Lieber Samu, lieber Shomer,
Licht sind wir. Salz sind wir. Wenn wir innerlich wirklich brennen, besteht die ganz grosse Kunst darin, dieses Licht und dieses Salz so zu dosieren, dass man dadurch keinen Schaden anrichtet.
Ich möchte Euch kurz von einer Erfahrung meinerseits berichten, schmunzeln ist erlaubt ;)
Vor einigen Monaten bin ich mal mit einigen Gemeindemitgliedern Traktate verteilen gegangen. Ich hab richtig gebrannt für den Herrn, wollte die ganze Welt für ihn erobern ... oder an dem Tag zumindest die ganze Stadt. Und ich war der Meinung, Traktate in Briefkästen zu werfen, reiche nicht aus. Somit stürzte ich mich auf den nächsten Kiosk. Dort haben sich 2 Bauarbeiter gerade Ihr Feierabendbier geholt. Ich hab die Leute regelrecht überfallen und erschlagen. Ein Nein mochte ich nicht verstehen ... und so endete es damit, dass die Bauarbeiter regelrecht flüchteten, nachdem ich ihnen Anbot, ihnen daheim vom Evangelium zu erzählen, da sie ja zügig heim müssten ggg
Salz war ich definitiv, aber total falsch dosiert. So habe ich letztlich, trotz allerbester Absichten, einigen Menschen und auch Gott gehörig die Suppe versalzen. Und es sind diese Momente, wo das Salz völlig falsch dosiert ist, welche Menschen zum wanken bringen, welche Blockaden aufbauen und in welchen wir letztlich das Gegenteil von dem bewirken, was wir eigentlich bewirken sollen.
Ein sehr schönes, einfaches und einleuchtendes Beispiel für das Thema „Licht sein“:
Stellt Euch vor, dass Leben ist eine endlose Strasse und alle fahren in die gleiche Richtung. Einige hören die Worte des Vaters und kehren um. Nun fahren sie den anderen Menschen entgegen, denen, die noch verloren sind. Nun haben wir 4 Möglichkeiten, wie wir unser Licht am Auto einstellen können .... bzw. wie wir Licht sein können:
1) Licht aus: So kann definitiv keiner sehen, dass wir Licht sind. Ist eine einfache Variante, Begegnungen zu vermeiden, bei welchen wir auf unser Licht angesprochen werden ... man wird sich höchstens wundern, warum wir in die entgegengesetzte Richtung fahren und uns als Deppen abstempeln.
2) Abblendlicht: Eine Variante, mit welcher wir in der Dunkelheit sehr gut sehen können und auch den Gegenverkehr, der ja ohne Licht fährt, wahrnehmen können. Allerdings kann diese Variante dazu führen, dass wir selber zu schnell aktiv werden, da wir selber zu gut sehen. Es verführt uns dazu, zu eigenmächtig „im Auftrag des Herrn“ zu handeln.
3) Fernlicht: Jaaaa, so stellt sich jeder frischgebackene Gläubige das Leben als Jünger vor: die ganze Welt erleuchten! Allerdings sind diejenigen, die wir erreichen wollen, unser Gegenverkehr. Wenn wir sie blenden führt dies eher dazu, dass sie zwar ihren Kurs ändern, aber nicht kehren, sondern direkt im Graben landen. Wir blenden aber längst nicht nur den Gegenverkehr: Wir blenden auch den Jünger, der vor uns herfährt (den Bruder, den wir mit unserem Eifer erschlagen). Dies kann dazu führen, dass er durch unser Licht im Graben landet.
4) Standlicht: Ich denke, dies ist auf den meisten Kilometern des Lebens exakt die richtige Dosierung. Mit dem Standlicht ist man über riesige Entfernungen für den Gegenverkehr wahrzunehmen, ohne zu blenden. Somit stellt man für den Gegenverkehr keinerlei Gefahr dar. Man selber sieht mit dem Standlicht auch nicht jeden, der einem entgegenkommt. Gott kann entscheiden, wen man sieht. Gott kann führen.
Der Unterschied zwischen Standlicht und Abblendlicht ist derjenige, dass man beim Abblendlicht leichter aus eigener Kraft agiert, da man selber mehr sieht, als Auftrag ist.
Interessant ist übrigens folgendes: Gepredigt wird sehr viel Abblendlicht (Seht die Not, helft anderen, rettet die Welt) oder Fernlicht (Wir haben einen Missionsauftrag), aber leider fast nie Standlicht. Praktiziert wird meistens „Licht aus“, ausser am Sonntag morgen, wo man für 3 Stunden das Fernlicht einschaltet, damit andere sehen, wie hell man doch leuchten kann ... wenn man es will. Diese extreme Lichtansammlung sonntags in den Versammlungen führt übrigens dazu, dass verlorene, welche diese Versammlungen besuchen, derart geblendet werden von dem Schein, dass sie wieder kehrt machen. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man sich als Suchender sonntags in so mancher Gemeinde wirklich als schwarzes Schaf vor kommt. Alle scheinen (leuchten?) so Perfekt und man sieht das eigene Chaos, die eigenen Fehler. Wenn der Unterschied zu krass ist, führt dies nicht zwangsläufig zur Busse, sondern man fühlt sich fehl am Platze ... weniger wert ... als viel schlechterer Mensch ... und unter Umständen geht man und kommt nicht wieder. Nur wer diese Blendung länger erträgt, erkennt, dass dort meist viel mehr Schein als Sein ist und die Brüder und Schwestern auch nur mit Wasser kochen ... und nicht mit purem Salz.
Standlicht ist eine recht defensive Variante, in welcher man viel Zeit hat, an sich selber zu arbeiten, anstatt nur an anderen. Am Balken im eigenen Auge zu arbeiten, anstatt am Splitter im Auge des Bruders. Die eigene Beziehung zu Vater zu intensivieren. Dennoch leuchtet man stets, kann von anderen wahrgenommen werden und von Gott gebraucht werden, wenn ER es will. Standlicht bedeutet, vorleben anstatt nur zu predigen. Diese Variante will ich anstreben. Wie wollt Ihr weiterfahren?
Liebe Grüsse
Eisi



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