Hi liebe firefly

Zitat Zitat von firefly Beitrag anzeigen
auch wenn ich schon älter bin, und mich von mehreren Menschen schon verabschieden musste in meinem Leben, finde ich es gut und heilsam, dass du dieses Thema hier eröffnet hast.
Manchmal helfen Worte, um zu verarbeiten und wirst hier sicher nicht allein bleiben in deiner Trauer und deinen Gedanken.
Das macht ja nix das du älter bist. Jeder der möchte darf hier mitschreiben... der Tod oder Verlust eines Menschen kann jeden Treffen. Es stimmt was du sagst... mir hilft es sehr über das was ich die letzten zwei Wochen erlebt habe zu reden/ zu schreiben. Das muss raus...wenn ich das mit mir selbst ausmache und es in mich rein fresse dann endet das nie gut. Und was mir auch sehr hilft ist das Gefühl mit der Trauer nicht alleine zu sein. Das wäre das aller schlimmste für mich.. ich brauche das gerade sehr. Das Gefühl das da Menschen um mich sind die mich verstehen und mich auffangen. Auch wenn es meine Oma nicht wieder lebendig macht oder den Schmerz nicht wegnimmt entlastet es mich aber, meine Gefühle offen zeigen zu dürfen.

Als ich das erlebte, was du vor wenigen Tagen erlebt hast, war ich 12 Jahre alt.
Das erste Mal den Menschen, den man liebte, der wie ein Anker in der unruhigen Welt wirkte, leblos zu sehen und auf einer Wiese zu begraben... riß mir die Füße weg.
Bis jetzt hatte ich das Glück noch nie direkt damit in Berührung gekommen zu sein. Es gibt da zwei Ausnahmen... als ich 13/14 war starb eine Person die ich aus dem Internet kannte und sehr mochte. Das hat mich als Teenager voll fertig gemacht. Heute sehe ich das mit anderen Augen...denn ich weiß ja nichtmal ob diese Person wirklich real war. Und dann gab es 2011 noch jemanden, eine gute Freundin meiner Mutter, die an Krebs starb. Das war schlimm...aber ich merke das es jetzt, wenn es jemanden betrifft dem ich wirklich nahe stand, etwas ganz anderes ist..
Also ich muss sagen das Verstreuen auf der Wiese war für mich auch das schlimmste und makaberste was ich bisher in meinem Leben gesehn habe..
Und es ist so seltsam... das es kein Grab gibt. Aber meine Oma wollte es so. Aber mein Opa hat den Stein, der mit dem Verstorbenen im Sarg liegt bei der Verbrennung, in den Garten gelegt. In die Hand eines Buddhas... meiner Oma ihr Lieblingsort im Garten. Im Alter liebte sie plötzlich Buddhas, im ganzen Haus mussten die stehen :) und das wird auch unser "offizieller Trauerort" sein, da im Garten. Obwohl man immer und überall an einen geliebten Menschen denken kann oder mit ihm reden kann, ist es doch iwie für alle wichtig einen offiziellen Ort zu haben. Ich dachte zuerst das wäre nur ein Verhalten von mir...aber ich merke das es wohl für alle Familienmitglieder wichtig ist...

Im Laufe meines Lebens "verlor" ich mit der Zeit nun schon einige Menschen, die mir eine Narbe im Herzen hinterließen.Mal war ich geschockt, weil es so plötzlich war, manchmal war ich dabei und sah, wie nach langer Krankheit eine Art Erleichterung auf dem Gesicht der Sterbenden lag.
Ich brauchte Jahre, um das Grab meines Sohnes nicht mehr täglich mit Windspielen, Blumen und Tränen zu besuchen.
Als mein Mann mit einem Herzinfarkt in den Op gebracht wurde, viele Jahre später, erfasste mich immer noch die gleiche Angst und Panik vor dem Abschied.
Oh nein :/ das tut mir von Herzen Leid. Darf ich fragen an was dein Sohn gestorben ist? Das unterscheidet natürlich meine Oma von deinem Sohn z.B.
Sie war alt und krank, hat ihr Leben gelebt. Wenn jemand schon sehr früh stirbt ist das nochmal schlimmer finde ich..

Ich sehe den Tod nicht mehr, wie als Kind damals als "Feind, der liebe Menschen stielt". Aber Trauer fühlen und durchleben bleibt uns nicht erspart, denn wie sonst könnten wir von Menschen, die wir liebten, Abschied nehmen?
In mir gibts da zwei Seiten. Das eine ist die realistische und vernünftige Seite. Diese Seite weiß dass es für meine Oma gut so war. Sie war alt und krank, hat sich die letzten 2 Jahre sehr gequält, besonders die letzten Wochen ging es ihr immer schlechter. Der Tod war für sie eine Erlösung und iwo freue ich mich auch für sie das sie sich jetzt nicht mehr quälen muss.
Die andere Seite ist das verletzte und verlassene Enkelkind, das einfach nur traurig ist das ein so wichtiger Mensch jetzt für immer weg ist. Und ich merke, ich habe so Phasen. Mal ist es okay und ich komme ganz gut klar, dann bin ich wieder so traurig das ich mit niemandem mehr reden will. Und dann bekomme ich ne Wut auf den Tod. Es wechselt sich immer so ab.

Ich wünsche dir Zeit zum Trauern, zum Erinnern an das Geschenk, das diese Menschen (deine Omi) hier im Leben war und mit dir Zeit verlebte.
Helfen werden dir meine Worte wohl weniger, aber vielleicht das Wissen, dass du nicht allein bist und das all diese Gefühle und Gedanken gut und wichtig sind, um Trauer zu leben und zu verarbeiten.

lg firefly
Danke firefly :) der Austausch tut mir sehr gut.

LG Thalestris