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  1. #11
    Medina Gast

    Daumen hoch

    Zitat Zitat von absalom Beitrag anzeigen
    Hier einmal ein kleiner Einblick zur Thematik. Ursprünglich war die Fußwaschung Sklavendienst bzw. der Dienst der Dienerschaft an ihren Herren und Damen. Zugleich galt vor jedem Zutritt zum Tempel oder den Synagogen eine Fußwaschung als Pflicht. (Ein Brauch, der sich im Islam erhalten hat!)
    Auch vor bestimmten Festmählern war es gang und gebe, sich rituelle Reinheit auch an den Füßen zu verschaffen. So auch an Pessach, wo dieses Szenario Jochannesev. zeitlich beschreibt.
    Der Brauch des gegenseitigen Fußwaschens wurde z.B. bei den Essenern und auch Gruppen der Pharisäer praktiziert. Damit wollte man betonen, dass es keinen oberen oder unteren in ihrer Gemeinschaft gibt. Jeder dient jedem in gleicher Weise, war das Motto. Hintergrund der Fußwaschung Jesu dürfte genau dieses Motiv gestanden haben.



    Vgl. zu den jüdischen Waschungen A. Oepke, λούω. In ThWNT IV, 207-309; F. Hauck, R. Meyer, καθαρός. In:
    ThWNT III, 416-434. Die Waschungen waren abgeleitet von den levitischen Reinheitsgeboten und den
    priesterlichen Vorschriften (z.B. Lev 8,6; 16,4; Ex 40,31.32) und dann im Judentum gesteigert und ausgeweitet
    worden.
    Vielen Dank für deine Erklärung.

    Mit herzlichen Grüßen
    Medina

  2. #12
    manlovi Gast

    Standard

    Hallo Medina,
    Deine Frage ist gut und offensichtlich hast Du schon eine Antwort erhalten, die Dich überzeugt, obwohl darin nicht auf die "höheren und niederen" Lebensformen eingegangen wird. Aber die historischen Fakten ließen sich besser in Dein Weltbild einfügen, als der Gedanke, dass es hierbei um einen Dienst an der Gemeinschaft gehen könnte. Ich liefere keine neuen Fakten, sondern ein paar Aspekte, die mir beim Lesen des Textes wichtig wurden.

    Jesus, der Sohn Gottes, war ein Mensch und als solcher hatte er auch mit Emotionen zu kämpfen. Er wußte, seine Sterbestunde rückte näher, Judas würde ihn ausliefern; es war das letzte Abendmahl. Er empfand etwas, nämlich dass er

    Joh 13
    1 die Seinigen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende


    Vielleicht ist das eine Situation, die wir auch erleben können. Bevorstehender Abschied. Hast Du Dich schon mal von einem geliebten Menschen trennen müssen? Zu wissen, dass man gehen muss, die geliebte Person zurücklassen muss, das ist zunächst ein schmerzliches Gefühl. Und in diesem Bewußtsein tat Jesus etwas in absoluter Autorität. Während des Essens


    3 steht [Jesus], wissend, daß der Vater ihm alles in die Hände gegeben, und daß er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe,
    4 von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich.
    5 Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit welchem er umgürtet war.


    Ich denke, dass ist noch ein bißchen mehr als "die Praktizierung eines jüdischen Rituals". Ohne Frage handelt er hier nach dem Prinzip eines "sehr gut verbürgtem jüdischen Glaubensverständnis", denn er war ja Jude und seine Jünger auch. Warum sollte er auch plötzlich in einer Weise zu ihnen sprechen, die sie nicht verstanden hätten? Sie hatten ja schon genug Schwierigkeiten, ihm zu folgen.

    6 Er kommt nun zu Simon Petrus, und der spricht zu ihm: Herr, du wäschest meine Füße?
    7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach verstehen.


    Diese Situation des "Nichtwissens der Jünger" kommt mehrfach vor im Neuen Testament, denn Jesus spricht hier auf ein Wissen an, das außerhalb ihrer Erfahrungswelt liegt. Sie kennen nur die sie umgebende Materie und die vorhandenen gesellschaftlichen bzw. kulturellen Verhältnisse.

    Deswegen finde ich Deine Frage ja so gut. Sie bringt gute Frucht hervor. Kommt es nun vorwiegend darauf an, dass wir uns unserer "Gleichwertigkeit" bewußt werden? Wir wissen ja jetzt, dass dieser jüdische Brauch betonen sollte, "dass es keinen oberen oder unteren in ihrer Gemeinschaft gibt. Jeder dient jedem in gleicher Weise, war das Motto." Aber so ganz reibungslos ist es ja scheinbar nicht abgelaufen. Es folgte ein Gespräch, in dem Petrus sich gegen die Fußwaschung sträubte und Jesus wieß ihn darauf hin, dass Petrus es zulassen sollte, damit er von Jesus lerne, denn er sei einer der Berufenen, die es ihm gleich tun sollten.
    Petrus empfängt hier also einen Liebesdienst seines Herren und das soll ihn befähigen, Liebe weiterzugeben. Man braucht nicht viel Phantasie um zu sehen, dass dieses Prinzip auf allen möglichen Beziehungsebenen funktioniert. Was wir empfangen, können wir weitergeben. Aus dem Sohn, der von seinem Vater geliebt wurde, wird ein Vater, der seinen Sohn liebt. Wenn die Oma der Enkelin liebevoll das Stricken beibringt, bekommt sie dafür eventuell einen Kuss - irgendwann. Somit wage ich zu behaupten, dass die Botschaft, die Jesus an Petrus und an die anderen Jünger hatte, auf uns übertragbar ist. Petrus geht sogar soweit zu sagen: Herr, dann will ich alles von dir lernen, weil ich dich so sehr liebe und alles so machen will, wie du.

    9 Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt.
    10 Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle.


    Damit deutet er natürlich den Verrat durch Judas an, der ja in diesem Moment noch anwesend ist.

    Du schriebst:
    "Wenn die Pflanze denken könnte, müßte sie dem Stein danken dafür, daß er den Boden hergibt, auf dem sie ein höheres Leben führen kann"
    Ich finde das interessant und frage mich gerade, ob Judas die Pflanze oder der Boden war. Oder anders gefragt: Ist ein gutes Fundament nicht wichtig?

    Jesus weiß also, was geschehen wird und er nutzt ein jüdisches Ritual, um die frohe Botschaft zu verkünden. Er unterweist seine Jünger in ihren Dienst, rüstet sie aus für ihre zukünftige Tätigkeit.

    12 Als er nun ihre Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wiederum zu Tische und sprach zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch getan habe?
    13 Ihr heißet mich Lehrer und Herr, und ihr saget recht, denn ich bin es.
    14 Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen.
    15 Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, auf daß, gleichwie ich euch getan habe, auch ihr tuet.
    16 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer, als der ihn gesandt hat.
    17 Wenn ihr dies wisset, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.


    Du schriebst:
    "Mit voller Demut neigt sich Christus herunter zu seine Aposteln und sagt: Ihr seid mein Boden, an euch erfülle ich den Satz: Derjenige aber, der sein will der Erste, der muß der Letzte sein, und derjenige, der sein will der Herr, der muß der Diener aller sein."

    Ich weiß nicht, vielleicht fällt es dir nicht auf, aber hier gibt es eine Verschiebung. Den späteren Apostel hat Jesus immer eine wichtige Rolle zugewiesen. Sie sollten lernen, einander in Liebe zu dienen und dabei erkennen, dass sie von ihrem konventionellen Weltbild ablassen mußten, um die "göttliche Hierarchie" zu erkennen, die, die glückselig macht. Somit war "aktives Umsetzen" verlangt - also Wachstum.

    19 Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, auf daß ihr, wenn es geschieht, glaubet, daß ich es bin.
    20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, wen irgend ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.


    Das ist vielleicht so, als würde man einem Grundschüler die Photosynthese detailliert erklären wollen und am Ende sagen: "Nicht so schlimm, wenn du jetzt nicht alles verstanden hast. Irgendwann lernst du das noch in der Schule." Und dann, wenn er es dann wirklich lernt, hilft ihm die Erinnerung an die Worte von einst.

    Nachdem Judas hinausgegangen war, sagte Jesus, dass der Menschensohn nun verherrlicht sei und dass Gott nun in ihm verherrlicht sei und er gab den Jüngern ein neues Gebot:

    34 Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebet, auf daß, gleichwie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet.
    35 Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.


    Die Fußwaschung ist also three in one (=freedom):
    ein alter, jüdischer Brauch
    Symbol für "Gleichheit unter den Menschen"
    ein neues Gebot

    Shalom

    manlovi


  3. #13
    Medina Gast

    Daumen hoch

    Hi manlovi,



    das hast du sehr schön fomuliert. Wie du es geschrieben hast, läßt sich erkennen, das du dir sehr viel Mühe gemacht hast und du dieses Thema ernst nimmst. Danke für deinen Beitrag.

  4. #14
    manlovi Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Medina Beitrag anzeigen
    Hi manlovi,



    das hast du sehr schön fomuliert. Wie du es geschrieben hast, läßt sich erkennen, das du dir sehr viel Mühe gemacht hast und du dieses Thema ernst nimmst. Danke für deinen Beitrag.
    Danke Gott!

  5. #15
    Medina Gast

    Beitrag

    Zitat Zitat von manlovi Beitrag anzeigen
    Danke Gott!
    So schwämerisch bin ich nicht, daß ich Gott danke wegen deinen Beitrag. Schließlich hast du als Mensch den Beitrag geschrieben und nicht Gott.

  6. #16
    manlovi Gast

    Standard

    Ups - jetzt hab ich vergessen, Dich zu zitieren. Naja, ich gehe nicht nochmal zurück!

    Natürlich habe ich als Mensch den Beitrag getippt, Du hast Recht. Aber die Botschaft ist nicht von mir - ich erhebe keinen Anspruch darauf - so meinte ich das und so gibt es mir die Freiheit, Gott zu danken. Es freut mich, dass der Beitrag Dir gefallen hat. Du setzt immer interessante Threads ins Forum - Themen, die nachdenklich stimmen. Somit gilt mein Dank auch Dir (und Gott).
    Amen?


 

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