Liebe Tamara,

was soll ich dir darauf antworten?

„Hat Johannes einfach etwas für seine Zwecke geändert? (1)
Haben Übersetzer etwas geändert? (2)
Ist das NT überhaupt von Gott inspiriert? (3)
Deine Sicht dazu wird mir nicht ganz klar.“ (4)

Gut, fangen wir mal bei Frage 1 an:

Die Schreiber, es waren mehrere (!) des Johannes haben sich verschiedenster literarischer Quellen aus dem antiken Schriftgut bedient! Dies wurde dann auch stilistisch dem Anliegen der Schrift angepasst. So auch der Eingangsprolog.

Zu 2: Was die Übersetzer der Schriften getan haben oder nicht getan haben steht bei dieser Frage auf einem anderen Blatt. Es sei jedoch angemerkt, dass bis zum heutigen Tage die Texte verändert werden. Heute nennt man dieses Faktum = Revidierungen oder revidierte Ausgaben, welche so, ca. alle 10 Jahre erscheinen, egal welcher christlichen Bibelausgabeanstalt. (revidierte Luther, Elbefelder, Einheitsübersetzung oder sonst was).

Zu 3: zur Inspiration einmal ein kleiner Überblick:

Diese Lehre wird unterschiedlich interpretiert. Gemäß der Lehre der Verbalinspiration wird der Wortlaut der Bibel selbst als von Gott inspiriert angesehen, während aus Sicht der Realinspiration ein offenbarter göttlicher Sachverhalt (z.B. eine Prophetie oder eine Gotteserfahrung) in menschliche Worte gefasst worden ist.

Die Realinspiration geht davon aus, dass der Empfänger der göttlichen Botschaft nach besten Wissen und Gewissen die Botschaft in menschliche Worte kleidet, um seinen Hörern verständlich zu machen (z.B. himmlische Visionen oder Gleichnisse). Zugleich wird die Bibel als Geschichtsbuch angesehen, dass historische Ereignisse wiedergibt und aus der jeweiligen Sicht der Geschehnisse, diese erzählt. Also ein Buch von Menschen für Menschen, der auch Gottes Willen für den Menschen zum Ausdruck bringen kann aber nicht zwangsläufig muss (siehe dazu Paulus, der klar diese Sichtweise vertritt, ganz im Sinne der jüdischen Schriftauffassung).

Die Lehre der Verbalinspiration wurde innerhalb der so genannten lutherischen Orthodoxie entwickelt, um das protestantische Schriftprinzip (sola scriptura) abzusichern, was bereits bei antikem Schriftgut üblich war. Sie drang im Rahmen der Neuscholastik auch in die katholische Theologie ein, wird aber heute im Wesentlichen nur noch von Evangelikalen und Sondergruppen vertreten. Verbalinspiration bedeutet allerdings nicht, dass die Bibel ein Diktat ist, bei dem die menschlichen Autoren bloße, willenlose Werkzeuge Gottes waren, sondern sie betont, dass die Hl. Schrift selbst (nicht bloß die Autoren - in der Regel aber unter Einbezug des Elementes der Personalinspiration - und auch nicht bloß einige Ideen und Inhalte) inspiriert ist, also auf das Wirken des Geistes zurückzuführen ist, aufgrund dessen man die ganze Hl. Schrift verbum Dei (Wort Gottes) nennen muss.


Für mich ist das Neue Testament nur sehr bedingt inspiriert, da es keinerlei Hinweise dazu gibt. Auch spricht die Entstehungsgeschichte der neu testamentlichen Literatur diesbezüglich nicht gerade für sich, was uns nur all zu gut überliefert ist.


Zu 4: Ich hatte es eigentlich schon erklärt. Wenn man schon philosophisches Schriftgut zitiert, dann sollte man das im Sinne des Autors tun und nicht im Sinne der Zitierer. Es wäre das selbe, wenn ich eine x beliebige Geschichte mir heraussuche, die gut in mein Konzept auf Grund der Wortwahl passt und doch zugleich den Inhalt der Geschichte so verändere, dass sie der eigentlichen Autorenschaft widerspricht.


Abschließend zu deiner Aussage: „Das sind einige Dinge, die das Verständnis Jesus=Gott auf jeden Fall zulassen. Ich verlange von niemandem, das für sich zu übernehmen. Aber ich würde mir doch unbeddingt wünschen, dass es als absolut mögliches Bibelverständnis akzeptiert und toleriert wird.“

Man kann alles und nichts in die Bibel hineininterpretieren, zu Lehren formen und dogmatisieren. So vielfältig und in sich Fassettenreich ist dieses Buch. Man kann sogar eine jegliche Bibelstelle mit einer anderen widerlegen, auch das lässt die Interpretation zu. Das hat dann in der Tat etwas mit Verständnis zutun.

Man könnte all deinen „wichtigen Ausführungen“ gegensätzliches entgegenstellen. So z.B. deiner Interpretation von Thomas und ganz gegenteilig die Aussage Jesu: „Was nennst du mich gut, es gibt nur einen der gut ist, das ist Gott.“ Noch klarer der ganze Logoshymnus, wenn ich ihn so interpretieren würde, wie es eigentlich dem Autoren dieses Prologs im Sinne war. Gleiches gilt für das Sohnverhältnis, welches nun wirklich ausführlich ein Paulus abgearbeitet hat und noch mehr der Tenach. Ganz zu schweigen von den vielen Schöpfungsteilnehmern, die locker und leicht laut Tenach auf weit über 10000000 und noch mehr beziffert werden könnten.

Ich möchte es dabei belassen. Es führt einfach zu nichts.

Samu