Guten Tag,

net.krel schrieb: Das Fegefeuer war von Prinzip her das Veto gegen die unbarmherzige Theologie, daß es nach dem körperlichen Tod angeblich nur noch zwei Optionen gäbe: Ewiger Himmel oder Ewige Hölle.

Es weichte diese extreme Schwarz-Weis-Vorstellung quasi ein bischen auf.

Für jemanden jedoch, dem es klar ist, daß Gott nicht einfach so mir nix dir nix den Geist des Menschens nach dem körperlichen Tod losläßt... der braucht(e) natürlich auch erst gar keine Fegefeuer-Lehre... logisch.

Diese galt nur jenen, die dem Dogma von "Entweder-Himmel-oder-Hölle-nach-dem-Tod" verhaftet waren um ihnen wenigstens ein bischen Luft zu veschaffen.
Interessant finde ich, dass die Menschen überhaupt an sowas wie den Himmel oder die Hölle glauben. Eigentlich könnte man ja auch denken, dass der Tod ganz einfach das Ende bedeutet. Man muss sich ja schon irgendwie in etwas nicht Zeitliches, nicht Vergängliches eingebunden fühlen/hoffen, um überhaupt auf die Idee zu kommen, dass mit dem Tod nicht alles endgültig vorbei ist.

net.krel schrieb: In meinen Augen ist das ganze theologische Konzept falsch... daß "Gott uns loslassen" würde nach dem körperlichen Tod falls man zu Lebzeiten dies und jenes nicht geglaubt/geschafft/etc. hat.

Imho ist der ganze Ansatz dieser Theologie quasi verkehrt... und schon immer gewesen.

Denn sie geht von einen Strafgott aus... von einem "beleidigten-gott"... dem aller-spätestens nach dem körperlichen Tod endgültig der Gedultsfaden platzt...

Sie übertrugen einfach ihre eigene Schwäche auf Gott... ihr Horizont reichte nicht aus um die Herrlichkeit Gottes zu erfassen.
Vielleicht kommt dieses Denken ja aufgrund der Ungerechtigkeiten und Unterschiede zwischen den Menschen in die Köpfe mancher Gläubigen? Herrscher und Beherrschte gab es ja schon immer und wenn man zu der Gruppe der Beherrschten gehört, dann macht man vielleicht über Generationen hinweg die Erfahrung, dass man es selbst immer nur schwer, die Herrscher aber leicht haben (denkt man zumindest). Dann wünscht man sich einen Ausgleich und Gerechtigkeit und vielleicht sogar sowas wie Rache, wenn die Unterdrückten an das Leid denken, das ihnen die Unterdrücker angetan haben? Irgendwie menschlich...

net.krel schrieb: Sie Lobpreisen und Lobsingen die "ewige Liebe Gottes"... die "unvorstellbar große Liebe Gottes"... aber sobald diese ihren Glaubens-Horizont übersteigt... ihre Theologien... ihre Glaubens-Tradition --> rufen sie: "Anathema sit" (Latein --> "der/das sei Ausgeschlossen" )

(Johannes Hartl übrigens auch... er bringt nicht wirklich eine Transformation des bisherigen... er giest lediglich alten Wein über neue Schläuche ein... es gibt Inhaltlich keinen Nennenswerten Unterschied zwischen dem was er in seinen Shows aufführt/predigt... und dem was zB der eine Klavierspielende False-Prophet vorsingt/predigt, hab sein Namen vergessen, war ein Franzose glaub ich...)

Drewermann brachte/bringt eine Transformation... Meister Eckhart damals... Worthaus aufjedenfall auch... Jesus damals... die Propheten damals.... Hartl aber nicht. Er bringt lediglich eine "Re-Präsentation" von Dingen die vielmehr Transformiert gehören.
Ich weiß nicht ob das so monokausal wirklich stimmt? Ich hab' den Johannes Hartl zumindest noch nie "Anathema sit" rufen sehen. Der macht einfach sein Ding mit dem Gebetshaus in Augsburg und dieses Konzept finde ich persönlich wirklich toll. Versuch mal hier in Wiesbaden bei mir nachts, aber auch tagsüber in einer Kirche beten zu gehen. Das kannst du in der Regel vergessen, weil die "Gotteshäuser" alle abgeschlossen sind. Man kommt da einfach nicht rein. Ich finde das eine Katastrophe. Und beim Hartl ist halt tatsächlich 24Stunden am Tag offen und es besteht die Möglichkeit der Begegnung von Mensch und Mensch, Mensch und Gott. Ich find' das sehr gut.

Andererseits hast du natürlich recht und Hartl ist ein treuer Katholik. Daraus macht er ja auch keinen Hehl. Ich find's jetzt nicht so schlimm und ich glaube, dass es im Glaubensleben sowas wie "Phasen der Entwicklung" gibt und wenn jemand eine "Hartl-Phase" hat, ist das, denke ich, nicht das Schlimmste. ;-)

Nein ehrlich, wenn ich daran denke, wo ich mich auf meinem Glaubensweg schon überall rumgetrieben habe und wie ich ganz anders als heute meinen Glauben lebte, würde ich mir überhaupt keine Sorgen nachen wenn z.B. mein Kind sagen würde, dass es jetzt katholisch werden will , weil es den Johannes Hartl so toll findet! :-)

LG
Provisorium