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Thema: vom erkennen

Baum-Darstellung

  1. #4

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    Lieber Herold, der beste Bauer taugt nicht, wenn der Boden schlecht ist. Auch die beste Praxis hilft da nicht, es sei denn man bedient sich der Chemiekeule oder der Genmanipulation. Doch dazu muß man schon wieder chemische Kenntnisse besitzen.

    Du kannst es nennen wie du willst, Wissenschaft und Glaube schließen sich nicht zwangsläufig aus, sondern können sich sehr wohl ergänzen. Oder wollen wir zurück zur Bildungsfeindlichkeit des Frühmittel- bis hin zum Spätmittelalter? Wo Menschen blind glaubten was ihnen gesagt wurde, weil sie des Prüfens nicht mächtig waren? Wollen wir zu Ackerbau und Viehzucht der Antike zurück?

    Herold, es ist nun einmal so, das Praxis etwas mit Erfahrung zutun hat und theoretische Erfahrungen haben nicht zwangsläufig etwas mit Praxisunerfahrenheit zutun, ganz im Gegenteil. Jede Wissenschaft braucht empirische Messgrößen für seine Berechtigung und das hat sehr viel mit Praxis zutun. Auch und gerade in den Geisteswissenschaften.

    Du beklagst dich über Bibelkritik, über die Gegenüberstellung von historischen Fakten und Bibelaussagen. Es gäbe diese nicht, wenn es keinen Grund dafür geben würde. Und so kann man sich drehen und wenden wie man will, ist nur ein angeblich „göttliches Wort“ falsch, so steht die Frage der Göttlichkeit zur Disposition oder aber das Schriftgut, welches diesen Anspruch für sich einnimmt. Und es ist nun einmal so, z.B., Pilatus war nie Prokurator und wird es auch nie sein, ob nun man nun das N.T. für göttlich inspiriert hält oder nicht, er war eben nur Präfekt. Und schon stehen die Kritiker da und fragen zu Recht, Gott wusste das nicht?
    Eine Frage drängt sich dabei auf, warum hat Gott „seine Worte“ nicht selbst aufgeschrieben, wenn dies für ihn solche Priorität hätte, um jeglichen zweifelsfreien Irrtum, jeglicher Falschübersetzung, jeglicher Falschinterpretation, jeglicher theologischen oder jeglichem sog. Geistoffenbaren – was schon zu seltsamsten Blüten führte – entgegen zu wirken? Nicht einmal bei den 10 Geboten gibt es eine gleich lautende Überlieferung.


    Wenn Gott uns Erkenntnis hätte geben wollen, dann müssten wir mit dessen „Augen“ schauen, müssten wirklich bis in die letzten Konsequenzen erkennen können was Gut und Böse im Sinne Gottes ist, müssten die Welt, ja das Universum in seinen Gesetzmäßigkeiten erfassen und vor allem begreifen können. All das können wir nicht und deshalb ist all unser Erkennen nur ärmliches Stückwerk und unser Erfassen subjektive Annahmen. Nicht mehr und nicht weniger. Das sagt aber über das wirkliche IST nichts aus. Und was wirklich IST, das hat Gott uns eben nicht gesagt, deshalb machen wir seid Jahrtausenden so weiter wie bisher und deshalb ist die Menschheitsgeschichte auch immer gleich geblieben, trotz edelster Vorsätze und Gebotsvorlagen. Und auch die Fragen und Antworten haben sich seid den letzten 5000 Jahren kaum verändert.

    Wenn wir davon ausgehen würden, dass die „Bibel“ Gottes Wort ist, so reduziert sich die Bibel selbst auf ein Minimum (ca. 15%) von Aussagen. Denn in der Bibel finden wir historische Berichte, sind das Gottes Worte?; wir finden Gebete von Menschen zu Gott, aufrichtige und unaufrichtige, sind das Gottes Worte?; wir finden Klagen von Menschen an Gott, ernsthafte und unernsthafte, sind das Gottes Worte?; wir finden Dialoge zwischen verschiedenen Menschen, sinnige und unsinnige, sind das Gottes Worte?, wir finden Monologe von Menschen, philosophische und schwachsinnige, sind das Gottes Worte?; etc.

    Die Definition, was „Gottes Worte“ sind und was nicht, wird ziemlich breit angelegt und so wird selbst Menschenwort zu „Gottes Wort“ erhoben und „Gottes Wort“ zum Menschenwort deklassiert.
    Wenn also die „Bibel“ und das N.T. als „Gottes Wort“ angesehen wird, dann muß man faktisch jeden Buchstaben als göttlich betrachten, jedes Wort als Gottgegeben ansehen. Damit ergibt sich allerdings auch die Frage, inwieweit darf man diesen Gottgegebenen Worten nicht gehör schenken, oder gar die Anmaßung besitzen für sich zu wählen was gültig ist und was nicht, es sei denn man versetzt sich in den Stand „Gottes Worte“ nach eigenem Ermessen einzusetzen oder außer Kraft zu setzten.

    Ich wäre da ziemlich vorsichtig, "alles und jedes" inklusive aller Schimpfwörter, Verfluchungen, Horrorgeschichten, Unwahrheiten, etc, etc, als "Wort Gottes" darzustellen und wortwörtlich nachzuäffen oder genau so wieder zu geben! Leider geschah dies in der Geschichte viel zu oft.

    Was glaubst du, wer trägt die Verantwortung dafür, dass immer mehr Menschen – auch Christen diesem Buch nur noch wenig Aufmerksamkeit schenken? Die Kritiker, oder die, welche nicht in der Lage sind dort Dinge einzugestehen, wo es offensichtlich den gegebenen Realitäten widerspricht?

    Eventuell werden andere Generationen allein schon am Maßstab der Geschichte erkennen, dass dieses Buch Segen und Fluch bedeuten kann, je nach Leseweise und verantwortungsvoller Umsetzung, was allein in sich schon Reflektion und kritisches Lesen voraussetzt und keinen Buchstabengehorsam. Die Praxis Herold, ja die Praxis hat gezeigt, wie in den letzten 2000 Jahren diese Schriften genutzt wurden. Ich nenne es Blutacker.

    Absalom
    Geändert von absalom (23.03.2009 um 00:20 Uhr)


 

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