O Herr,
wenn du nicht bei uns bist,
dann fahren wir in einem Boot in dunklen Nächten auf den See hinaus,
den See der Ängste und des wirren Denkens,
und fischen mit den selbstgeknüpften Netzen nichts.
Und Trauer legt sich über uns,
weil wir so hilflos sind und gar nichts können.
Doch in der Morgendämmerung stehst du am Ufer,
immer wieder, wenn wir am ärmsten sind
und unsere Kissen nass von Tränen,
und uns die Leere fast verschlingt.
Du bittest uns, noch einmal unser Netz zu werfen
und unser kleines Tun zu wagen,
wo alles ohne Hoffnung scheint.
Jetzt aber bist du bei uns,
wenn wir fischen in all den kleien Bächen unserer Tage,
und unser Netz wird voll,
so voll, dass es zerreißen will.
Vorüber ist die Nacht, weil wir dir trauen,
und wunderbar sind wir von dir beschenkt.
Irmgard Hess





Lesezeichen