Schönen guten Morgen,
firefly schrieb: ich bin mir nicht sicher, ob ich alles in deinem Beitrag verstanden habe @Provisorium.
"Faszinationserlebnis" deutest du als gemeinsamen Startpunkt für alle Glaubensformen?
Eine Art Schlüsselerlebnis oder was genau meinst du damit?
Glaube also startet in allen Glaubensformen ausschließlich mit einem solchen "Erlebnis" ?
Ausschließlich wäre sicher zuviel behauptet, aber in aller Regel geht dem Glauben durchaus ein "Faszinationserlebnis", respektive eine "Faszinationserfahrung" voraus. Das ist sogar wissenschaftlich innerhalb der Religionspädagogik erforscht worden und gilt als gesichert. Man setzte sich mit diesem Thema unter anderem deshalb auseinander, weil die Bibel diesbezüglich eine interessante Aussage trifft (Johannes 6,44a): Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat
Mit den Worten, "es sei denn, ihn ziehe der Vater", wird diese Faszinationserfahrung zum Ausdruck gebracht. D.h. irgendetwas muss die Aufmerksamkeit des Menschen auf das Religiöse, das Außergewöhnliche, den Glauben, oder Gott lenken, damit er sich für diese "Dimension" wirklich öffnen kann, oder besser, geöffnet wird. Tatsächlich gibt es in der Bibel zahlreiche Beispiele für dieses "Ziehen Gottes". Zum Beispiel Mose am brennenden Dornbusch, der seine Aufmerksamkeit nur deshalb auf den brennenden Busch lenkt, weil dieser brennt, aber nicht verbrennt. Oder auch Jesus selbst, der bei seiner Taufe den Himmel über sich geöffnet sah und die Worte hörte: du bist mein geliebter Sohn...
Selbstverständlich müssen es aber nicht solche krass außergewöhnlichen Ereignisse sein. Es reicht schon das Fasziniertsein von der Schönheit der Natur, das Ergriffensein von einem Musikstück, von Kunst, oder einem anderen Menschen. Oder wenn man Kinder beobachtet, dann kann man auch feststellen, dass sie ganz viele Faszinationserlebnisse machen - ja fast täglich. Das kann dann ein Insekt sein, das neugierig und mit Ausdauer beobachtet wird. Oder irgendein gewohnlicher Alltagsgegenstand, der mit viel Phanatsie eine ganz neue und ganz eigene Bedeutung in einem Spiel gewinnt. Ich kann mich z.b. heute noch stundenlang für eine Büroklammer begeistern und sie zu den unterschiedlichsten Formen zurechtbiegen....
Faszinationserfahrungen machen schlussendlich alle Menschen und auch wenn diese natürlich nicht ausschließlich in einem religiösen Kontext gedeutet und erfahren werden, wohnt ihnen doch das Potential inne, in dieser Richtung besondere Bedeutung zu gewinnen. Eigentlich irgendwie auch logisch, denn wenn es einen Gott geben sollte, was sollte dann eigentlich faszinierender sein....?
Ich hab' da noch ein Video für dich, falls du dir zu diesem Thema mal eine Vortrag von einem evangelischen Theologieprofessor anschauen möchtest:
LG
Provisorium
Geändert von Provisorium (24.07.2018 um 10:08 Uhr)
Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist. (Meister Eckhart)
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