Lieber Eispickel, da du mich persönlich ansprichst möchte ich mich deiner Nachfrage stellen.

Wie wollt Ihr weiterfahren?
Bis her dachte ich, ich bin ziemlich Vorsicht an den Dialog mit Christen heran getreten. Habe versucht Hintergründe aufzuzeigen, um ein Verstehen meiner Position zu ermöglichen. Haue also nicht irgendwelche Parolen den Leuten um die Ohren, sondern versuche Standpunkte zu erklären.

Trotz allem, weiß ich natürlich sehr wohl, dass ich in so manchem Menschen gewisse Glaubenspositionen zum wackeln und gelegentlich auch zum einstürzen bringe. Doch immer nur in dem Maße, wie sich mein Gegenüber auf das Gesagte einlassen kann! Also nicht ich entscheide was wer annimmt, es ist mein Gegenüber selbst, welches die Wahl der Entscheidung in sich trägt!

Wir sind zum Prüfen und Forschen aufgerufen und zu nichts anderem möchte ich mein Gegenüber animieren. Nachzufragen, auch wenn es unbequem ist, nachzuforschen, auch wenn es ein schweres Terrain ist. Doch ich selbst kann nur schwerlich Einfluss darauf gewinnen, was mein Gegenüber für sich selbst diesbezüglich entscheidet.

Wie will ich weiter fahren? Nun, es gibt hier nur zwei Möglichkeiten, entweder fahre ich so weiter wie bisher, oder ich lasse es ganz. Eine andere Antwort stellt sich mir nicht! Denn ich glaube und meine Erfahrungen bestätigen das – Erfahrungen mit meinem Gegenüber – dass ich nicht fahrlässig unterwegs bin.

Nun noch etwas zu meinen persönlichen Beweggründen.

Nach intensiven Nachforschen der Geschichte von Juden und Christen ist mir etwas ganz wesentliches durch einen Satz eines jüdischen Gelehrten klar geworden, der folgendes sagte: „Wir selbst tragen Mitverantwortung für das, was uns durch Christen geschehen ist, wir hätten sie mit unserer Lehre nicht allein lassen dürfen. Sie sind wie Kinder, die mit einem ganz gefährlichen Feuer, von uns allein gelassen wurden“. Genau das hat sich in der Geschichte bewiesen! Das ist der entscheidende Punkt, wir haben zu lange zugeschaut, wie man unsere Lehre vom Sinai umformt oder gar pervertiert. Hier bedarf es der Korrektur, denn sonst wiederholt sich Geschichte immer und immer wieder. Wer anderes also, als die Träger der Lehre vom Sinai, sollte sich nun also an das Werk machen, was unsere Vorfahren versäumten oder gar daran resignierten? Ich verstehe Nächstenliebe auch darin, mein Gegenüber eben nicht in seinem irrigen Glauben verharren zu lassen, sondern ihn aus diesem Verharren zu lösen. Denn es könnte doch sein, dass dann mein Gegenüber schneller als er es erdenken kann, sich eine Mitschuld auflastet.

Ich weiß, es ist gerade zu grotesk, wenn ich mir die Geschichte der letzten 1700 Jahre anschaue. Da treten plötzlich, nach 1700 Jahren Schweigen, Juden auf und sagen, so jetzt erklären wir euch mal etwas, und wir tun dies einer Religion an, die Unfehlbar in ihrer Lehre zu sein scheint. Das ist weder diese Religion gewöhnt, noch entspricht es ihrem Selbstverständnis, der einzige wahre Weg, wenn auch mit vielen Fassetten, zu sein. Da wird nicht nur ein Konstantin vorgeführt oder gar ein Luther auf die Finger gehauen, nein, man macht nicht vor einem Paulus und erst recht nicht einem Jesus halt. Das ist schon schwierig, zumal in den eigenen Reihen es genug Menschen gibt, die Alles und Jeden in Frage stellen.

Doch um was geht es letztendlich? Ich glaube, dass Christentum befindet sich an einer entscheidenden Wegscheide. Entweder man macht weiter wie bisher und hier kann ich garantieren, von dieser Religion wird in 100 Jahren nur noch ein Kulturverein übrig bleiben oder man besinnt sich auf seine Wurzeln und Sinnet um. Religionswissenschaftlich ist das Christentum eine sterbende Religion. Das kann man zwar leugnen, doch alle Merkmale einer inneren Auflösung, welche man bei allen alten Religionen beispielhaft nachvollziehen kann, sind im Christentum deutlich vorangeschritten. Kein Religionswissenschaftler wird das leugnen können! Auch gewisse Erweckungsbewegungen, sind nur ein zeitlicher Hemmschuh, einer schon längst eingeschlagenen Entwicklung. Ja gerade solche Erweckungsbewegungen, sind eines der besten Kennzeichen für eine solche Entwicklung, da man sich eine Kursänderung erhofft. Bis her sind alle diese Bewegungen in ihren Erwartungen deutlich gescheitert. Das wird sich auch nicht ändern, denn wenn das Fundament brüchig ist, dann ist auch jeglicher Neubau brüchig. Genau darum geht es mir, aufzuzeigen, wo diese Bruchstellen sind! Aufzuzeigen wo Irrungen und Wirrungen sind, wo die Basis verlassen wurde, wo auf Sand gebaut wurde! Natürlich immer nur in dem Maße meines Erkennens.

Ich habe in den letzten Jahren viele Christen erlebt, die meiner Analyse nicht zustimmen konnten, aber ich habe eben so viele erlebt, die sagten, es stimmt, so können wir nicht mehr weiter machen, wir drehen uns nur noch im Kreise. Sinnet um, das ist meine Botschaft und diese sage ich nur all zu gern mit der jüdischen Version des Rabbi Jeschua, dessen jüdische Lehre nichts an seiner Aktualität verloren hat, was ich bedauerlicher Weise eben nur all zu deutlich in dieser so christlichen Welt sehen kann. Besonders an gewissen geistigen Brandstiftern Made in Amerika oder bestimmten Fundamentalisten, die wieder ganz neue und doch in Wirklichkeit ganz alte Lehren aus dem Hut zaubern. Lehren, die sofort erkannt werden würden, wenn sich doch mal bestimmte Christen endlich mit ihrer eigenen Religionsgeschichte beschäftigen würden. Auch darum muss es mir gehen, schon aus Selbstschutz!

Ich habe den berechtigten Anlass für Hoffnungen, denn es tut sich was zum positiven! Viele stellen Fragen und viele Erkennen. Es bleibt nur, die mir so oft gestellte Frage, offen und wie dann weiter! Auch hier sehe ich ein Licht, es ist Gott!

Samu