Ein Morgen
Guten Morgen, du Langschläfer,
wische dir den Sternenstaub aus den Augen,
streife die bunten Traumfetzen ab,
mit denen die Nacht dich noch zu fesseln versucht.
Tauche mit allen Sinnen ein
in das Kaleidoskop dieses pastellfarbenen Morgens.
Behutsam umspielt der Morgen dich
mit dem schimmernden Grau einer kostbaren Perle.
Wie ehrlich ist der Morgen!
Mit dem fröhlichen Gesang seiner gefiederten Freunde
hebt er dich sanft vom bloßen Sein ins Bewußtsein.
Er geleitet dich sanft aus dem betäubenden Reich
seiner Schwester, der Nacht, er lässt deine Sinne erwachen
und dich fühlen, dass du lebst,
bevor der dich seinem hektischen Bruder, dem Tag, überlässt.
Murre ihn nicht an, Langschläfer, erkunde seine Gegenwart,
wenn er sich noch in weiße Schleier hüllt,
schaue auf die Millionen Tautropfen,
die er schwenderisch verstreute.
Atme tief seinen Duft ein, diesen unvergleichlichen Duft
eines erwachenden Morgens.
Nichts kommt ihm gleich.
Er hält sich sanft zurück, der Morgen,
er drängt sich Dir nicht auf, Langschläfer.
Mit stiller Würde versieht er die undankbare Aufgabe,
Vermittler zwischen Tag und Traum zu sein.
Gerd Böge
Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. Psalm 63, 8
Lesezeichen