Angesichts dieses Thema zu Jesus möchte ich einige Gedanken zusammenstellen, welche ich schon anderen Ortes äußerte. Aber ich denke, sie fassen das ganz wesentliche zusammen.
Ist der Glaube an einen Messias – wem auch immer - wirklich relevant und hat der historische Jesus sich so verstanden wissen wollen?
Nein es ist nicht wichtig, nicht einmal relevant. Selbst in den Aussagen Jesu wird das ganz klar deutlich. In der Nachfrage nach den wichtigsten Dingen spricht Jesus weder von sich, noch vom Messias, sondern von Gott, Liebe, vom Herzen, von Nächstenliebe etc.
- Lukas 10,25-28: Da kam ein Gesetzeslehrer und wollte Jesus auf die Probe stellen; er fragte ihn: »Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« 26 Jesus antwortete: »Was steht denn im Gesetz? Was liest du dort?« 27 Der Gesetzeslehrer antwortete: »Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller deiner Kraft und deinem ganzen Verstand! Und: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!« 28 »Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. »Handle so, dann wirst du leben.«
- Matthäus 19:17 "Er aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut denn der einzige Gott. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote." Lukas 18,19 Jesus antwortete: Warum nennst du Mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen.
Ich weiß nicht woran es liegt, dass wir immer wieder alles Mögliche vorschieben, um die direkte Konfrontation mit Gott zu vermeiden. Das wir nicht in den inneren Kreis seiner Gemeinschaft zu uns Menschen eindringen wollen, um Dessen persönliche Gegenwart auf uns wirken zu lassen, Dessen Erkenntnisse für unser ganz persönliches Leben mit IHM /IHR vergegenwärtigen wollen, welche ganz sicher nicht immer gängigen Glaubensansichten entsprechen (siehe Propheten). In die Wolken der Urabsichten Gottes eindringen wollen, wie es einst Jesus tat, um dessen Urabsichten gegenwärtig werden zu lassen (Martin Buber).
Warum beschränken wir unseren Horizont auf uralte Schriftworte und wagen keinen Blick zu Gott, auch wenn dies sicher nicht so einfach ist, wie uns Religionen erklären wollen?
Brauchen wir Erwachsenen wirklich Gesalbte, Messiasse, Erlöser, Propheten, Verkünder und Vorbilder, welche uns sagen und zeigen müssen, was wichtig ist und was nicht, was wir brauchen und was nicht? Oder sollten wir nicht selbst diese Gesalbten, Erlöser, Messiasse, Propheten, Vorbilder, etc sein? Ich glaube zu wissen, dass sich Jesus so verstanden wissen wollte. Ihm etwas gleich zutun bedeutet allerdings nicht ihm gleich zu sein, was einem Nachäffungszustand gleich käme. Es bedeutet seinen Platz in dieser Welt einzunehmen, so wie Jesus seinen Platz einnahm und dort zu wirken, wie es Gott von einem Jeden ganz individuell und persönlich verlangt.
Mir ist schon bewusst, viele Menschen brauchen gerade das, Kreuze, Blut, Tempel, Reliquien, Messiasse. Gott ist für diese so weit entfernt, dass sie Brücken brauchen um überhaupt Zugang zu Gott zu finden. Es scheint sich in den letzten 6000 Jahren nur sehr wenig auf diesem Sektor verändert zu haben.
Natürlich stehen in den hebräischen Überlieferungen (Tanach) nichts von einem Lammmessias und auch nichts von einer Vergeistigung der Gottesherrschaft bis hin ins Mirakelhafte und auch nichts davon, dass ein Messias Gott faktisch in seinen „Funktionen“ ablöst und auch nichts von einem bösen Oberengel Namens Satan und,… und natürlich lässt sich relativ leicht nachweisen, woher solches Sinnesgut kommt aber ich denke mir oft, Gott weiß darum und Gott sieht in welchen geistigen Umnachtungszustand wir uns alle – alle Menschen – inkl. mir natürlich befinden. Aber es ist nicht so, dass Gott dies so nicht wöllte, nein, er hat uns Grenzen gesetzt und diese zu akzeptieren ist wohl unendlich schwierig für uns. Und manchmal erlaubt uns Gott eventuell einen Blick hinaus aus diesem Dunstkreis unsers Daseins und doch sind wir darin gefangen.
Religionen und ihre Systeme sind Antworten auf diesen Dunstkreis und auch die Tanach ist so ein Dunstkreis, welcher dem N.T. nicht selten das Wasser reichen kann.
Es ist nun einmal so, entweder stellt sich der Mensch ganz persönlich seinem Gott und tut das was er erkennt, oder er lässt es und lässt Gottesvorstellungen durch heilige Büchlein, Religionen, Reliquien, Symbole, etc, etc auf sich einrieseln und einwirken. Am Ende wird nichts davon übrig bleiben, dann, wenn wir diesem Unvorstellbaren Gott gegenüber stehen. Gott hat nämlich keine Religion, keine heiligen Büchlein, Reliquien, Kreuze, Sterne oder sonst etwas. Und wenn ich nichts weiß, aber das weiß ich ganz sicher, Gott ist Barmherzig mit uns Dunstkreisziehern, Mirakelmachern, Umnachteten und Himmelsguckern.
Das Tragische ist allein, das sich Menschen von Menschen für menschliche Religionssysteme Instrumentalisieren lassen und aus dieser Instrumentalisierung heraus zur Unmenschlichkeit mutieren – im Namen Gottes. Das ist wahrlich schlimm und historische Realität aller Religionen und ihrer Anhänger und diese sind schon von daher der Unwahrheit gestraft, nämlich im Sinne Gottes zu agieren oder diesen Gott und dessen Anliegen gar zu repräsentieren. Es ist einfach eine Selbstlüge – sehr menschlich eben.
Ich denke für mich persönlich, Gott hat mich z.B. zum Studium der sog. heiligen Schriften animiert mit dem letztendliche Fazit, ich bin genau so schlau wie vorher – ich weiß Gott ist da. Das ist die Summe aller Erfahrungen, nicht mehr und nicht weniger. Ganz nüchtern betrachtet.
Ich weiß mittlerweile vieles über Religionen, wie sie funktionieren, kenne die menschliche Religionsgeschichte ebenso gut (würde ich jetzt behaupten), kenne ziemlich gut verschiedenste Schriften über und zu Gott und manche sogar, die behaupten, sie wären von Gott. Als Summe dieses Wissens kann ich zusammenfassen, die Grundfragen der Menschheit nach Gott haben sich seit den letzten 6000 Jahren nicht verändert und auch nicht die menschlichen Antworten dazu. Das wurde mir erst vor ein paar Tagen sehr deutlich, als ich ein sehr bemerkenswertes wissenschaftliches Buch über Vergleichsreligionen zum Christentum las. Das „Christentum“ mit seinen religiösen Inhalten gab es bereits schon vor 6000 Jahren und danach immer wieder in neuen Fassetten. Die Namen haben sich verändert, sicher, und im Zuge der Entwicklungsgeschichte wurden die Ansichten und Erkenntnisse umfangreicher und vor allem multikultureller aber im Wesentlichen ist es doch immer das Gleiche. (Buchtitel: Der gehenkte Gott)
Hat Kohlet recht(?):9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen, / was man getan hat, wird man wieder tun: / Es gibt nichts Neues unter der Sonne.
10 Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: / Sieh dir das an, das ist etwas Neues - / aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.
11 Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren / und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben / bei denen, die noch später kommen werden.
Ja offensichtlich ist es so und es scheint wie ein endloser Kreislauf zu sein.
Neulich las ich ein Gebet: „Heil dir Königin des Himmels, heil dir König des Himmels. Heil dir Herrin und Herr der Engel. Geehrt seist du, Quelle und Tor, Ursprung des Lichtes dieser Welt. Ich bitte dich um Segen und Heilung für die Welt. Bitte, heile die Kranken und Verwundeten, lass die Sterbenden sanft dahinscheiden und in deinen liebevollen Armen Frieden finden. Gesegnet bist du Göttin gesegnet bist du Gott.“
Man könnte meinen dieses Gebet stammt aus der Bibel – Parallelen gibt es genug - oder gar von Christen aber dieses Gebet stammt aus Summer 4000 v.Chr. und wurde auf einer Keilschrifttafel in den 80`er Jahren bei Ausgrabungen gefunden und dann übersetzt. Was lehrt dieses Gebet uns? Die Sorgen und Nöte, die Vorstellungen von Gott und die Hoffnungen auf Ihn hin haben sich kaum verändert.
Als ich dieses Gebet las musste ich daran denken, dass wir Menschen uns im Wesentlichen immer im Kreis drehen und lediglich dort enden, wo wir den Schlusspunkt von Gott gesetzt bekommen. Und es scheint Gott zu gefallen, dass muss man akzeptieren oder eben kapitulieren.
Es hilft nichts, wie Martin Buber einst sagte, die Wolke beleibt letztlich vor unserem Angesicht verschlossen und wer darin eindringt, der kommt nicht mehr zurück, um uns zu sagen Was Wie ist. Und so schaue ich wie Pinchas Lapide einst sagte: „auf meine Füße, auf das ich nicht das zertrete, was Gott vor meine Füße gelegt hat“. Und weiter sagte er: „Wenn Jesus der kommende Messias ist, dann Gott sei Dank, ich freue mich drauf. Bis dahin habe ich allerdings noch eine Menge in Sachen Gott zu erledigen.“
Absalom



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