identifiziere mich immer mehr - was die Praxis betrifft (theoretisch weiß ich das ja schon lange) - mit meinem ewigen Wesen, um so freier von allen Anhaftungen an das Äußere, Materielle zu werden. Da auch alles Tun des Menschen darauf ausgerichtet ist, glücklich zu werden, gehe ich davon aus, dass ich bereits glücklich bin und das Glück gerade in der Freiheit von der Bindung an Objekte und Menschen besteht. Dadurch kommt man viel besser mit der Welt und auch den Menschen zurecht, da man nicht mehr so schnell eingeengt oder vereinnahmt wird. Alles wird lockerer.
    Da man so weniger Konflikte hat, wird man auch gesünder.

    LG,
    Digido

  7. #7

    Standard

    Zitat Zitat von net.krel Beitrag anzeigen
    Aber Du warst so lang weg Digido... warum? Die anderen auch alle....
    Ich hatte eine allgemeine Internetabstinenz. Ja, leider ist in der Zwischenzeit auch von anderen nicht mehr viel gekommen. Ich hatte auf letzten Beitrag(also vor meinem Fernbleiben) noch eine Antwort von Provisorium erwartet. Kam aber leider nicht.

    Ich hab sehr oft in sehr guter Erinnerung über Deine Beiträge nachgedacht (sie hallten mir bei manchen Situationen im "Ohr" quasi nach :-) )
    Das freut mich. Oft hat man das Empfinden, es bleibt nichts hängen von dem, was man tut.

    Ich hab den Shoppenhauer Text gelesen nun... war (für mich) teils wegen der "alten Sprache" - und weil "es" teils recht "komprimiert" war - etwas schwer zu lesen aber ging dann schon noch.
    Ja, mit der alten Sprache ist es etwas schwer. Aber wenn man einmal drin ist, merkt man, wie gut Schopenhauer schreibt und wie nachvollziehbar alles geschrieben ist. Ich habe das gesamte Buch "Die Welt als Wille und Vorstellung gelesen" und finde, dass man gerade als Idealist oder Esoteriker mit seinem Werk viel anfangen kann.
    Ja das bringt die Sache mit der Erbüsnde imho gut auf den Punkt :-)
    Ja, da wundert man sich, wie Theologen, Jahrhunderte danach, noch so großen Schmarrn über die Erbsünde zusammenfaseln könne!.
    "Herr... kam der Blindgeborene blind auf die Welt weil seine Eltern oder er gesündigt hatten? " ... unabhängig von der Antwort --> kann man das imho nur fragen wenn man Reinkarnation - zumindest aber die "Prä-Existenz" der Seele - potentiell in Betracht zieht.


    Meine Rede :-) :-)



    Und aber imho auch weil er die Fortführung des Opfertums sogar noch unterstrichen hat mittels dem Credo "...nur der Glaube allein an das [angebliche] Stellvertretendes-Sünden-Kreuzesopfer rettet... sonst [angeblich] nichts" ...


    :-) das hätte auch von Nietzsche 'seyn' können :-)

    Was mir noch gefällt ist daß er das "Identitäts-Bewustsein" anspricht ... welches - wenn es zu "eng" ist - die eigentliche Sünde (=Trennung von Gott) ist und "das Leid" dann entpsrechend hervorbringt.

    Das würde ich dann auch so sehen.

    lg
    Ja, Schopi ist ein echter Klarseher!

    LG,
    Digido


 

Ähnliche Themen

  1. Ist Esoterik ein Widerspruch zum christlichen Glauben?
    Von Lelia im Forum Glaubensfragen / Jesus / Gebete
    Antworten: 67
    Letzter Beitrag: 14.02.2012, 14:54

 Besucher kamen mit folgenden Begriffen auf diese Seite:

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •