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Hybrid-Darstellung

  1. #1

    Standard

    Lieber Origenes, sehr aufmerksam, habe ich deinen Text gelesen.

    Ich möchte dazu noch einiges anführen. Im Wesentlichen schließt sich diese „Offenbarung“ des Priesters Johannes Greber einem sehr weitläufigen antiken apokalyptischen Schriftgut an. Das betrifft den Inhalt gleichermaßen wie dessen Aussagestil. Ich verweise hier einmal auf die Henoch- und Eliasapokalypse, als bekanntestes Schriftgut dieser Sparte. Auch die theologischen Inhalte sind ziemlich deckungsgleich. Es ist mir von daher schon sehr vertraut. Natürlich findet sich auch im sog. neutestamentlich anklingenden Schriftumfeld – Apokryphen – auch wesentliches zum Thema.
    Als nüchternen Wissenschaftler entdecke ich in dieser „Offenbarung“ des Priesters Johannes Greber alle wesentlichen Stilelemente und Aussagen aus besagter Literatur. Denn Begriff Offenbarung möchte ich jetzt bewusst nicht gelten lassen, da es sich aus religionswissenschaftlicher Sicht nicht um wirklich neue Erkenntnisse handelt, sondern mythisches Überlieferungsgut.


    Diese Darstellungen sind also keines Wegs neu und unbekannt und prägten ziemlich einflussreich die sog. Dämonologie des Christentums. Die Ursprünge dieses „Erzählgutes“ gehen – rein wissenschaftlich betrachtet – auf altägyptisches und babylonisches Erzählgut zurück, welches in der Frühantike – durch den Hellenismus aufgegriffen wurden und neu interpretiert wurden = Fall des Olymp. Insbesondere der Osirismythos und im Anklang dazu der Mithrasmythos spielt hier eine ganz wesentliche Rolle. Genau dort finden sich ganz ähnlich Gestaltungsmotive wieder, welche dann in weiteren Mythen (Dionysios, Herakles, Attis, etc) neu ausgestaltet wurden. Eine Buchempfehlung sei hier angebracht: Der gehenkte Gott von Erich Zehren! Erich Zehren zeigt die tief greifenden Zusammenhänge der antiken Kulte zum spiritistisch – christlichen Religionsbild überaus fachkundig und schonungslos auf und belegt durch umfassendes Quellstudium die Religionsgeschichtliche Entwicklung dieser Kultverschmelzungen. Des Weiteren verweise ich gerne noch auf David Flusser und seine Bände: Entdeckungen im Neuen Testament, wo er gleichsam die deutlich Verbindung des N.T. zum Kulturgut der Antike fachgerecht belegt. Insbesondere der sog. „Satansglaube“ wird hier entsprechend beobachtet.

    Klar muß man sagen, dass dem Judentum diese Ansichten nicht fremd sind und gerade die Kabbalistik greift aus dieser apokalyptischen Tradition einiges auf und sucht nach Antworten auf existentielle Fragen nach dem Woher und Wohin. Auch der Chassidismus hat ganz wesentliche Elemente übernommen und muß auch als Mysteriengruppierung verstanden werden.

    Ich persönlich habe selbst sehr lange diesem Thesengut nahe gestanden, insbesondere der Ansicht vom Erstgeborenen und Zweitgeborenen (Christus / Satan). Allerdings hat sich seit einigen Jahren dieses Bild grundlegend gewandelt und ist mittlerweile nicht mehr Bestandteil meiner Erkenntnis. Nach meinem logischen und mystischen Verständnis war mir dieses Erklärungskonstrukt einleuchtend und erfassbar. Allerdings weiß ich heute, das die Sachlage weit aus komplexer und zugleich wesentlich umfassender ist, als es diese Erklärungsmodelle beschreiben können. Auch hier könnte ich jetzt auf die Kabbalistik verweisen, welche zugleich auch von der Dualität Gottes spricht (Gut und Böse), was insbesondere im Neuplatonismus / Hellenismus ebenso ein wesentlicher Fakt ist.

    Das, das N.T. dieses Gedankengut aufgreift und verarbeitet ist für mich nicht ungewöhnlich, da dieses Literaturgut ganz wesentlich vom Neuplatonismus und Hellenismus und zudem Qumran (hier besonders das Johannesschriftgut und Paulus) beeinflusst sind. Auch im damaligen Judentum war insbesondere durch den Philophilosophismus sehr viel mythisches Gedankengut im Judentum sesshaft geworden.
    Als ganz hervorragendes Beispiel sei hier die sog. Versuchung Jesu angeführt, welche redaktionell belegbar mehrfach überarbeitet wurde und im Verlauf von ca. 150 Jahren zur mythisch – mystischen Erfahrung umgestaltet wurde. Schaut man sich den Textgehalt alter griechischer Texte an und vergleicht diese mit dem 3. – 4. Jahrhundert kann man geradezu exemplarisch diese Inhaltsumformung belegen.

    Noch ein Wort zu Jesus. Dass auf ihm eine besondere Salbung lag nehme ich an und doch weiß ich für mich auch, dass diese weder einzigartig bei einem Menschen in seiner Wirkungsweise war noch, dass diese sich im Lehrgut besonders bemerkbar machte. Da ich ziemlich gut das antike jüdische Lehrgut kenne, welches ein größeres Spektrum hatte als hinlänglich mit Rabbinismus benannt, ist Jesu Lehrgut in seiner Quelllage sehr gut nachvollziehbar und sogar mit dessen Ursprungsautoren gut zu benennen. Das Jesus darüber hinaus eine besondere Bedeutung gewann liegt nicht in seiner Lebensbiographie begründet, sondern einzig in der Auferweckung von den Toten. Hier erst wird auch für die Jünger dieser Auferweckte zu einem besonderen Glaubenspol und Glaubensfokus. In der Apostelgeschichte wird dieser Punkt im sog. ältesten Credo der Urgemeinschaft belegt: Gott hat ihn zum Gesalbten / Messias gemacht. (Ältestes Credo = ältestes Glaubensbekenntnis zu Jesus – Ursprungsüberlieferung, welche Textmäßig aus der Frühzeit am häufigsten belegt ist)
    Hier trennt sich erstmals für die sog. Jüngerschar der lebendige Jesus vom auferweckten Christus = Gesalbten. Christus wird als kommender Messias – der sein Reich bald aufrichten wird angesehen. Eine überaus jüdische – wenn auch im Wesen pharisäische und qumranisch geprägte – Ansicht.


    Dass ist die Akzeptanz und der Respekt, den ich mir wünsche...
    Ich bemühe mich darum.

    Ich sehe es so: Selbst wenn ich irre, wie die Mehrheit derer, die ich in meinem privaten Leben kenne, meint, so schadet es nicht, so durch dieses Leben zu gehen, dass man nicht noch einmal kommen müsste, um Fehler zu beheben...

    Soll ich aufhören, "gut" zu sein, nur um mir Ärger mit denen zu ersparen, die nicht gut sind?
    Ich finde deine Einstellung wirklich in Ordnung. Man sollte zu seinen Überzeugungen stehen und gerade dann auch, wenn sie nicht Mehrheitskonform sind. Mehrheiten sagen nichts über den „Wahrheitsgehalt“ aus.

    Liebe Grüße

    Absalom
    Geändert von absalom (28.09.2009 um 17:13 Uhr)

  2. #2

    Standard

    Da ist viel neues für mich dabei. Ich kann noch nicht alles einsortieren, aber lese interessiert mit.

    Mir gefällt die Art wie man hier mit unterschiedlichen Meinungen umgeht. Das ist auch völlig neu für mich. Einfach angenehm das so erfahren zu dürfen.


 

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