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Hybrid-Darstellung

  1. #1

    Standard

    Hallo Kasper,

    ich habe mich ein wenig bemüht, nicht zu pauschalisieren, sondern ein einigermaßen klares Bild zu zeichnen von dem, was ich mitsamt der Allgemeinheit unter christlichem Fundamentalismus verstehe. Ich bin auch Fundamentalist, wenn Du so willst, nämlich im Sinne von 1.Kor 3,11: "Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." Das Fundament ist also alleine Jesus Christus. Auf welchen Fundamenten allerdings bezieht sich der christliche Fundamentalismus, von dem ich spreche?

    Zunächst sind da die sog. "fünf Fundamentals", die gegeben wurden, um sich scharf von der Historisch-kritischen Methode und der liberalen Theologie abzugrenzen. Aber damit hier auch weniger theologisch versierte User teilnehmen können, fasse ich zunächst kurz das erste Fundament des Fundamentalismus zusammen, nämlich die Irrtumslosigkeit der Bibel.

    Im Artikel XI der Chicago-Erklärung lesen wir: "Wir bekennen, dass die Schrift unfehlbar ist, da sie durch göttliche Inspiration gegeben wurde, so dass sie – weit davon entfernt, uns irrezuführen – wahr und zuverlässig in allen von ihr angesprochenen Fragen ist." Und im darauffolgenden Artikel XII: "Wir bekennen, dass die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos ist und damit frei von Falschheit, Betrug oder Täuschungen. Wir verwerfen die Auffassung, dass sich die biblische Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeitauf geistliche, religiöse oder die Erlösung betreffende Themen beschränke und dass Aussagen im Bereich der Geschichte und Naturwissenschaft davon ausgenommen seien. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass wissenschaftliche Hypothesen über die Erdgeschichte mit Recht dazu benutzt werden dürfen, die Lehre der Schrift über Schöpfung und Sintflut umzustoßen."

    Hier kollidieren zwei völlig verschiedene Bibelverständnisse miteinander, nämlich das traditionell evangelische und das modern fundamentalistische. Ein William MacDonald etwa kommt zu der logischen Konsequenz, daß die Bibel gleichermaßen menschlich und göttlich ist wie Jesus Christus selbst! "Die beste und korrekteste Erklärung der Entstehung dieser alttestamentlichen Bücher wird als zweifache Verfasserschaft bezeichnet. Das AT ist nicht teils menschlich und teils göttlich. Es ist gleichzeitig vollkommen menschlich und vollkommen göttlich. Das göttliche Element verhinderte, dass die Menschen irgendwelche Fehler machten. Das Ergebnis ist ein in den ursprünglichen Handschriften irrtumsloses und fehlerloses Buch. Eine hilfreiche Analogie zum geschriebenen Wort ist die Doppelnatur des lebendigen Wortes, unseres Herrn Jesus Christus."

    Aus meiner Sicht wird die Bibel hier völlig unzulässig an die Stelle Gottes gesetzt. Im Grunde genommen eine Art Heiliger Geist aus Papier, der zwischen Buchdeckeln eingeschlossen und jederzeit verfügbar ist. Zusammenfassend kann ich zum ersten Punkt sagen, daß der christliche Fundamentalismus Gott an der Schrift mißt, während traditionelle und liberale Christen die Schrift an Gott messen.

    Nun ist die Frage, ob es einem Christen zusteht, die Bibel anstelle Gottes bzw. noch über Gott selbst zu stellen.

    Liebe Grüße, Plueschmors.


    Geändert von anonym018 (28.11.2014 um 22:26 Uhr)

  2. #2
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    Zitat Zitat von Plueschmors Beitrag anzeigen
    Hallo Kasper,

    ich habe mich ein wenig bemüht, nicht zu pauschalisieren, sondern ein einigermaßen klares Bild zu zeichnen von dem, was ich mitsamt der Allgemeinheit unter christlichem Fundamentalismus verstehe.
    Hallo Plueschmors,

    entschuldige falls der Eindruck entstanden sein sollte, ich wolle mich mit meinen Ausführungen gegen deine Darstellung richten. Das war von mir etwas unglücklich formuliert. Tatsächlich habe ich meine gedankliche Ausschweifung vor meinem Eindruck der im Internet vorherrschenden Kritik auf der einen und meinen persönlichen Erlebnissen auf der anderen Seite formuliert. Denn auch Fundamentalisten mit einer Orientierung an der Chicago-Erklärung konstruieren ja nicht alle in Andersdenkenden Feindbilder hinein. So wie ich ihnen in der Hoffnung, dass sie ihren Irrglauben früher oder später erkennen werden, mit Freundlichkeit und ehrlichem Interesse begegne, halten sie es meist umgekehrt nicht anders.^^
    Aber ich gebe dir recht – auch für meinen Geschmack wird hier die Schrift zu sehr zum Götzen erhoben, anstatt Gott hinter der Schrift und nicht zwischen den Buchdeckeln zu suchen. Und die ganz offensichtliche praktische Problematik der individuellen Auslegung wird entweder ignoriert oder meines Erachtens mit einer Flucht in die Esoterik bei gleichzeitiger Ablehnung alternativer Auslegungen zu retten gesucht. Und dann drehen sich die Diskussionen oftmals gar nicht mehr um das Wesentliche für einen Christen (nämlich Jesus), sondern wird vielmehr versucht mit den beim Gegner abgelehnten Mitteln der Vernunft „Beweise“ („nach innen“) für die Richtigkeit der eigenen Auslegung, bzw. („nach außen“) für die Richtigkeit biblischer Aussagen in ihrer wortwörtlichen Beschreibung zu finden.
    Trotzdem würde ich nicht soweit gehen dem jüdischen Theologen Lapide zuzustimmnen, der sagte, dass man die Bibel wörtlich nehmen kann, oder ernst. Denn die meisten Bibel-Fundamentalisten sind meinem Eindruck nach durchaus bemüht die Schrift ernst zu nehmen – nur leider sind sie oft sehr einseitig informiert, bzw. schöpfen ihr Wissen aus längst überholten oder widerlegten Darstellungen, während sie gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit den Argumenten des Gegenübers ablehnen und zum Teil aus programatischen Gründen gar nicht dazu in der Lage sind, ihre eigenen Standpunkte zu überdenken - was an der selbstreferentiellen Struktur und der Ablehnung alternativer Bezugssysteme liegt. Die ewig mühselige Debatte um Kreationismus beispielsweise ist hier ein gutes Beispiel, wie ich finde. Oder wie denkst du darüber.
    Aber wir alle irren uns in dem ein oder anderen, ist es nicht so? Und keiner von uns ist bisher am Ende seiner Suche angelangt. Wir alle lernen tagtäglich hinzu, machen Fehler, entdecken neue Perspektiven und bewegen uns doch auf eben jenem Pfad, den wir für uns auf unserer Suche nach fortwährend tieferen Einsicht offensichtlich brauchen bzw. der für uns offensichtlich der gangbare Weg sowohl in der Gemeinschaft Gottes als auch hin zur (zunehmenden) Gemeinschaft Gottes ist. Ich weiß nicht wie du das siehst, aber ob der aktuelle Weg dabei eine Sackgasse ist und uns zur Umkehr zwingen wird, dass sehen wir meines Erachtens am besten in den Früchten. Ein Fundamentalismus der Hass und Gewalt mit sich bringt, der geht wie ich denke fehl – egal ob er glaubt sich auf die Schrift oder auf Jesus zu gründen.
    Lieben Gruß
    Kaspar
    Es sei bitte berücksichtigt, dass meine Besuche zeitweise durch lange Pausen unterbrochen werden. Sollte ich also eine an mich gerichtete Frage überlesen, bzw. nicht unmittelbar beantworten, dann ist dies bitte nicht als Ausdruck des Desinteresses zu werten - ggf. hilft auch mal eine Erinnerung.

  3. #3

    Standard

    Zitat Zitat von Plueschmors Beitrag anzeigen
    Ich bin auch Fundamentalist, wenn Du so willst, nämlich im Sinne von 1.Kor 3,11: "Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." Das Fundament ist also alleine Jesus Christus. Auf welchen Fundamenten allerdings bezieht sich der christliche Fundamentalismus, von dem ich spreche?

    Zunächst sind da die sog. "fünf Fundamentals", die gegeben wurden, um sich scharf von der Historisch-kritischen Methode und der liberalen Theologie abzugrenzen. Aber damit hier auch weniger theologisch versierte User teilnehmen können, fasse ich zunächst kurz das erste Fundament des Fundamentalismus zusammen, nämlich die Irrtumslosigkeit der Bibel.

    Im Artikel XI der Chicago-Erklärung lesen wir: "Wir bekennen, dass die Schrift unfehlbar ist, da sie durch göttliche Inspiration gegeben wurde, so dass sie – weit davon entfernt, uns irrezuführen – wahr und zuverlässig in allen von ihr angesprochenen Fragen ist." Und im darauffolgenden Artikel XII: "Wir bekennen, dass die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos ist und damit frei von Falschheit, Betrug oder Täuschungen. Wir verwerfen die Auffassung, dass sich die biblische Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeitauf geistliche, religiöse oder die Erlösung betreffende Themen beschränke und dass Aussagen im Bereich der Geschichte und Naturwissenschaft davon ausgenommen seien. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass wissenschaftliche Hypothesen über die Erdgeschichte mit Recht dazu benutzt werden dürfen, die Lehre der Schrift über Schöpfung und Sintflut umzustoßen."

    Hier kollidieren zwei völlig verschiedene Bibelverständnisse miteinander, nämlich das traditionell evangelische und das modern fundamentalistische.
    "Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
    Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
    Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich." (Mt. 5:17-19)

    Damit tritt Jesus hier als der radikalste Fundamentalist auf.
    Das traditionel evangelische Bibelverständnis aber, mit ihrer Bibelkritik, hebt Stück für Stück das Gesetz und die Propheten auf.

    Aus meiner Sicht wird die Bibel hier völlig unzulässig an die Stelle Gottes gesetzt. Im Grunde genommen eine Art Heiliger Geist aus Papier, der zwischen Buchdeckeln eingeschlossen und jederzeit verfügbar ist. Zusammenfassend kann ich zum ersten Punkt sagen, daß der christliche Fundamentalismus Gott an der Schrift mißt, während traditionelle und liberale Christen die Schrift an Gott messen.

    Nun ist die Frage, ob es einem Christen zusteht, die Bibel anstelle Gottes bzw. noch über Gott selbst zu stellen.
    Das ist völliger Qutsch.
    Wenn ich jetzt einen Satz aus diesem deinen Post nehme, bist das du oder bist das nicht du?
    Ich kann diesen deinen Satz mit dir gleichsetzen, solange du deine Meinung nicht änderst oder dich korrigiest.
    Genau so ist es mit Gott und seinem Wort. Da Gott sich uns in seinem Wort offenbart, ist sein Wort für uns gleich Gott. Das ist er, er hat es gesagt.
    Auch über ein Gemälde wird gesagt: "das ist Rembrandt", oder "das ist van Gogh".

    Wer aber Gott nicht glaubt, versucht Gott von seinem Wort zu trennen. Und was bleibt dann? Ein abstrakter Gott, dem mann alles zuschreiben, oder absprechen kann, was man will. Sich also einen Gott zurechtbasteln nach eigenem Geschmack.

    "Wenn ihr Mose glauben würdet, müßtet ihr auch mir glauben; denn über mich hat er geschrieben.
    Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?" (Joh. 5:46-47)
    Geändert von ed (01.12.2014 um 10:12 Uhr)


 

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