Das nun nicht, da ich bisher (und wie ich hoffe auch in Zukunft) nur eine Ehe hatte und habe, aber vielleicht darf ich dennoch was sagen. ^^
Man kann natürlich fragen, ob eine Ehekonzeption der damaligen Zeit auf die kulturellen und sozialen Gegebenheiten der heutigen Lebenssituation überhaupt sinnvoll angewendet werden kann. Aber sofern man sich den Text eine solche Ausführung nicht historisch-kristisch reflektiert, sondern rein wörtlich sich anschaut.... Matth. 5, 27f und Matth. 19, 1f wird im allgemeinen als recht deutliche Aufforderung bzw. Position gegen Ehescheidung verstanden. Zusammen mit der Klarstellung, das sexueller Verkehr außerhalb der Ehe Hurerei darstellt und zusammen mit dem Umgang mit Unzüchtigen im 1. Kor 5 bleibt mit Blick allein auf den wörtlichen Text m.E. wenig Raum für einen anderen Schluß, als dass Ehebruch konsequent ausgeschlossen ist und Ehebrecher als Sünder zu gelten haben und damit aus der Teilhabe am Reich Gottes ausgeschlossen sind. (Die Radikalität dieser Ablehnung zeigt sich ja auch in Jesu Worten, dass man besser sein Auge herausreißen solle, als der Sünde des Begehrens einer anderen Frau zu verfallen – was meines Wissens nach aber kaum wirklich wortwörtlich umgesetzt wurde)
Wenn man also nichts weiter berücksichtigt als die Schrift, ist der einzige begehbare Weg ein Leben in lebenslanger Trennung bei gleichzeitigem Verzicht an jedweder Sexualität. Insofern könnte m.M.n. der Betroffene theoretisch eine platonische Partnerschaft mit der neuen Dame eingehen, nicht jedoch eine Ehe oder Geschlechtsgemeinschaft. (Ob es klug wäre sich dieser Versuchung auszusetzen, ist ein anderes Thema.)
Natürlich kann man annehmen, der gütige Gott macht ab und an mal eine Ausnahme von seinen Gesetzen. Aber bedeute das nicht auch, dass diese nicht vollkommen wären? Und konsequent zuende gedacht, was folgte daraus? Könnte dann nicht auch z.B. eine geschwisterliche Lebensgemeinschaft berechtigt (und womöglich wahrhaftig) behaupten, sie hätten im Gebet von Gott das OK bekommen, weil er hier aus seiner Gnade eine Ausnahme macht? Sprich wenn Ausnahmen von Gottes Gesetz gemacht werden, und allein Gott über Recht und Unrecht befindet und im Gebet der Betroffenen sein OK gibt, kann dann nicht (fast) jede Sünde legitimiert sein? Was machen Christen dann mit einem Glaubensbruder, der bezeugt im Gebet von Gott das Ok für eine Vergewaltigung seiner Schwester bekommen zu haben? Natürlich mag es auf den ersten Blick abwegig sein, eine Wiederheirat aus Liebe mit Vergewaltigung zu vergleichen. Aber beides ist nach der Schrift Unzucht, und wenn Gott allein über Recht und Unrecht einer solchen Sünde befindet, wie könnte man dann dem Bruder hier mit Konsequenzen drohen?
Das kann nun nüchtern betrachtet vieles bedeuten. Angefangen von Wunschdenkem und Schön(ein)reden, bis hin dass die Schrift doch nicht so eng ausgelegt werden muss oder im extremen überhaupt keinen Stellenwert hat vor Gott. Ich jedenfalls wüsste, wie ich mich an der Stelle deines Freundes entscheiden würde. Und daher wünsche ich ihm für die Zukunft alles Gute, und dass er mit seiner neuen Liebe das Glück einer erfüllten Partnerschaft finden mag.
Lieben Gruß
Kaspar




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