Einen herzlichen Sonntagmorgen-Gruss an Alef - und alle anderen
Habe ich dich recht verstanden: Das Gewicht / das Ziel der Berufung und Erwählung Israels liegt im "Ein-Gott-Glaube". Warum war (oder ist) der Glaube an einen Gott so wichtig? - Kann man daraus den Schluss ziehen, dass alle Menschen - wenn alle nur einen Gott / folglich alle denselben Gott haben - zugleich alle an die Einheit glauben / sich die "Einheit von Allem-was-ist" zur Ausgangslage ihres Strebens, ihrer Entscheidungen und ihres Handelns setzen? War es das, worin das erwählte Volk versagte, dass die Israeliten statt die verschiedenen Strömungen als Einheit oder als zur Einheit gehörend zu betrachten, die Andersgesinnten und das ihnen Fremde als falsch im Sinne von verkehrt / sündig betrachteten und diesen Anteilen am Leibe der Menschheit feindlich begegneten? - Haben sie den Kampf um die Einheit, den sie im Geiste, also in ihrem Inneren hätten austragen sollen, nach Aussen verlagert und irrtümlich Tod und Verwüstung über diejenigen gebracht, die sie hätten im Sinne der Einheit und aus der Einheit der Liebe heraus leiten sollen (richten im Sinne von Richtung geben)? - Ging das Herz der Erwählten darin "immer in die Irre", dass es im Kampf um die Einheit nach Aussen gerichtet war und sie im Kampf um die Einheit nicht in ihrem Inneren mit sich selber rangen ums Annehmen, ums Verstehen, um die demütige Einsicht, dass äussere Missstände die Folge und der Spiegel ihrer eigenen unreifen Haltung war, die nach Veränderung schrien? - Hat also das Volk Israel / in der Verwechslung der Richtung den Inneren Sinn des Wortes Gottes missverstanden, nämlich dass sie die Richtung verwechselt haben, indem sie Sein direktes Wort immer auf "die Anderen", die Aussenstehenden münzten? Erkannten sie darum "Meine (Gottes) Wege nicht, so dass ihr Herz immer in die Irre ging", und hat ihnen Gott darum "in Meinem (Seinem) Zorn geschworen: Sie sollen nicht in das Land Meiner Ruhe kommen?"
Unterläuft uns selber dieser Irrtum nicht auch ständig: dass wir den Ratschlag Gottes (z.B. in Bibelzitaten, die wir aus einem inneren Impuls erhalten), stets ausschliesslich auf "die Anderen", unseren Widersacher oder Kontrahent beziehen, anstatt das Wort Gottes zuerst auf mich / sich selber zu beziehen und es im eigenen Kontext zu verstehen?
Wie halten wir Christen es heute im Glaubenskampf? Verlagern nicht auch wir noch immer (und immer wieder neu) unsere inneren Kämpfe nach Aussen - oder schaffen wir es, die äusseren Kämpfe auf die innere Ebene zu verlagern, wo dann die äusseren Feinde - auch die Hunde und die Schweine - plötzlich zu unseren "eigenen Hausgenossen" werden, nach dem Worte des Propheten Micha: "jeder hat die eigenen Hausgenossen zum Feind," oder Jesus: "die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein." ? (Matth. 10,36). Wenn das Ganze so aufzufassen wäre, hätten dann nicht auch wir Christen in derselben Sache versagt wie unsere Mutter Israel?
Alef, mir scheint, du hast mich ein Stück weitergebracht in meiner ersten Fragestellung. Mögest du Segen dafür ernten, dass du mir ein fruchtbringender Gesprächspartner bist.
Was meinst du - Alef - (was andere Leser) zu meiner errungenen Sichtweise?