Schönen guten Morgen,

ich möchte gerne ein paar Worte zu folgender Unterhaltung zwischen net.krel und firefly sagen:

net.krel schrieb: Letztendliches Ziel bei all dem ist - zumindest in meinen Augen - Gott in seinen Herzen wieder wahr zu nehmen und sich als Kind Gottes innerlich zu erkennen
firefly antworte: Es stimmt mich fast nachdenklich, dass das "Ziel" sein kann für Menschenseelen, denn wie weit sind wir denn entfernt von unserem Ursprung, dass wir tatsächlich erst "lernen" müssen unsere Wurzel ("Gott") wahrzunehmen?

Einerseits gebe ich dir recht, sich ohne "Wenn und aber" endlich wieder als "Kind" des Ursprungs zu erkennen, scheint wenn man sich umschaut so unglaublich weit weg zu sein in mancher Menschen Leben, selbst in vielen Leben derer, die sich mit Religion und "Unsichtbarem" ,"Übersinnlichem" oder anderen Welten längst beschäftigen, das es wünschenswert sei.
Andererseits- es ist so ein "kurzer Weg" eigentlich, denn alle Seelen entstammen daraus und kehren dahin zurück, dass ich es auch anders betrachtet ernüchternd empfinde, dass das Ziel und nicht "Startpunkt" ist?

wir entstammen daraus und kehren zurück- und ich weiß, dass das "Sich erinnern" trotzdem so unendlich entfernt erscheint in manchen Seelen, weil materielles überlagert oder gar der Streit darüber "wie man richtig glaubt", oder wer "ans Ziel kommt- wer nicht" usw

Es braucht oft so lange, bis eine Seele "eins" mit sich und der Wurzel ist- dabei liegt es in uns schon immer und unseren Lebensplan zu kennen und zu leben kann uns (trotz Fehler oder fehltritte) ganz still und wie "von selbst" ans Ziel führen.
Braucht es Mut, Religionen (die Hilfen) loszulassen und sich auf den eigentlichen Weg zu machen? Reflektiert es Angst, etwas nicht kontrollieren zu können?
Es braucht wirklichen Glauben, Erkennen der Wurzel und sich selbst darin zu erkennen...
Also mich persönlich wundert es nicht im Geringsten, dass sich Menschen entwurzelt vorkommen und sich nicht als "Kind des Ursprungs" verstehen, wie firefly es ausdrückte. Deshalb will ich mal versuchen die Fragen zu beantworten, die sich diesbezüglich aufgetan haben.

Ich denke man kann mit einigem Recht das menschliche Leben als Aneinanderreihung zahlreicher Krisen verstehen und erleben. Schon bei der Geburt wird man von wohligwarmen 37°C durch einen engen Geburtskanal in die Kälte gepresst und weiß nicht im Geringsten wie einem geschied. Dann der erste Atemzug, eine völlig neue Erfahrung, die nicht selten mit lautem Kreischen verbunden ist - wieder etwas, was man zuvor nicht kannte. Kurz, man betritt gleich zu Beginn des Lebens in völliger Hilflosigkeit und Abhängigkeit eine Welt, von der man nicht wissen kann, ob sie es auch gut mit einem meint.

Und diese Abhängigkeit bleibt dann auch noch über Jahre, gar Jahrzehnte bestehen. Die Erfahrungen die man in dieser Zeit dann macht, sind im höchsten Maße abhängig von dem Umfeld in das man geboren wird und in dem man sich irgendwie zurechtfinden muss, während man langsam (oder auch viel zu schnell) mit all den vielen kleinen und großen Notwendigkeiten der Existenz vertraut wird.

Dabei kann so unglaublich viel schief gehen, dass es mich persönlich vielmehr verwundert, dass Menschen überhaupt wieder zu ihrer Wurzel zurückfinden und sich nicht in ihren Ängsten, Nöten und Sorgen verlieren und verirren.

Ich hab' in diesem Zusammenhang letztens eine sehr schöne Sentenz gehört, die ich gerne mit euch teilen würde. Die ging ungefähr so: "Zig milliarden Jahre Evolution konnten Gott nicht davon abhalten den Menschen so lange hinterherzugehen und sie zu suchen, bis er sie endlich gefunden hatte."

Ich finde das drückt sehr schön aus in was für einer Situation sich der Mensch befindet. Die Wurzel, aus der er stammt, ist ihm zunächst einmal völlig unbekannt und liegt eine unvorstellbar lange Zeit zurück. Mehr noch, die Naturwissenschaft legt nahe, dass er das zufällige Produkt eines deterministischen Entwicklungsverlaufes ist, der ihn persönlich aber niemals gemeint, niemals wirklich gewollt hat und jederzeit prima ohne ihn weiterlaufen würde.

Was ist also der Mensch, fragt sich der Mensch und er weiß es nicht. Sich in einer solchen Situation auf seine Wurzel besinnen ist sicher eine Möglichkeit, aber viel wahrscheinlicher scheint mir doch das Bestreben danach, was in Jesaja 22,13 sehr schön ausgedrückt ist, nachdem man sich die Option der "Wurzelsuche" hat durch den Kopf gehen lassen und verwarf:

"...doch siehe, da ist Jubel und Vergnügen, Ochsenschlachten und Schafeschächten, Fleischessen und Weintrinken: Lasst und essen und trinken, denn morgen sind wir tot!"

Und so wird's dann gemacht!

Ich denke wir müssen uns den Menschen als viel zerbrechlicher und bedürftiger vorstellen, als man es gemeinhin tut. Das er sich auf die Suche nach seiner Wurzel, schlussendlich also nach sich selbst, macht, halte ich in gewisser Weise tatsächlich für sehr wahrscheinlich. Oft genug treiben ihn nämlich Ängste und Nöte dazu. Das er diese Suche aber "erfolgreich" abschließen kann und sich dabei nicht in irgendeiner Weise verirrt und verheddert, braucht meiner Überzeugung nach unbedingt einen Gegenüber (Gott), der ihn bewahrt und beschützt und nachgeht.

Es braucht Vertrauen (Glaube) in diese Wurzel und selbst wenn wir mit Urvertrauen auf diese Welt kommen sollten, kann es trotzdem in den Irrungen und Wirrungen des Lebens verloren gehen. Und dann braucht man Hilfe....

LG
Provisorium